Hinter Sherwood-Forest und unter der Stadtautobahn: Gesichter des Prager Hauptbahnhofs (Teil 2)

Christian Rühmkorf hatte Sie vor zwei Wochen im „Forum Gesellschaft“ mit den umfangreichen Modernisierungsplänen für den Prager Hauptbahnhof bekannt gemacht. Hören Sie nun den zweiten Teil dieses Beitrags, in dem der Bahnhof noch einmal unter die Lupe genommen wird – und zwar so, wie er jetzt noch aussieht und vor sich hinexistiert.

Prager HauptbahnhofPrager Hauptbahnhof „Sherwood“ nennen die Prager den Park vor dem Bahnhof. Und sie wissen, warum. Zwischen den Bäumen und auf den Bänken lagern und wegelagern zwielichtige Personen. Eine Gesellschaft von Kriminellen, Obdachlosen, Sachensuchern und Drogensüchtigen. Kurz: die unterste Kajüte der Gesellschaft. Nur das Gute fehlt hier, der Robin Hood. Stattdessen patrouillieren hier ab und zu schwarze Sherriffs – Polizisten. Wen sie hier beschützen, ist nicht immer klar. Dazwischen verliert sich manchmal ein ahnungsloser Reisender und es dauert nicht lange, bis ihm dämmert, wo er sich befindet und er sich ein davon macht. Sherwood bei Nacht zu durchqueren würde keinem Prager einfallen, der halbwegs bei Trost ist. Im vergangenen Jahr kam es hier sogar zu einem Mord unter Obdachlosen.

Wir drehen Sherwood den Rücken zu – was immer ein leichtes Unbehagen verursacht – und blicken auf die Eingangshalle des Bahnhofs aus den 70er Jahren. Wagen wir den Schritt hinein...