Naht das Ende der Kurzwellensendungen von Radio Prag?

20-10-2009

Wir sind es ja gewöhnt, dass Sie uns immer sehr fleißig schreiben. Doch was sich da in den vergangenen zwei Wochen in unserem Postkasten angesammelt hat, ist beinahe schon rekordverdächtig. Unser Besprechungstisch ist von vorne bis hinten voll mit einer dicken Schicht Briefe, Empfangsberichte, Postkarten und E-Mails. Ganz herzlichen Dank für Ihre Zuschriften, liebe Hörerinnen und Hörer! Und gleich vorweg bitten wir um Entschuldigung, dass wir leider auch in unserer heutigen Sendung bei weitem nicht auf alle Ihrer Schreiben eingehen können.

Viele Briefe und E-Mails haben uns zu einem eher unerfreulichen Thema erreicht. Es geht um die geplanten Einsparungen bei Radio Prag im kommenden Jahr:

Michael Lindner aus Gera schreibt dazu etwa:

„Wie eine Bombe haben die Meldungen über die bevorstehende Einstellung der deutschsprachigen Kurzwellenprogramme von Radio Prag bei mir eingeschlagen. (…) Schon wieder soll ein deutschsprachiger Auslandsdienst eingestellt werden, der ohne Zweifel bei tausenden Hörerfreunden zu den beliebtesten überhaupt zählt. Radio Prag ist nicht nur ein Auslandsdienst unter vielen, sondern bereits eine lebendige Legende. Für mich ist Radio Prag ein treuer Freund und eine absolut zuverlässige Informationsquelle, die mir ein aktuelles und vielseitiges Tschechien-Mosaik Tag für Tag bietet.“

Zunächst vielen Dank für das Lob und die netten Worte, Herr Lindner. Ich kann Sie beruhigen, denn Radio Prag wird es auch im kommenden Jahr in gewohnter Qualität geben. Allerdings kommen auf Sie und uns wohl einige technische und organisatorische Neuerungen zu. Denn im Rahmen der allgemeinen Sparmaßnahmen der tschechischen Regierung wird auch der vom Außenministerium getragene Etat von Radio Prag um 20 Prozent gekürzt. Wenn es bei dieser Absicht bleibt, dann wird es ab 1. Jänner zu Einschränkungen bei den Sendungen über Kurzwelle kommen. Der Tschechische Rundfunk steht gerade in Verhandlungen mit dem Ministerium, mit dem Ziel, alle Sendekanäle von Radio Prag aufrecht zu erhalten, also auch die Kurzwelle. Wir werden Sie über die weitere Entwicklung natürlich auf dem Laufenden halten.

Das deutschsprachige Programm von Radio Prag wird es also auch im kommenden Jahr geben und zwar auf jeden Fall im Internet. Ihre Zuschriften zeigen schon jetzt, dass wir bei einer eventuellen Einschränkung der Kurzwellen-Sendungen auf Ihr Verständnis zählen können. So schreibt uns etwa Hans-Jürgen Tausend aus München:

„Liebe Freunde in Prag, nun höre ich Ihren Sender ja schon bald 40 Jahre und muss nun erfahren, dass zum Jahresende Schluss ist mit der Kurzwelle. Offen gestanden finde ich das zum Einen traurig, andererseits kann ich den enormen Kostendruck nachvollziehen. Außerdem lassen sich die neuen Techniken, die wir ja auch schon liebgewonnen haben, nicht aufhalten. Und so werde zumindest ich zum Jahresende sagen: auf Wiedersehen Kurzwelle, hallo Internet.“

Und auch Andreas Fessler hat schon vorgesorgt, für den Fall, dass es tatsächlich zu Einschränkungen bei den Sendungen über Kurzwelle kommen sollte. Er schreibt:

„Liebe deutsche Redaktion von Radio Prag. Ich habe gehört, dass Radio Prag Ende 2009 die Kurzwelle verlassen will. Ist das richtig? Betrifft es nur die Sendungen über den Sender Litomyšl und werden die Sendungen in DRM und über verschiedenen Relais weitergeführt? (…) Auch ich bin begeisterter Kurzwellenhörer seit mehreren Jahrzehnten, doch muss man auch ehrlich sein und zugeben, dass die Bedeutung der Kurzwelle mit der Verbreitung des Internets stark abgenommen hat. Ich komme heute in Sekundenschnelle an alle erdenklichen Informationen aus aller Welt. Seit einigen Wochen bin ich Besitzer eines Internet-Radios. Durch dieses kann ich Radiosender aus aller Welt in einer weitaus besseren Qualität hören, als es die Kurzwelle hergibt.“

Vielen Dank für Ihre ausführliche E-Mail, Herr Fessler. Zu Ihren Fragen: wie gesagt, die Verhandlungen laufen noch und der Tschechische Rundfunk bemüht sich, auch weiterhin Sendungen von Radio Prag über Kurzwelle anbieten zu können. Ob und in welchem Umfang das gelingt, das wird das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Außenministerium zeigen. Aus diesem Grund gilt übrigens auch unser Herbst-/ Wintersendeschema diesmal ausnahmsweise nur bis zum 31.Dezember dieses Jahres. In Kraft tritt es wie gewohnt mit der Winterzeit-Umstellung am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober.

