Münzen in Böhmen: Von den keltischen Regenbogenschüsselchen zu den Dukaten Karls IV.

Im 14. Jahrhundert waren die böhmischen Länder das erste Staatsgebilde nördlich der Alpen, das eine eigene Goldwährung hatte. Seit Böhmens König Johann von Luxemburg solche Münzen prägen ließ, sind 691 Jahre vergangen. Doch die Gold- und Silber-Münzenprägung hierzulande ist sehr viel älter. Ein Exkurs in die Geschichte der Münzen durch mehrere Jahrhunderte.

Keltische Münzen (Foto: ČT24)Keltische Münzen (Foto: ČT24) Die ältesten Münzen, die an unterschiedlichen Orten des heutigen Tschechiens bei archäologischen Ausgrabungen gehoben wurden, sind nicht einheimischen Ursprungs. Es handelt sich um griechische, römische und frühbyzantinische Münzen, die vor allem als Belege für die Kontakte mit der antiken Welt gelten. Darüber, wann und auf welchen Wegen sie hier hergelangt sind, ist nur wenig bekannt. Ähnliches lässt sich über keltische Münzen sagen. Ungefähr seit dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung expandierten die Kelten aus ihren westlich gelegenen Kulturzentren unter anderem nach Böhmen und weiter ost- und südwärts. Gerade ihnen wird die erste Prägung von Silber- und Goldmünzen auf böhmischem Boden zugeschrieben. Zdeněk Petráň, Numismatiker und Mitarbeiter des Tschechischen Museums für Silberförderung in Kutná Hora / Kuttenberg:

Zdeněk Petráň (Foto: YouTube Kanal der Partei Změna)Zdeněk Petráň (Foto: YouTube Kanal der Partei Změna) „Kurz vor der Zeitenwende, in den letzten Jahrzehnten vor Christi Geburt, waren keltische Gold- und Silbermünzen in Böhmen verbreitet. Dazu sind aber keine schriftlichen Dokumente erhalten. Die schüsselförmig gewölbten Goldstücke sind nicht beschriftet, sondern mit symbolischen Mustern verziert. Diese waren wohl nur für die Kelten selbst verständlich. Das Gold wurde aller Wahrscheinlichkeit nach aus böhmischen Flüssen gewonnen. Aus dem Gold, das sich durch hohe Qualität auszeichnete, wurden Münzen geprägt, die man als „duhovky“, auf Deutsch Regenbogenschüsselchen bezeichnet. Einzelstücke wurden später wiederholt auf Feldern gefunden, wo sie bei Regen herausgeschwemmt wurden. Weil nach manchem Regen ein Regenbogen auftauchte, hieß es im mittelalterlichen Aberglauben, am Himmel befinde sich eine goldene Schüssel, aus der Goldmünzen über den Regenbogen auf die Erde rutschen. Deshalb wurden sie ‚Regenbogenschüsselchen‘ genannt.“

Gedenkstein am Fundort des Münzschatzes in Podmokly (Foto: Miaow Miaow, Public Domain)Gedenkstein am Fundort des Münzschatzes in Podmokly (Foto: Miaow Miaow, Public Domain) 1771 wurden rund 50 Kilogramm keltische Goldmünzen in der Nähe der westböhmischen Gemeinde Podmokly gefunden. Der in einem Kessel gelagerte Schatz mit rund 5000 Goldstücken ließ sich nach einem Hochwasser aus dem dortigen Bach heben. Heute sind davon aber nur noch einige Dutzend Münzen erhalten. Der Goldfund wurde vom Grundbesitzer, Graf Fürstenberg, beschlagnahmt. Er ließ ihn einschmelzen und in der Folge neue Dukaten für den eigenen Bedarf prägen.

Großmährisches Reich betreibt Geschäfte ohne eigene Währung

Großmährisches Reich (Quelle: Jirka.h23, Wikimedia Commons, License CC BY-SA 3.0)Großmährisches Reich (Quelle: Jirka.h23, Wikimedia Commons, License CC BY-SA 3.0) In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstand ein neues Staatsgebilde im östlichen Teil Tschechiens – das sogenannte Großmährische Reich. Seine Fürsten begannen die Christianisierung der Gegend, und sie dehnten die Grenzen des Reichs aus bis an die Obere Weichsel bei Krakau. Archäologische Funde zeugen von einem regen Handelsverkehr mit den umliegenden Gegenden. Umso mehr verwundert, dass die Geschäfte nicht mit eigenen Münzen getätigt wurden. Zdeněk Petráň zufolge liegen die Gründe auf der Hand:

„In Großmähren waren byzantinische Münzen bekannt, davon zeugen die archäologischen Funde aus den ehemaligen Zentren des Reichs. Wissenschaftler glauben, dass sie möglicherweise die Funktion von wertvollen Geschenken hatten. Gewiss wurde Tauschhandel betrieben. Größere Geschäfte wurden oft mit ungemünztem Edelmetall beglichen. Das Land lag abseits der wichtigsten Handelswege. Technisch gesehen war das Großmährische Reich durchaus in der Lage gewesen, Münzen zu prägen. Das lässt sich durch die hohe Kunstfertigkeit der Schmuckherstellung dort belegen.“

Böhmischer Denar (Foto: Public Domain)Böhmischer Denar (Foto: Public Domain) Erst im 10. Jahrhundert begann eine eigenständige Münztradition in Böhmen. Der böhmische Fürst Boleslav I. ließ irgendwann um das Jahr 966 die erste landeseigene Silbermünze, den Denar prägen. Er reagierte damit auf die veränderte Lage in Mitteleuropa: Eine wichtige Handelsroute führte nun durch Böhmen.

