Die Verfolgung der Kirchen im Kommunismus

Das Verhältnis des früheren kommunistischen Regimes zur Kirche ist immer noch ein heißes Eisen. Erst jetzt, fast 18 Jahre nach dem Sturz des Regimes, haben sich Vertreter der heutigen demokratisch gewählten Regierung und der Kirchen auf eine Entschädigungssumme für die damaligen Enteignungen geeinigt. Die Enteignungen waren aber nur ein Teil des Unrechts gegenüber den Kirchen. Wie hat der kommunistische Staat sein atheistisches Konzept durchgesetzt, was geschah bei der Verfolgung der Glaubensgemeinschaften zwischen 1948 und 1989?

Weniger im Blickpunkt des neuen Regimes, eher bereit zur Kollaboration und dazu auch zahlenmäßig geringer waren die Angehörigen der beiden weiteren wichtigen Glaubensgemeinschaften: der Tschechoslowakischen (heute: Tschechoslowakischen Hussitischen) Kirche mit etwa 900.000 Bekennenden sowie der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. Klement GottwaldKlement Gottwald Der erste kommunistische Staatspräsident, Klement Gottwald, auf der einen Seite, Papst Pius XII. als glühender Antikommunist auf der anderen Seite - und dazwischen die Gläubigen. So stellt sich die Situation nach der Machtübernahme in der Tschechoslowakei im Jahr 1948 dar. Denn die ersten, die die neue Kräfteverteilung zu spüren bekamen, waren nicht die Bischöfe und weitere höhere Kirchenvertreter, sondern insbesondere Schüler und Lehrer vor allem katholischen Glaubens. Die neu gebildeten so genannten Aktionsausschüsse der Nationalen Front begannen gerade an den Schulen unmittelbar nach der Machtübernahme schon mit Säuberungen. Und das betraf im ganzen Land einen Großteil der Bevölkerung. Schließlich bekannte sich damals auch im tschechischen Landesteil eine Mehrheit von 60 bis 70 Prozent offiziell zum katholischen Glauben.

Eine erste klare Kampfansage an die katholische Kirche sprach Gottwald aus, kurz nachdem er die Nachfolge von Edvard Benes als Staatspräsident angetreten hatte.

"Los von Rom und hin zu einer Nationalkirche. Wir müssen die Kirche neutralisieren und in unsere Hände bekommen, damit sie dem Regime dient", so Gottwalds Los-von-Rom-Botschaft am 9. Juni 1948 vor dem Zentralkomitee der KPTsch.

Trotz dieser Kampfansage hofften die kommunistischen Machthaber anfangs noch, die Geistlichkeit ohne große Gewaltanwendung auf ihre Seite ziehen zu können. Vielmehr sollte sich die katholische Kirche von innen her zersetzen, dazu wurde die von parteitreuen Laien geführte so genannte "Katholische Aktion" gegründet.

1946 war Josef Beran zum Erzbischof von Prag ernannt worden. Gerade er wurde nach dem Februar 1948 Hauptgegner des neuen Regimes im Land selbst.

"Er ist derjenige, der sich besonders um den Widerstand am Anfang verdient gemacht hat. Vor allem gab er 1949 einen Hirtenbrief gegen die Katholische Aktion heraus. Beran wurde so zu einem Symbol des Widerstands der Katholiken gegen die kommunistische Regierung", erläutert der Historiker Jaroslav Sebek.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, praktisch postwendend wurde der Erzbischof verhaftet.

"Er war dann an verschiedenen Orten praktisch die ganze Zeit über inhaftiert, bis ihm 1965 ermöglicht wurde, nach Rom zu reisen, um die Kardinalswürde entgegenzunehmen. Aus dem Exil kehrte er nicht mehr zurück, bis zu seinem Tod im Jahr 1969."

Die Gegenreaktion des Vatikans auf die Verhaftung Berans sowie eines weiteren Bischofs am selben Tag war eine Exkommunikation aller Mitglieder der katholischen Aktion und aller Parteimitglieder unter den Katholiken. Doch die neue Staatsmacht saß am längeren Hebel. Sie verschärfte noch im Jahr 1949 die Gesetze und trieb ab Oktober des Jahres die Enteignung der Glaubensgemeinschaften voran.

"Im Dezember 1949 kam es zum so genannten Wunder von Cihost. Dies nutzte das Regime zur Diskreditierung der Kirche. In dem kleinen Ort an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren soll sich beim Gottesdienst das Kreuz am Altar mehrmals deutlich bewegt haben. In der Folge wurde der örtliche Pfarrer, Josef Toufar, verhaftet und im Laufe der Verhöre zu Tode gequält", so der Historiker Jaroslav Sebek.

Im Rahmen der Akce K (also Aktion K) werden im April 1950 alle Klöster des Landes überfallen, fast 2400 Ordensbrüder kommen laut dem Amt für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus in Konzentrationslager. Gegen die oberste Etage des Klerus werden zudem Schauprozesse eingeleitet. Im Sommer und Herbst 1950 werden zudem fast 10.000 Ordensschwestern interniert.

Viele der Ordensschwestern gehören zum Krankenhauspersonal, ihre massenhafte Internierung führt zu Problemen im Gesundheitswesen führt. Das Regime drängt deswegen gerade jüngere Nonnen zum Austritt aus den kirchlichen Orden. Weder hierbei noch allgemein beim Anwerben von Kollaborateuren haben die Kommunisten aber Erfolg, wie Jaroslav Sebek berichtet:

"Ich würde es sagen, in dieser Hinsicht hat die Kirche weitestgehend eine weiße Weste behalten, obwohl es auch in ihren Reihen Geheimdienstmitarbeiter gab. Zudem gab es Versuche, Zusammenschlüsse von regimetreuen Geistlichen zu bilden. Die bekannteste ist die Friedensbewegung der katholischen Geistlichkeit in den 50er und 60er Jahren. Und nach 1968 war es die Organisation Pacem interis. Zu den bedeutendsten Einzelpersonen, die mit den Kommunisten paktierten, gehört der langjährige Minister der Regierungen nach 1948, der deutschstämmige Priester Josef Plojhar aus Budweis. Er wurde sogar Mitglied der Kommunistischen Partei und war einer loyalsten Anhänger des Regimes."

19891989 Insgesamt zeigten sich die Glaubensgemeinschaften jedoch wenig bereit, mit den Machthabern zwischen 1948 und 1989 Frieden zu schließen. Auf der anderen Seite wurden sie in der Tschechoslowakei besonders stark und lange unterdrückt wurden, wie Sebek ergänzt:

"Davon zeugt zum Beispiel, dass in Polen die Kirche auch in den 50er und 60er Jahren sowie nach dem Antritt von Papst Johannes Paul II. ein bedeutender Gegner der kommunistischen Macht blieb. Sie konnte sich im Rahmen der Möglichkeiten sogar gewisse Freiheiten bewahren. Das gilt auch für Ungarn. Natürlich darf man die Lage nicht mit Albanien vergleichen, wo die Kirche komplett vernichtet wurde und die Ausübung von Konfessionen unter Strafe gestellt wurde. Aber im Rahmen der mitteleuropäischen kommunistischen Staaten war hier die Verfolgung am größten."

Und das mit den bekannten Folgen: Auch wegen der mehr als 40 Jahre währenden systematischen Unterdrückung der Glaubensgemeinschaften ist heute die Zahl der bekennenden Christen in Tschechien so niedrig wie in kaum einem anderen europäischen Land. Sie liegt laut der letzten Volkszählung bei rund 30 Prozent.