Die immer stärker verbreiteten Internet-Radios jedenfalls sind mit Sicherheit eine Alternative zur Kurzwelle. Zumindest im mit Breitbandanschlüssen mittlerweile gut versorgten West- und Mitteleuropa. Ich selbst habe auch seit knapp einem Jahr ein solches Wunderding und bin sehr zufrieden. Ausfälle gibt es nur selten und das Programmangebot ist geradezu überwältigend. Und das bei bester Klangqualität.

Wie immer sehr zahlreich sind auch die Sendeberichte, die wir von Ihnen bekommen haben. So etwa von Georg Stawski aus Dorsten, Wolfgang Zander aus Mühlhausen in Thüringen, Holger Wagenführ aus Berlin, Heinrich Eusterbrock aus Kaufbeuren, Walter Schreiber aus St. Veit am Vogau in der Steiermark, Günter Kastner aus der Stadt Salzburg und Abdelhamid Znaidi aus dem fernen Marokko. Einen ganz besonderen Empfangsbericht hat uns Gottfried R. Egger aus Schönau am Köngissee geschickt: passend zur Jahreszeit zeigt seine Postkarte ein Foto vom Almabtrieb, der dort auf eine ganz spezielle Art erfolgt: die Kühe werden nämlich auf einem eigens konstruierten so genannten „Landauer“ – das sieht aus wie eine Mischung aus Boot und Floß – über den See transportiert. Vielen Dank für diese interessante Ansicht! Und auch bei allen anderen Hörerinnen und Hörern, die uns ihre Empfangsberichte geschickt haben, bedanken wir uns natürlich ganz herzlich.

Foto: www.prag.diplo.deFoto: www.prag.diplo.de Auch zahlreiche Fragen und Anmerkungen zu unseren Sendungen haben wir von Ihnen wieder bekommen. Besonders interessiert hat Sie diemal unsere Beitragsserie zum 20. Jahrestag der Massenflucht von DDR-Bürgern in die deutsche Botschaft in Prag. Geschrieben haben uns dazu unter anderem Ralf Urbanczyk aus Eisleben und Heinrich Eusterbrock aus Kaufbeuren. Und auch ein Brief von Jörg-Clemens Hoffmann aus Alsbach-Hähnlein war dabei. Er schreibt:

„Besonders gut hat mir dieses Mal die Berichterstattung über die DDR-Bürger in der deutschen Botschaft von Prag gefallen. Die Reportagen und die Interviews, zwanzig Jahre nach diesem denkwürdigen, historischen Ereignis, haben die Situation eindrucksvoll wiedergegeben. (…) Hätte jemand 1989 behauptet, dass Tschechien in 20 Jahren Mitglied der EU und der Nato ist, wäre er sicherlich ausgelacht worden.“

Das Jubiläum der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei steht ja unmittelbar bevor: am 17. November 1989 jährt sich der friedliche Umsturz zum 20. Mal. Und wir bereiten zu diesem Ereignis natürlich eine Reihe von Beiträgen vor. Mehr dazu hören Sie schon demnächst auf Radio Prag.

Und damit sind wir auch schon wieder fast am Ende der heutigen Sendung angelangt. Zum Abschluss haben wir aber noch zwei wichtige Informationen für Sie: Mit der Winterzeit-Umstellung gelten ab dem kommenden Sonntag, dem 25- Oktober auch wieder neue Sendezeiten. Alle Informationen dazu finden Sie wie gewohnt auf unseren Internetseiten unter www.radio.cz und in den aktuellen Stationsansagen.

Wir nützen die neuen Sendezeiten diesmal auch für einige Programmänderungen. Ab kommender Woche gibt es eine neue Sendereihe „Umwelt und Verbraucher“, die wir am Dienstag im Zwei-Wochen-Wechsel mit dem Hörerforum bringen. Die bisher auf diesem Sendeplatz ausgestrahlte Reihe „Begegnungen“ entfällt. Und statt der Sendereihe „Aus dem Tonarchiv“ hören Sie in Zukunft die neue Rubrik „Anno dazumal“, in der wir neben historischen Tonaufnahmen auch Zeitungsartikel und weitere Dokumente zu wichtigen Ereignissen in der Vergangenheit präsentieren wollen. Außerdem wird die eine oder andere Sendereihe auch eine neue Stimme und damit einen neuen Gestalter bekommen; das betrifft etwa das „Kapitel aus der Tschechischen Geschichte“ oder „Heute am Mikrophon.“

Wir hoffen jedenfalls, wir können Ihnen mit diesen Neuerungen ein noch interessanteres Programm als bisher bieten und freuen uns natürlich auf ihre Meinung dazu, die Sie uns auf den gewohnten Wegen mitteilen können. Hier noch einmal zur Erinnerung unsere Adressen:

Per Post an Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Praha 2, Tschechische Republik, oder per Email an deutsch@radio.cz. Einstweilen bedanke ich mich im Namen des Teams für Ihre diesmal besonders zahlreichen Zuschriften – schreiben Sie uns bitte auch weiterhin so fleißig.

20-10-2009

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