1936: Abend über Prag

Ein Hauch von Argentinien an der Moldau.

Foto: Archiv des Magistrats der Hauptstadt PragFoto: Archiv des Magistrats der Hauptstadt Prag Die erfolgreichsten Operettenkomponisten der Ersten Tschechoslowakischen Republik bildeten eine Art Triumvirat: Jára Beneš, Jaroslav Jankovec sowie Josef Stelibský, der jüngste der drei. Ähnlich wie in vielen anderen Fällen durften Stelibskýs bekannte Melodien viele Jahre lang nirgends erklingen. Denn als 1948 die Kommunisten an die Macht kamen, war der Komponist im Vertrauen auf seine Fähigkeiten bereits emigriert. Doch der Erfolg im Ausland blieb aus, und Stelibský starb schließlich fern der Heimat. Der Grund, so schrieb man damals, war „hoffnungsloses Heimweh“.

Josef Stelibský war ein anerkannter Meister des romantischen Tangos und komponierte unzählige davon. Wir haben für Sie einen Tango aus seiner ersten Operette „Reich dem Glück die Hand“ („Podej štěstí ruku“) aus dem Jahr 1936 ausgewählt. Gerühmt wird darin die Schönheit Prags. Der Melodiker Stelibský offenbart darin ganz deutlich seine aufrichtige Liebe zum besungenen Gegenstand. Auch Josef Zima und Alena Rychetská mit der Kapelle von Slava Kunst hatten den Tango „Abend über Prag“ („Večer nad Prahou“) im Programm. Und es ist offensichtlich, dass Josef Stelibský in der Emigration in vielen Erinnerungen schwelgen konnte, und das nicht nur an Prag.

Ereignisse 1936
■ 13. Juli: Der legendäre Zug „Slovenska strela“, das slowakisches Geschoss, absolviert seine Jungfernfahrt von Prag nach Bratislava.
■ Im August wird in der Tschechoslowakei erstmals ein Fernsehsignal empfangen.
■ 5. Oktober: Der Dramatiker und tschechische Staatspräsident Václav Havel wird geboren.