Der Internationale Frauentag: Die Lage der Frauen

08-03-2007

Im Forum Gesellschaft geht es am heutigen Donnerstag um den Internationalen Frauentag. In Tschechien diskutierte die Politik allerdings erst letzte Woche darüber ihn abzuschaffen. Er bleibt bestehen, doch stellt sich die Frage ob es wirklich Grund zu feiern gibt. Mehr über die Situation der Frauen weiß Andrea Nehr, die sich mit Pavla Frydlova von der Organisation Genderstudies traf.

- In Führungspositionen sind hauptsächlich Männer zu finden. Schuld ist...

"Schuld ist die patriarchale Tradition der Gesellschaft." - Die Emanzipation ist die Sehnsucht der Frauen wie Männer zu sein. "Es geht nicht darum, die Männer zu kopieren. Man muss aufpassen, dass man frauenspezifische Einblicke oder Positionen zu den verschieden Themen hat."

- Die Gleichberechtigung von Frauen und Männer ist eine Illusion.

"Ich hoffe nicht. Es wird vielleicht noch ein paar Jahrzehnte dauern, aber ich hoffe, es ist keine Illusion."

Die Organisation Genderstudies, bei der Frau Frydlova als stellvertretende Leiterin tätig ist, ist ein Informationsforum, das Projekte und Seminare durchführt. Die Initiative gibt es schon seit 50 Jahren. Aber auch Kritik an dieser Arbeit gibt es. So haben sich Männerforen gebildet, die den Männern im Gegenzug eine Stimme geben möchten. Wichtig für die Arbeit ist, dass besonders seit dem EU Beitritt mehr Daten zum Thema Frauen zur Verfügung stehen. Die Situation der Frauen in Zahlen: Von 100 Führungspositionen fallen 76 auf Männer, im Parlament sind mehr als ein Dreiviertel der Abgeordneten Männer. Knapp 10 Prozent der Frauen sind arbeitslos, bei den Männern sind es hingegen nur sechseinhalb Prozent. Und: Frauen verdienen 20 Prozent weniger als Männer.

Wie sieht es nun aber unabhängig von diesen Zahlen für die Frauen aus? Sind sie gleichberechtigt gegenüber den Männern? Gleichberechtigung ist zunächst ein recht allgemeiner Begriff. Aber was soll das eigentlich heißen, Gleichberechtigung? Pavla Frydlova, die stellvertretende Leiterin von Genderstudies erklärt, was sie darunter versteht.

"Gleichberechtigung bedeutet für mich oder für uns, die in diesem Bereich arbeiten, dass Frauen und Männer gleiche Startpositionen und gleiche Rechte haben - im Privatleben, genauso wie im Arbeitsleben."

Laut Gesetz ist die gleiche Behandlung von Frauen und Männern festgeschrieben. Durch den EU Beitritt wurde der Prozess der Gleichstellung weiter vorangebracht, doch sehr oft, so Frau Frydlova, mangele es an der Umsetzung. Das Antidiskriminierungsgesetz der EU wurde auch in Tschechien noch nicht umgesetzt. Es würde die bisherigen einzelnen Gesetze zusammenfassen. Außerdem sollten die Tschechen nach dieser EU - Norm eine eigene Institution zur Förderung der Gleichstellung und zum Schutz vor Diskriminierung ins Leben rufen. Eine solche Institution gibt es noch nicht. Die Frage bleibt, ob Frauen wirklich die Möglichkeiten wahrnehmen können wie es Männer tun. Besonders in der Arbeitswelt wird oftmals eine Benachteiligung beklagt. Warum Frauen häufiger arbeitslos sind, erklärt Pavla Frydlova.

"Junge Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt nicht so häufig zu sehen, weil sie zukünftige Mütter sind. Und die Frauen, die 30, 35 oder 40 Jahre alt sind, die haben bereits kleine Kinder. Die Unternehmer stellen solche jungen Mütter nicht gerne ein. Unter den Frauen über 45 oder 50 Jahren gibt es ebenso eine hohe Arbeitslosigkeit.."

Das, so Frau Frydlova, gehe den Männern im fortgeschrittenen Alter aber auch nicht anders. Das Problem der Frauenarbeitslosigkeit beginnt aber oft schon bei der Arbeitssuche.

"Das fängt schon einmal mit diskriminierenden Announcen in den Zeitungen an. `Wir suchen eine junge Sekretärin` oder `Wir suchen einen Chef`. Die Unternehmer fragen sehr oft nach dem Familienstand: `Haben Sie Kinder?` oder `Wollen Sie bald Kinder kriegen?` Diese Fragen werden den Männern nicht gestellt. Und natürlich gibt es diese Einkommensunterschiede. Solche Faktoren machen die Ungleichheit am Arbeitsplatz aus und gehören zu den Faktoren für Arbeitslosigkeit."

In Tschechien können die Frauen und auch die Männer vier Jahre im Erziehungsurlaub bleiben. Das hört sich zunächst einmal sehr positiv für die werdenden Mütter und Väter an, doch:

"Eine besonders betroffene Gruppe sind die Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub. Sie wissen vielleicht, dass der Mutterschaftsurlaub in Tschechien ziemlich lang ist, mit dem neuen Gesetz bis zu vier Jahren. Und danach eine Arbeit zu finden, das ist sehr schwierig."

Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen liegt bei 20 Prozent. Besonders wenig verdienen die Frauen, die im Krankenhaus oder in der Schule arbeiten. Beim Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern gibt es aber noch eine Besonderheit.

"Sehr wichtig ist, dass die Unterschiede zwischen dem Gehalt von Männern und Frauen immer größer werden umso höher die Position ist. Da betragen die Unterschiede fast 50 Prozent."

Ein Grund für diese großen Unterschiede liegt aber wohl auch bei den Frauen selbst, wie Pavla Frydlova meint.

"Die Frauen fragen weniger nach. Wenn sich ein Mann um eine Position bewirbt, dann sagt er, ich mache das nicht unter 40.000 Kronen. Und die Frauen unterschätzen sich manchmal - nicht immer, aber sehr oft."

Den internationalen Frauentag nutzen die Fraueninitiativen, um sich zu präsentieren, für sie ist es ein Kampftag. Mittlerweile gibt es in Tschechien viele Frauenorganisationen. Doch ihre Arbeit fällt nicht auf so fruchtbaren Boden wie beispielsweise in Deutschland. Die Meinungen der tschechischen Frauen ob sie die Gleichberechtigung als erfüllt sehen, sind verschieden.

"Ich denke, ja, auch wenn ich aus meiner Umgebung immer mal wieder höre, dass es das nicht gibt, aber ich merke es selbst nicht."

"Ich meine, dass sich schon einiges verbessert hat, aber ob man das dann schon als Gleichberechtigung bezeichnen kann, das weiß ich nicht."

Wie verbringen die Frauen nun den 8. März und feiern sie ihn überhaupt?

"Nein, eigentlich nicht. Aber es wäre schön, wenn ich eine Blume oder ein Geschenk bekommen würde. Aber, nein, ich feiere den Tag nicht."

"Die Familie trifft sich immer, wir bekommen Blumen und ich koche was gutes zu essen. Wir diskutieren und reden, aber wir vermeiden die Themen Arbeit und Politik dabei."

08-03-2007