Biber, Otter, Wolf: Zu Hause in Tschechien

Der Wolf, der Biber und der Otter. Diese Tiere sind seit jeher in Tschechien heimisch und gehören hierzulande zu den geschützten Tierarten. Allerdings haben sie hier keine natürlichen Feinde. Ihre Bestände wachsen und verursachen große Schäden in der Land- und Teichwirtschaft. Deswegen gehen auch die Meinungen der Experten auseinander, wie mit diesen und weiteren Tierarten umzugehen.

Foto: ČT24Foto: ČT24 Der Wolf. Nach mehr als 100 Jahren ist der Räuber nach Tschechien zurückgekehrt. Laut Umweltschützern leben derzeit sechs bis sieben Rudel auf tschechischem Gebiet, das sind rund 50 Tiere. Die erste Wolfs-Meute wurde vor vier Jahren in der Umgebung des Mácha-Sees in Nordböhmen bestätigt. Weitere Rudel sind in der Mittelgebirgen an der Grenze zwischen Böhmen und Sachsen unterwegs. Eben aus Deutschland seien die Raubtiere nach Tschechien eingewandert, erklärte der Biologe Jan Andreska gegenüber dem Inlandssender des Tschechischen Rundfunks:

„Die Wölfe sind auf einem komplizierten Weg nach Tschechien gekommen. Sie stammen aus der Lausitz. Dort ist in den 1990er Jahren ein Rudel entstanden und entsendet seitdem junge Wölfe, die sich hierzulande niederlassen. Zweifelsohne stammen sie von der Ostsee und sind auf einem alten, bekannten Migrationsweg über Polen nach Sachsen gekommen. Aus der Lausitz breiten sich die Tiere in unsere Grenzgebiete aus, aber auch weiter in die Umgebung des Mácha-Sees. Manche sind sogar bis in den Böhmerwald und nach Oberösterreich gekommen.“

Foto: Kateřina Hlavatá, Flickr, CC BY 2.0Foto: Kateřina Hlavatá, Flickr, CC BY 2.0 Die Wölfe erfüllen in der Natur die Rolle der Räuber. Damit müsse man sich auseinandersetzen können, sagt der Wissenschaftler:

„Wir müssen ökologische Gesetze in Betracht ziehen: Jede Nahrungskette hat ein Ende. Der Wolf befindet sich an der Spitze der Nahrungskette. Wenn er in einer Gegend ausgerottet wird, fehlt er. Als Beispiel dafür kann die Ausbreitung der Wildschweine hierzulande dienen. In den 1960er Jahren wurden 4000 Tiere pro Jahr erlegt, im Jahr 2017 waren es schon 250.000 Wildschweine. Dies zeigt, dass da ein natürlicher Feind fehlt. So ist es auch in Italien, wo die Wölfe in einem Nationalpark in Kalabrien leben. Wenn wir uns die Lage dort anschauen, stellen wir fest, dass die Wölfe ihre Jungtiere zu 70 bis 80 Prozent mit jungen Wildschweinen ernähren.“

Immer mehr Rudel in Tschechien

Doch nicht jeder hält den Wolf für so unentbehrlich. Der Böhmisch-mährische Jägerverband verweist darauf, dass die Wölfe ihrerseits keine natürlichen Feinde hierzulande hätten und ihr steigender Bestand sowohl für die Natur als auch für die Menschen gefährlich sei. Die Jäger verlangen, dass der Staat klare Maßnahmen gegen den Räuber zu ergreift. Miloš Fischer ist Geschäftsführer des Verbands:

Foto: Martina BíláFoto: Martina Bílá „Wir wollen, dass bei den Wölfen festgelegt wird, in welchen Gebieten sie unter Schutz stehen sollen. Das ist in Ordnung. Dieser Raum würde garantieren, dass die Wolfs-Population hierzulande stabil bleibt.“

Doch für andere Gebiete sollen die Schutzregeln gelockert werden. Der Jägerverband verweist auf die wirtschaftlichen Interessen der Menschen.

„Jeder sollte zur Kenntnis nehmen, was das für die Tierzüchter bedeutet. Viele von ihnen wollen ihre Betriebe schließen wegen den Wölfen. Sie können einfach nicht verhindern, dass ihre Schafe von Wölfen gerissen werden.“

Nach Angaben des Jägerverbands habe der Staat bis 2017 insgesamt 1,4 Millionen Kronen (54.000 Euro) für Wolfs-Schäden bezahlt. Aktuell wurden Kompensationen in einer Höhe von 27 Millionen Kronen (über eine Million Euro) beantragt. Die Jäger verlangen daher vom Staat eine klare Definition der gewünschten Zahl der Wölfe sowie die Festlegung von Zonen, in denen ihr Vorkommen erwünscht ist. Karolína Šůlová von der Agentur für den Umweltschutz hält das aber für kaum realistisch:

