Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten Montag, 30. August, 1999

30-08-1999

REISEUNTERNEHMER VACLAV FISCHER NEUER SENATOR

Der parteilose Reiseveranstalter Vaclav Fischer wurde bereits im ersten Wahlgang mit 71,24 Prozent Stimmen am Samstag in der historischen ersten Nachfolgewahl in den tschechischen Senat gewählt. Trotz der eher geringen Wahlbeteiligung von 33,7 Prozent, gaben die Wähler der Prager Innenstadtbezirke dem unabhängigen Kandidaten eindeutig den Vorzug vor der Kandidatin der konservativen Demokratischen Bürgerpartei ODS, der Theaterintendantin Jirina Jiraskova, die mit nur 12,19 Prozent auf Platz zwei verwiesen wurde. Nach Aussage des Politikwissenschaftlers Rudolf Kucera gegenüber der Nachrichtenagentur ctk, kann der überraschende Wahlsieg eines Parteilosen als Parteienüberdruss bei den Wählern gewertet werden. Vaclav Fischer studierte in Prag Wirtschaftswissenschaften, emigrierte 1978 nach Deutschland, wo er mit seinem Reisebüro in Hamburg den Grundstein legte für eine erfolgreiche Unternehmerlaufbahn. Mitte der 90 - Jahre kehrte er in die Tschechische Republik zurück und etablierte sich, nachdem er seine deutschen Filialen verkauft hatte, in Prag als einer der führenden Reiseveranstalter auch in der Slowakei, in Polen und Ungarn. Seinen finanziellen Erfolg münzte er in das Wahlmotto um : Ich bin finanziell unabhängig, deswegen auch politisch unabhängig und nicht korrumpierbar. Fischer leistete sich für tschechische Verhältnisse eine aufwenige Wahlkampagne amerikanischen Stils- ein Dorn im Auge des ODS - Chefs und Parlamentsvorsitzenden Vaclav Klaus, der Fischer in einem ganzseitigen Zeitungsinserat in den Lidove noviny vergangene Woche, als Populisten, der in ungeahnter Manier riesige Geldsummen für seine Kampagne verschleudere und mit Wohlgefallen bei den Kommunisten um jede Stimme buhle, verunglimpfte. Der neu gewählte Senator Fischer gab am Sonntag , der ctk bekannt, dass er gegen Vaclav Klaus Stzrafanzeige erstatten werde, und zwar wegen der Wahlplakate der ODS, die Fischers Person attakierten.Die Wahl Fischers hat für die, durch den Oppositionsvertrag in der Minderheit regierenden Sozialdemokraten und die Demokratische Bürgerpartei weitreichende Folgen. Die beiden stärksten Parteien im Senat haben die nötige Dreifünftelmehrheit für Verfassungsänderungen verloren, mit er sie unter anderem die Einschränkung der Vollmachten des Staatsoberhauptes, durchsetzen möchten. Obwohl der Senat in der tschechischen Öffentlichkeit wenig Ansehen geniesst, kam es im Prager Spätsommer zu einem durchaus spannenden Wahlkampf, aus dem ein haushoch überlegener Sieger hevorging.

PROTESTE GEGEN HÜHNERFARM

Über 1000 Tierschützer und MitgliEder von Bürgerinitiativen aus Tschechien und Bayern haben am Sonntag am Grenzübergang Eschlkam, Vseruby gegen eine geplante Gross - Hühnerfarm beim westböhmischen Vseruby demonstriert. Auf ihren Transparenten waren unter anderEm laut Aussage der Ctk Slogans wie Freiheit für Hühner zu lesen. Bereits am vergangenen Freitag hatten etwa 40 Tierschützer in Vseruby mit einer friedlichen Sitzblockade gegen die Anlagen demonstriert. Die Protestaktion sei einberufen worden, nachdem in Vseruby mit den Bauarbeiten einer Multifarm begonnen worden sei, sagte ein Sprecher der Initiative. Insgesamt sollen in den drei Orten in Westböhmen Grossfarmen mit mehr als 1,5 Millionen Hühner entstehen.Den Ökologen zufolge, wollen die deutschen Investoren, die strengen EU - Gesetze für Geflügelhaltung umgehen und wählten deshalb den westböhmischen Standort.

30-08-1999