Geschichten aus 70 Jahren Prager Flughafen

Die meisten von Ihnen, die schon einmal in Prag gewesen sind, werden ihn kennen: Den internationalen Flughafen in Prag-Ruzyne. Vor 70 Jahren, am 5. April 1937 landete das erste Flugzeug auf dem neu eröffneten Flughafen. Wurden im ersten Jahr seiner Existenz 13.500 Passagiere abgefertigt, zählte der Flughafen im vergangenen Jahr 11,6 Millionen Fluggäste. In unserem heutigen Geschichtskapitel blickt Andreas Wiedemann auf die siebzigjährige Geschichte des Flughafens zurück.

Der Flughafen in Prag feiert seinen siebzigsten Geburtstag. 1937 wurde er eröffnet. Aber wo starteten und landeten in der tschechischen Hauptstadt die Flugzeuge vorher?

"In den zwanziger Jahren diente ein Flughafen in Prag-Kbely als ziviler Flughafen. Ende der zwanziger Jahre zeigte sich aber, dass dieser nicht mehr ausreichte."

Erklärt die Pressesprecherin des Flughafens, Eva Krejci. Ein geeignetes Areal für den Bau eines neuen zentralen Flughafens wurde im Westteil der tschechoslowakischen Hauptstadt gefunden, in Ruzyne. 1931 schrieb das Ministerium für öffentliche Arbeit einen Architekturwettebewerb aus. Die Arbeiten zur Vorbereitung des Geländes begannen im Jahr 1933. Die Arbeiter bewegten große Mengen Erde ohne Hilfe von Maschinen. Das war eine Maßnahme, mit der die Arbeitslosigkeit in der Zeit der Weltwirtschaftskrise gesenkt werden sollte. Die Abfertigungshalle des Flughafens wurde nach dem Entwurf des Architekten Adolf Bens gebaut und war ein Werk des tschechoslowakischen Funktionalismus. Für den Bau und die konzeptionelle Umsetzung wurde der Prager Flughafen auf der Weltausstellung in Paris 1937 mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

"Im Jahr 1937 wurde der Flugbetrieb aufgenommen. Am 5. April 1937 um 9 Uhr morgens landete auf dem Flughafen in Prag-Ruzyne das erste Flugzeug, ein innerstaatlicher Flug. Es war eine Douglas DC-2 der Tschechoslowakischen Fluggesellschaft auf der Strecke Piestany-Zlin-Brünn-Praha. Eine Stunde später landete das erste Flugzeug einer internationalen Gesellschaft. Das war ein Flug der Air-France auf der Strecke Wien-Prag-Dresden."

Erklärt Eva Krejci. Das Flughafenareal erstreckte sich anfangs nur auf einer Fläche von 108 Hektar. In den folgenden zwei Jahren wurde sie aber auf das dreifache ausgeweitet. Lauschen wir doch einmal einem Gespräch des Flughafentowers mit einem Piloten im Jahr 1939:

Flughafen Ruzyne (Foto: CTK)Flughafen Ruzyne (Foto: CTK) Am Tag, als das Protektorat Böhmen und Mähren ausgerufen wurde, am 16.3.1939, besetzte die deutsche Wehrmacht den Flughafen und die erste Maschine der Luftwaffe landete. Eva Kreji:

"Die deutsche Armee übernahm die Verwaltung des Flughafens. Es wurde dort auch eine Schule für Bomberpiloten eingerichtet. Die Zahl der deutschen Militäreinheiten am Flughafen nahm während des Krieges ständig zu. Das bedeutete auch, dass es zu häufigeren Bombenangriffen kam."

Während des Krieges blieb nur eine regelmäßige zivile Flugverbindung in Betrieb: Berlin-Prag-Wien, die von der Deutschen Lufthansa betrieben wurde.

"Das deutsche Kommando wurde am 5. Mai 1945 zur Kapitulation aufgefordert. Die Deutschen verließen den Flughafen in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1945. Und am 8. Mai wurde begonnen, den Flughafen wieder für den zivilen Betrieb vorzubereiten", so Eva Krejci die Pressesprecherin des Flughafens.

Unmittelbar nach Kriegsende war der Flughafen ein Ort, an den Menschen aus der ganzen Welt zurückkehrten, die vor den Nazis geflüchtet waren. Aber auch zahlreiche Soldaten aus verschiedenen Ländern waren hier zu sehen, die wegflogen oder ankamen.

"Da waren Russen, Amerikaner, Franzosen und Engländer. Unsere Soldaten kamen mit einer so genannten Liberator, einer englischen Consolidated B-24. Auf dem Flughafen war wirklich ein sehr lebendiger Betrieb",

sagte Vaclav Vlasak, der nach dem Krieg Chef des Flugbetriebs war, vor zwanzig Jahren gegenüber dem Tschechoslowakischen Rundfunk, als der Flughafen sein fünfzigjähriges Jubiläum feierte.

