Festival Mitte Europa

23-02-2004

Wenn in Plauen eine Ausstellung des bekannten deutschen Schauspielers Armin-Müller Stahl zu bestaunen ist, das Jaromir Honzak Quintett im oberfränkischen Kleinlosnitz "Jazz auf dem Lande" spielt oder der "Choir of new college oxford" zu Konzerten nach Cheb und Kronach kommt, dann liegt das an einem ganz besonderen grenzüberschreitenden Großereignis: dem Festival Mitte Europa. Diesem gilt auch eine weitere Folge der Serie "Gelebte Nachbarschaft", die vom Deutsch-tschechischen Informationszentrum IDOR aus Marktredwitz produziert wurde.

Festival Mitte EuropaFestival Mitte Europa Das Projekt, das im Bereich der Euregio Egrensis stattfindet, verbindet bereits seit Anfang der 90er Jahre Bayern, Böhmen und Sachsen mit Hilfe der unterschiedlichsten Kulturveranstaltungen. Alles begann im ehemaligen Grenzort Mißlareuth und entwickelte sich stetig weiter. Festival-Leiter Thomas Thomaschke:

"Zuerst ging es einmal ganz simpel darum, die Orte wieder zu entdecken, die in diesen Sperrgebieten lagen. Es ging auf der tschechischen Seite ganz simpel darum, nach 45 Jahren mal eine Kulturveranstaltung zu machen. Aber unser Hauptanliegen ist es nach wie vor mit Hilfe kultureller Veranstaltung die Menschen aus den drei Ländern zusammenzubringen.."

Ein Ziel, dem das Festival Mitte Europa immer näher kommt. Das bestätigt ein Blick ins Publikum der verschiedenen Veranstaltungen:

"In der Zwischenzeit ist das so, dass wir ein tschechisches Publikum haben, ein deutsches Publikum, und dazu kommt diese dritte Komponente, dass eigentlich die ehemaligen Sudetendeutschen jetzt auch zu den Veranstaltungen kommen und wir dadurch zu einer sehr entkrampften Situation kommen, was für diese großen Fragen des deutsch-tschechischen Dialogs eine große Rolle spielt."

Völkerverständigung und Aussöhnung durch Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Installationen oder Workshops - das ist das Festival Mitte Europa. Das Projekt verhilft auch verblassten Kulturstätten zu neuem Glanz. Davon profitierte unter anderem die Burganlage im tschechischen Loket:

"Unterhalb dieser Burg hat es eine Naturbühne gegeben und die ist dann während des Kommunismus verfallen und dann ist irgendjemand darauf gekommen, dass man sie wieder aufbauen könnte. Also hat der Bürgermeister gesagt, macht bei uns die Eröffnung des Festivals, wenn die also bei uns ist, dann kriege ich dadurch Gelder, damit ich diese Naturbühne wieder aufbauen kann. Und das hat geklappt und jetzt existiert die Naturbühne wieder und Sie können außerhalb des Festivals sie bespielen."

Neben der deutsch-tschechischen Komponente thematisiert das Festival Mitte Europa auch den europäischen Gedanken - vor allem angesichts der bevorstehenden EU-Osterweiterung. Dabei setzt man nicht auf Vorträge oder Diskussionen, sondern eher auf unkonventionelle Aktionen.

"Da haben wir einen Chor aus Brüssel eingeladen, und die sind alle Mitarbeiter der Brüsseler Behörde. Sie haben erzählt, was sie in Brüssel machen und woran sie genau arbeiten. Und nach meiner Meinung haben die Menschen, die dort hingekommen sind, über die EU an dem Abend viel mehr mitgenommen, als wenn 10 Diskussionen gewesen wären."

"Kultur verbindet" wird auf jeden Fall auch in Zukunft das Motto des Festivals Mitte Europa bleiben. Thomas Thomaschke will schließlich auch nach der EU-Erweiterung die verbliebenen Vorbehalte von Deutschen und Tschechen entkräften:

"Die Zusammenarbeit besteht nicht nur aus billig essen gehen und Prostitution usw., sondern es gibt auch viele positive Dinge, und dazu gehört sicherlich auch das Festival."

Im Internet ist das Festival Mitte Europa mit einer zweisprachigen Seite vertreten. Die Adresse lautet: www.festival-mitte-europa.de.

23-02-2004