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Flüchtlingspolitik bleibt Streitpunkt zwischen Tschechien und Deutschland

Der tschechische Premier Andrej Babiš (Partei Ano) ist am Mittwoch zu seinem ersten offiziellen Deutschland-Besuch nach Berlin gereist. Kurz nach Mittag kam er zu einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen.

Tschechien und Deutschland verbinden ausgezeichnete Beziehungen auf politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene, waren sich die beiden Politiker einig. Besonders hoben sie die Zusammenarbeit im Bereich Wirtschaft hervor. Die Bundesrepublik sei der erste Handelspartner Tschechiens, wobei 30 Prozent des tschechischen Exports nach Deutschland gingen, betonte Babiš. Zudem seien 6000 deutsche Firmen in Tschechien tätig. In der Zukunft will man vor allem bei der Förderung der Industrie 4.0 sowie in der Wissenschaft und Forschung zusammenarbeiten, aber auch beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.

Die gute Zusammenarbeit schließe unterschiedliche Meinungen über bestimmte Themen nicht aus, sagte Merkel nach dem Gespräch vor Journalisten. Die Umverteilung von Flüchtlingen bleibt weiterhin ein Streitpunkt zwischen den beiden Ländern, bestätigten beide Regierungschefs. Die Bundeskanzlerin sprach sich für eine Solidarität mit Italien bei der Aufnahme von Bootsflüchtlingen aus. Laut Babiš muss die Europäische Union hingegen nach einer anderen Lösung suchen. Tschechien sei solidarisch und habe seit 2015 bereits 100 Millionen Euro an Hilfsgeldern für betroffene Länder bereitgestellt. Die illegale Migration müsse entschlossen bekämpft werden, so Babiš.

Der tschechische Premier hob die Rolle des Schengenraums hervor. Er forderte dazu auf, die Grenzen des Raums klar zu definieren. „Europa muss bestimmen, wo der europäische Kontinent verteidigt werden soll“, erklärte Babiš. Die EU soll ihm zufolge einen Plan für den westlichen Balkan ausarbeiten. Der Chef der Partei Ano schlug vor, ähnliche Abkommen wie das mit der Türkei von 2016 auch mit weiteren Staaten zu schließen. Das EU-Türkei-Abkommen könne der richtige Mechanismus auch für weitere Länder sein, ergänzte Merkel.

Trotz unterschiedlicher Meinungen in einigen Bereichen bleibe Tschechien für Deutschland ein vertrauensvoller Partner, sagte Merkel. Die beiden Länder wollen ihre ausgezeichneten Beziehungen weiter entwickeln, betonten sie und Babiš nach dem gemeinsamen Treffen.

Regierung stellt Geld zur Sanierung des Schweinemastareals in Lety bereit

Die Regierung in Prag hat am Dienstag 111 Millionen Kronen (4,3 Millionen Euro) für die Arbeiten zur Beseitigung der ehemaligen Schweinemast im südböhmischen Lety und zur Sanierung des dortigen Geländes bewilligt. Ein Teil des Geldes sei zudem für archäologische Forschungen bestimmt, sagte Kulturminister Antonín Staněk gegenüber dem Tschechischen Rundfunk und der Presseagentur ČTK.

Die Schweinemast stand auf dem Gelände des ehemaligen Roma-Konzentrationslagers. Der tschechische Staat hat den Betrieb vor fünf Monaten von der Firma Agpi gekauft und zugestimmt, dass an diesem Ort eine Gedenkstätte für den Völkermord an den Roma entsteht. Das Geld für die Sanierung des Areals erhält daher das Museum für Roma-Kultur.

Prag kauft Simon-und-Judas-Kirche ab

Prag kauft die Barockkirche der heiligen Simon und Judas in der Altstadt vom Orden der Barmherzigen Brüder. Der Kaufpreis liegt bei etwa 125 Millionen Kronen (5 Millionen Euro). Darüber hat der Besitzausschuss der Prager Stadtvertretung am Mittwoch entschieden, wie der stellvertretende Oberbürgermeister Petr Dolínek (Sozialdemokraten) mitteilte.

Die entweihte Klosterkirche dient als Konzertsaal. Dieser wird vom Prager Symphonieorchester FOK langfristig genutzt.

Konferenz im Europaparlament erinnerte an Okkupation der ČSSR im Jahr 1968

An die Okkupation der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Paktes im August 1968 erinnerte am Dienstag eine Konferenz im Europäischen Parlament in Brüssel. Bei der Konferenz machten die Organisatoren wie auch Teilnehmer darauf aufmerksam, dass die Ereignisse vor einem halben Jahrhundert durchaus noch Parallelen zur Gegenwart hätten. „So, wie sich damals die Sowjetunion verhalten hat, und so wie sich heute die Russische Föderation benimmt, darin bestehen wirklich viele Übereinstimmungen“, sagte der tschechische Europa-Abgeordnete Jaromír Štětina in seiner Rede bei der Konferenz.

Die Okkupation werde von der Welt oft nur als ein Ereignis von einer Woche im August 1968 wahrgenommen. In Wirklichkeit aber habe sie 20 Jahre gedauert und sei ein langer Bestandteil der tschechischen Geschichte, sagte Adam Drda von der Organisation Post Bellum, die das Projekt Pamět národa (Volksgedächtnis) leitet.

Tschechien registriert zweitgeringste Niederschlagsmenge von Januar bis Juli

Die große Dürre in Tschechien wurde am Dienstag nun auch mit Zahlen belegt. In den Wetteraufzeichnungen, die seit 58 Jahren erfolgen, wird dieses Jahr bisher als dasjenige mit der zweitgeringsten Niederschlagsmenge geführt. Von Januar bis Juli gab es in Tschechien im Schnitt 293 Millimeter Niederschlag, also 293 Liter Wasser auf einen Quadratmeter. Noch weniger Niederschlag in derselben Zeitperiode gab es lediglich im Jahr 2015, als 286 Millimeter registriert wurden.

Die Regenfälle waren indes regional unterschiedlich. In den Kreisen Liberec / Reichenberg, Pardubice, Hradec Králové / Königgrätz und Zlín fiel bis Ende Juli sogar die niedrigste Regenmenge überhaupt, informierte das Tschechische Hydrometeorologische Institut (ČMHÚ).

Tennis: Plíšková unterliegt Serena Williams im Viertelfinale der US Open

Tennisspielerin Karolína Plíšková ist im Viertelfinale der US Open ausgeschieden. Die 26-jährige Tschechin unterlag am Dienstag der 23-fachen Grand-Slam-Siegerin Serena Williams aus den USA in zwei Sätzen mit 4:6 und 3:6. Plíšková konnte ihren US-Open-Sieg gegen Williams vom Jahr 2016 somit nicht wiederholen.

In den Einzelwettbewerben ist so auch kein tschechischer Teilnehmer mehr im Rennen. Die einzige tschechische Gewinnerin beim Grand-Slam-Turnier in New York bleibt damit Hana Mandlíková, die 1985 im Dameneinzel triumphierte.

Wetter am Donnerstag, den 6. September

In Tschechien ist es am Donnerstag heiter oder leicht bewölkt. Vorübergehend kommt es auch zu größerer Bewölkung. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 22 bis 26 Grad Celsius. In Lagen um 1000 Meter liegen die Höchstwerte bei 15 Grad Celsius, im Böhmerwald und im Erzgebirge bei 18 Grad.