Foto: Jiří Čondl, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Jiří Čondl, Archiv des Tschechischen Rundfunks „Die Agentur hat ein Programm zur Pflege der Wölfe ausgearbeitet. Ein Punkt ist eine Bestandsaufnahme jener Tiere, die in Gefangenschaft aufgezogen wurden. Bei den Wölfen in der freien Natur ist es völlig unmöglich, eine optimale Zahl von Tieren festzulegen. Der Wolf legt in seinem Leben mehrere Hundert Kilometer zurück. Die Eingrenzung von Zonen ist da kaum denkbar. Zudem braucht unsere Natur den Wolf, weil er dabei hilft, die Bestände der wildlebenden Klauentiere zu regulieren.“

Im Jahr 2014 tauchten in Tschechien erstmals wieder wilde Wölfe auf. Seitdem steigt ihre Zahl rasant. Der Räuber ist per Gesetz geschützt. In Problemfällen dürfen Einzeltiere ausnahmsweise gefangen oder erlegt werden.

Otter, oder Fische

Foto: Pixabay, CC0 Public DomainFoto: Pixabay, CC0 Public Domain Doch nicht nur um den Wolf wird gestritten. Auch zwei Großnager sorgen hierzulande vermehrt für Probleme – und zwar der Otter und der Biber. Laut Pavel Vrána vom Tschechischen Fischerverband haben sich die Otter hierzulande so stark vermehrt, dass sie beinahe für die Ausrottung einiger der ursprünglichen Fischarten gesorgt hätten. Das lasse sich finanziell nicht kompensieren, so Vrána:

„Die Otter wurden in Tschechien nie völlig ausgerottet. Ihre Zahl wurde aber dermaßen reduziert, dass sie für die Menschen praktisch unsichtbar geworden sind. Wir gehen davon aus, dass hier durchgehend eine kleine Population von Ottern gelebt hat. Ihr Anstieg in der letzten Zeit ist aber enorm. Das Umweltministerium spricht von 6000 Tieren, aber die Zahlen liegen wohl viel höher.“

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag Daher wünschen sich die Fischer, dass die Population künstlich reduziert wird. Laut Karolína Šůlová von der Umweltschutzagentur ist dies aber nicht möglich:

„Es gibt nicht so viele Fischotter, dass ein massives Abfangen der Tiere unproblematisch wäre. Außerdem hätte das sowieso keinen Einfluss auf die Fischbestände. Aus diesem Grund gewährt der Staat den Fischern finanzielle Ersatzzahlungen, um ihre Verluste auszugleichen.“

Aber auch der Biber wird vermehrt als Gefahr wahrgenommen. Das Tier hat nach Angaben des Fischerverbandes in Südböhmen die besten Lebensbedingungen und sorgt dort für massive Probleme. Martin Kratochvíl von dem Verband:

„Die häufigsten Schäden, die der Biber verursacht, entstehen an Teichdämmen beziehungsweise an Teichauslässen und Sicherheitsüberläufen. Der Biber lebt im Prinzip verborgen, und die Löcher im Damm sind auf den ersten Blick nicht zu sehen. Wenn dann Hochwasser kommt, droht die Gefahr, dass der Damm reißt.“

Teichlandschaft bietet Lebensraum für Biber

Biberdamm (Foto: Štěpán Tračík)Biberdamm (Foto: Štěpán Tračík) Laut Kratochvíl tun das Umweltministerium und die Agentur für den Natur- und Landschaftsschutz in diesem Bereich genug. Aber:

„Die Jagd auf den Biber ist nicht einfach. In der Tschechischen Republik leben etwa 6000 bis 10.000 von ihnen. Nur einen kleinen Teil der Tiere dürften wir dann fangen. Das steht jedoch in keinem Verhältnis zu den Schäden, die der Biber verursacht.“

Foto: Bohuš Číčel, CC BY-SA 3.0Foto: Bohuš Číčel, CC BY-SA 3.0

Foto: Sylvain Haye, CC 3.0Foto: Sylvain Haye, CC 3.0 Die Fischer verlangen eine erweiterte Lizenz zur Biberjagd. Die Tschechische Republik sei derzeit in drei Schutzzonen eingeteilt, erklärt Karolína Šůlová:

„Das Teichgebiet Südböhmens liegt in der sogenannten Zone C. Sollte der Biber dort gesichtet werden, ist es erlaubt, ihn zu fangen. Das meiste Gebiet des Landes liegt in der Zone B. Dort kann man im Falle einer Bedrohung um eine Ausnahme bitten und auch dort die Biber abfangen.“

Der Staat sieht daher keinen Grund, die Bedingungen für das Abfangen zu lockern.