Die unmittelbare Nachkriegszeit war also auch auf dem Flughafen zu spüren. So auch in dieser Reportage eines Reporter des damaligen Tschechoslowakischen Rundfunks, der am 8. September 1945 vom Flughafen Ruzyne über die Landung eine Sondermaschine aus Frankfurt am Main berichtete:

"Der weiße Landeplatz des Flughafens Ruzyne. Der Landeplatz nähert sich und es landet ein Kurierflugzeug des Typs Douglas. Auf dem Flughafen sind viele Menschen und viele Fahrzeuge. Die Tür öffnet sich und aus dem Flugzeug steigt der Feind des tschechischen Volkes Nr. 1, der Mörder unseres Volkes: Karl Hermann Frank. In der Nähe des Flugzeugs steht ein grünes Auto, das ihn, den Aufgeblasenen, den dünkelhaften Menschen, den Sie gut kennen, der aber jetzt wesentlich anders aussieht, vom Flughafen dorthin bringt, wo er hingehört: Ins Gefängnis nach Pankrac."

Karl Hermann Frank, der ehemalige Staatssekretär im Protektorat Böhmen und Mähren, hatte am Ende des Krieges versucht, in die amerikanische Militärzone zu flüchten, wurde aber verhaftet und später an die tschechoslowakischen Behörden ausgeliefert.

Nach 1948, in der Zeit der kommunistischen Alleinherrschaft, verschwanden vom Flughafen Ruzyne allmählich die Flugzeuge westlicher Bauart. Die tschechische Fluggesellschaft CSA orientierte sich immer mehr an den sowjetischen Flugzeugmodellen. Schrittweise prägten Iljuschin und später Tupolew die Rollfelder des Flughafens. Die Tupolew TU-104 war das zweite Düsenverkehrsflugzeug der Welt:

Foto: CTKFoto: CTK "Die TU 104 öffnete der CSA das Tor zum Düsenantrieb. Das erste Flugzeug dieses Typs flog in den Farben der CSA Ende des Jahres 1957. Die CSA wurde zum ersten ausländischen Abnehmer dieses Flugzeugstyps. Ende der fünfziger Jahre war die TU-104 das einzige Düsenpersonenflugzeug in regelmäßigem Verkehrsbetrieb auf der Welt",

erklärt Daniela Hupakova von der tschechischen Fluggesellschaft CSA.

In den sechziger Jahren zeigte sich schnell, dass die Kapazität des bisherigen Flughafenareals nicht mehr ausreichte und eine Erweiterung notwendig wurde, wie die Historikerin Jirina Chrastilova vom Prager Informationsdienst erläutert:

"Im Zusammenhang mit der Entspannung in der internationalen Politik in den 60er Jahren erhöhte sich auch der Betrieb auf dem Flughafen, und der musste erweitert werden. Ein neuer Gebäudekomplex wurde zwischen 1960 und 1968 nördlich des alten Teils errichtet. Das heutige Terminal Nord. Der erste Härtetest dieses neuen Flughafenteils verlief paradoxerweise in der Zeit der sowjetischen Invasion im August 1968, leider hat es sich bewährt."

In den siebziger und achtziger Jahren gab es keine großen Erweiterungen des Flughafens. Wegen Treibstoffknappheit wurden innerstaatliche Flüge auf kürzeren Entfernungen Anfang der achtziger Jahre gestrichen. Nach der Wende von 1989 begann eine neue Phase, auch für den Flughafen. Eva Krejci, die Pressesprecherin des Flughafens:

"Eine weitere Bau- und Umbauwelle begann nach 1989. Es begann mit der Renovierung und der Erweiterung des Abfertigungsgebäudes. 1997 wurde der Terminal Süd eröffnet Der letzte große Schritt war die Eröffnung des modernen Terminals Nord 2, unter Teilnahme von Präsident Vaclav Klaus am 17. Januar 2006. Dieser Neubau ermöglichte es, die Passagierzahlen weiter zu erhöhen."

Im letzten Jahr wurden 11,5 Millionen Passagiere abgefertigt Für dieses Jahr wird mit 12 Millionen Passagieren gerechnet und die Planungen gehen für das Jahr 2020 von 20 Millionen Passagieren aus. Auch die Piloten scheinen den Airport zu mögen. Im Mai 2005 gewann er den ersten Platz im internationalen Wettbewerb World Airport Awards in der Sektion "Bester Flughafen Mittel/Osteuropas".