„Dies hing mit der Expansion der Ungarn zusammen. Nachdem sie die Donauebene erreicht hatten, wo bis dahin die bedeutende Handelsroute von Osten nach Spanien führte, mussten die Geschäfte über neue Wege getätigt werden. Einer der Handelswege führte dann auch über Prag. Nun konnte man nicht mehr auf Münzen verzichten. Boleslav I. entschied sich, dafür Inspirationen aus dem Ausland zu holen. Der böhmische Denar kopierte in seiner Bildgestaltung die bayerischen Silbermünzen.“

Prager Groschen – europaweit bei Geschäftsleuten gefragt

Prager Groschen (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Prager Groschen (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Besonders der sogenannte Prager Groschen entpuppte sich als ein wahres Kleinod, so der renommierte Numismatiker:

„Die ersten Prager Groschen ließ König Wenzel II. im Jahr 1300 prägen. Zu der Zeit verfügte das Königreich Böhmen über große Silbervorräte, die im mittelböhmischen Kutná Hora erschlossen wurden. Auf Einladung des Königs kamen damals Finanzexperten aus Italien, die mit einer Reihe von neuen Regelungen die hiesige Wirtschaft auf die Beine brachten. Hierzu gehörte auch der Prager Groschen, dessen überragende Qualität manche andere europäische Währung weit übertraf. In den umliegenden Ländern waren Münzen von inflationärem Wert und mit deutlich verringertem Edelmetallgehalt im Umlauf. Der Prager Groschen war europaweit bei Geschäftsleuten gefragt.“

Floren (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag)Floren (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag) In den 250 Jahren der Prägungsgeschichte entstanden etwa eine halbe Milliarde solche Groschen.

Eines der entscheidenden Jahre im Münzrecht der Böhmischen Länder war 1325. Man kopierte diesmal Florenz, wo seit 1252 Goldstücke namens „fiorino d´oro“, bekannt als Florentiner Gulden, geprägt wurden. In Anlehnung an die französische Namensvariante „florin“ wurde diese erste böhmische Goldmünze dann „floren“ genannt. Anfangs handelte es sich um eine treue Kopie der italienischen Vorlage. Das böhmische Pendant ließ sich nur anhand der Inschrift mit dem Namen des böhmischen Königs Johann von Luxemburg unterscheiden.

„Böhmen war das erste Land nördlich der Alpen, in dem landeseigene Goldmünzen geschlagen wurden. Allerdings kam es in demselben Jahr oder ein Jahr später auch in Ungarn dazu. Böhmens Goldmünze durfte allerdings sozusagen nicht aus der Reihe fallen. Sie musste kompatibel sein mit dem damaligen Geldsystem in Europa. Der Unterschied lag nur im Design, sie musste aber ein entsprechendes Gewicht beziehungsweise hohes Feingehalt haben. Es handelte sich um sogenannte vollwertige Münzen. Ihr Nominalwert entsprach dem wahren Wert des in jeder Münze enthaltenen Edelmetalls.“

Johann von LuxemburgJohann von Luxemburg Und was war im Fall Johanns von Luxemburg der Impuls, die Goldwährung einzuführen?

„Der wahre Grund ist nicht bekannt. Meiner Meinung nach spielte der König persönlich keine bedeutende Rolle in dieser Angelegenheit. Wie bekannt, hielt er sich überwiegend im Ausland auf, wo er an verschiedenen Kriegen teilnahm. Dafür brauchte er aber viel Geld. Hierzulande arbeiteten für ihn Wirtschaftsberater. In der Prager Münzstätte hatten Italiener die hohen Ämter inne. Sie wussten, wie wichtig die Aufwertung der böhmischen Währung war. Dadurch sollte die Stellung der Münzen im internationalen Handel gestärkt werden.“

Der Dukaten – eine Inspiration aus Venedig

Münze mit dem Brustportrait des gekrönten Karls IV. (Foto: ČT24)Münze mit dem Brustportrait des gekrönten Karls IV. (Foto: ČT24) Die Prägung der Goldmünzen als eigenständiger Währung der Böhmischen Länder setzte auch Johanns Sohn, König und Kaiser Karl IV. fort. Unter ihm wurde das Münzbild wesentlich geändert.

„Es ist das Brustportrait des gekrönten Karls IV., der den Zepter und den Apfel als äußere Zeichen der Herrschergewalt in den Händen hält. Bis 1355 ist er als König und danach als Kaiser abgebildet. Die Rückseite zeigt das böhmische Löwenwappen. Die neuen Münzen nannte man hierzulande ‚dukáty‘. Ihr Vorbild hatten sie in den erstmals 1284 in Venedig geprägten Goldmünzen namens ‚zeccini‘. Darauf kann man unter dem Abbild des vor Christus knienden Dogen von Venedig eine lateinische Inschrift lesen, die mit dem Wort ‚ducatus‘ endet. Gerade dort liegt der Ursprung des tschechischen Wortes ‚dukáty‘.“

Karl IV. (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Karl IV. (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Und bei weitem nicht nur das tschechische Wort ist daraus entstanden. Im Lauf der Zeit ging der Begriff „ducatus“ auf die Münze selbst über. Und mit ihrer massiven Verbreitung als internationales Zahlungsmittel drang der Name „Dukaten“ in viele Sprachen Europas vor.

In den Böhmischen Ländern ging die Münzprägung mit Karl IV. selbstverständlich nicht zu Ende. Doch der König und Kaiser hat in diesem Bereich eine besondere Bedeutung. Er gilt als der erste urkundlich nachweisbare Münzsammler der tschechischen Geschichte.