Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten Montag, 15. November, 1999

15-11-1999

RADIO PRAG NACHRICHTEN 15.11.1999

Tschechien begeht den 10. Jahrestag der Novemberereignisse von 1989

Die kommende Woche steht in Tschechien ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum der Novemberereignisse des Jahres 1989. Präsident Vaclav Havel, der am Sonntag von einem zweiwöchigen Genesungsaufenthalt aus Portugal zurück gekehrt ist, hat zu diesen Feierlichkeiten mehrere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt eingeladen. Bereits am Montag wird das Staatsoberhaupt mit seinen Amtskollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Vorstellung anläßlich des Theaterfestivals der deutschen Sprache in Prag besuchen. Die Schweizer Präsidentin Ruth Dreifuss weilt hierbei zu einem offiziellen Staatsbesuch in der tschechischen Metropole, bei dem sie neben Vaclav Havel ebenso mit Premier Milos Zeman sowie mit den Vorsitzenden der beiden Kammern des tschechischen Parlaments, Vaclav Klaus und Libuse Benesova, zusammentreffen wird.

Studentenführer von 1989 unzufrieden mit 10jähriger Entwicklung danach

Die Studentenführer des Jahres 1989, die die Samtene Revolution und den damit verbundenen Fall des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei vor zehn Jahren maßgeblich ins Rollen geracht hatten, sind enttäuscht über den gegenwärtigen Stand in der tschechischen Gesellschaft, insbesondere über das moralische Niveau, auf dem sie sich befindet. In einer Diskussionssendung des Tschechischen Fernsehens am Sonntag vertraten sie übereinstimmend die Meinung, dass sich in der Gesellschaft Frustration breit mache, da sie keine Antwort darauf gibt, wie diejenigen Leute zu kontrollieren sind, die weder Versprechen noch Vorschriften einhalten. Es werde ebensowenig ein gesamtgesellschaftlicher Dialog geführt, zu dem die Studenten vor zehn Jahren aufgerufen hatten. Laut Regisseur Igor Chaun sei die "Installierung" der sozialdemokratischen Regierung dank der Tolerierung durch die ODS die größte moralische Verfehlung gewesen und der heute im charitativen Bereich tätige Ex- Studenführer Simon Panek hatte den Oppositionsvertrag zwischen den Sozialdemokraten und der ODS als Humbug bezeichnet.

Rundtischgespräch zur Regierungsumbildung vorerst gescheitert

Auch am Samstag gelang es der von Vaclav Klaus geführten Demokratischen Bürgerpartei ODS nicht, bei einem Rundtischgespräch mit allen nichtkommunistischen Parlamentsparteien die Vertreter der Christdemokraten und der Freiheitsunion von ihrer Idee einer gemeinsamen Superkoalition mit den Sozialdemokraten zu überzeugen. Diese beharrten auf ihrem Standpunkt, die Verhandlungen über eine Regierungsumbildung von der Aufhebung des Oppositionsvertrages zwischen ODS und Sozialdemokraten abhängig zu machen. Die regierenden Sozialdemokraten dagegen überraschten durch ihre unerwartete Zustimmung für diese Variante der Regierungsumbildung, der sie bisher ablehnend gegenüber gestanden hatten. Das einzige Ergebnis der vierstündigen Verhandlungen war die Vereinbarung eines weiteren Gesprächtermins zur Zusammenarbeit auf Parlamentsebene.

ODS-Chef Klaus weiterhin von Möglichkeit einer Superkoalition überzeugt

Erstmals öffentlich erklärte ODS-Chef Vaclav Klaus am Sonntag - einen Tag nach den gescheiterten Koalitionsgesprächen - in einer Fernsehdebatte des privaten TV-Senders Prima, dass das Kabinett in einer von seiner Partei vorgeschlagenen Superkoalition zu gleichen Teilen aus jeweils sechs Ministern der Verhandlungspartner bestehen könnte. Über die Besetzung des Premierpostens wollte sich Klaus nicht äußern, er räumte jedoch ein, dass dieser Posten nur durch einen gemeinsamen Konsens besetzt werden kann. Auch diesmal zeigte sich Klaus trotz der ablehnenden Haltung seines Diskussionspartners, dem Chef der Christdemokraten Jan Kasal, von der Möglichkeit einer Superkoalition überzeugt.

Gedenkveranstaltung zu Ehren der Gefallenen im Zweiten Weltkrieg

Zur Ehrung der Soldaten, die unter dem Banner der britischen Krone in Kriegskonflikten ihr Leben gelassen haben, fand am Sonntag unter Teilnahme tschechischer und ausländischer Diplomaten auf dem Prager Friedhof Olsany eine Gedenkveranstaltung statt. Die Diplomaten aus Australien, Kanada, Zypern, Indien, Neuseeland, Pakistan, Südafrika und England dankten gleichzeitig den tschechischen und polnischen Soldaten, die an ihrer Seite gekämpft haben. An dem Pietätsakt nahm auch die Ehrenwache der Tschechischen Armee teil.

Sport: Tschechien nur Dritter beim Karjala Cup

Durch eine 1:3-Niederlage in ihrem letzten Spiel gegen Russland belegte die tschechische Eishockeyauswahl beim Karjala Cup, dem zweiten Turnier der diesjährigen Euro Hockey Tour, nur den dritten Platz hinter Gastgeber Finnland und den zweitplatzierten Russen. Zuvor hatte das Team des amtierenden Weltmeisters und Olympiasiegers gegen die Finnen mit 2:3 verloren und die Schweden, die nur auf Rang 4 landeten, mit 4:1 besiegt.

Und abschließend die Wetteraussichten:

Am Montag wird es in der Tschechischen Republik heiter bis bewölkt sein, im Ostteil des Landes ist mit Schneeschauern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen nur noch Werte zwischen -1 und 3 Grad Celsius.

Die weiteren Aussichten: Am Dienstag und Mittwoch setzt sich die Abkühlung fort. Die Nachttemperaturen liegen dabei zwischen -4 und -10 Grad, als Tageshöchstwerte werden lediglich -2 bis plus 2 Grad Celsius erwartet.

15-11-1999