Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten Mittwoch, 17. November, 1999

17-11-1999

Dreifuss für Vertiefung der tschechisch-schweizerischen Beziehungen

Tschechien hat nach Ansicht von Staatspräsident Vaclav Havel keine Alternative zur EU-Mitgliedschaft. "Mit unserer historischen Erfahrung und geografischen Lage bleibt uns nur der Integrationsprozess", sagte Havel am Montag nach einem Treffen mit seiner schweizerischen Amtskollegin Ruth Dreifuss. Nach Meinung der Präsidentin sollten Tschechien und die Schweiz ihre Beziehungen noch vertiefen. Als Beispiel nannte sie die mögliche Zusammenarbeit der Fluggesellschaften Swissair und CSA. Für die Bürger beider Staaten sollte es auch irgendwann möglich sein, das andere Land nur unter Vorlage des Personalausweises zu besuchen, sagte die Präsidentin am Montag in Prag. Der Aufenthalt von Ruth Dreifuss war der erste Staatsbesuch eines Schweizer Staatsoberhauptes in Tschechien.

Mit Ministerpräsident Milos Zeman erörterte Dreifuss den Stand der Privatisierung in Tschechien. Zeman sagte, er wünsche sich, dass auch schweizerische Banken sich daran beteiligen. Bei den Treffen mit dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus und Staatspräsident Vaclav Havel sprach Dreifuss votr allem Fragen der Menschenrechte und des europäischen Einigungsprozesses an.

Klestil würdigt Havel als eine Schlüsselfigur der "Samtenen Revolution"

Die Staatspräsidenten von Tschechien, Deutschland, Österreich und der Schweiz haben am Montag in Prag gemeinsam das Deutschsprachige Theaterfestival besucht. Vaclav Havel, Johannes Rau, Thomas Klestil und Ruth Dreifuss sahen sich im "Theater in den Weinbergen" die Vorstellung "Maria Magdalene" des Theaters Basel an. Regisseur Andreas Kriegenburg hatte das bürgerliche Trauerspiel von Christian Friedrich Hebbel (1813 - 1863) neu inszeniert. Der österreichische Präsident Thomas Klestil wollte mit seiner Anwesenheit bei der Eröffnungsveranstaltung des Festivals unter anderem seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Havel seine Anerkennung ausdrücken für die Schlüsselrolle, die der ehemalige Dissident während der "Samtenen Revolution" vor zehn Jahren eingenommen hat. "Er kämpfte für die Freiheit und setzte sich für Menschenrecht und Menschenwürde ein," erklärte er gegenüber dem österreichischen Fernsehen ORF in Prag.

Havel lädt serbische Oppositionelle zum OSZE-Gipfel ein

Der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel hat die serbischen Oppositionspolitiker Zoran Djindjic und Vuk Draskovic eingeladen, in der tschechischen Delegation am OSZE-Gipfeltreffen in Istanbul am Donnerstag und Freitag teilzunehmen. Das gleiche Angebot habe Havel dem Präsidenten von Montenegro, Milo Djukanovic, gemacht, teilte ein Sprecher des tschechischen Staatsoberhauptes am Dienstag in Prag mit. Der Vorschlag des 63jährigen sei mit den Teilnehmern der Konferenz abgesprochen. Havel hatte sich in den vergangenen Wochen in Prag mit Djindjic, Draskovic und Djukanovic getroffen.

Tschechische Regierung beschloss Erhöhung des Mindestlohnes

Die tschechische Regierung hat auf ihrer Sitzung am Montag in Prag beschlossen, den in Tschechien geltenden Mindestlohn für die 42,5-Stunden-Woche mit Wirkung vom 1. Januar 2000 von bisher 3600 Kronen auf 4000 Kronen herauf zu setzen. "Das entspricht einer Erhöhung des Stundenllohns von 22 Kronen und 30 Hellern," charakterisierte Regierungssprecher Libor Roucek die Entscheidung auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Des weiteren hat das Kabinett die neuen Gesetzesvorlagen zur Einführung der bevorstehenden Verwaltungsreform auf der Kreis- bzw. Kommunalebene bewilligt.

ADRA-Rettungsteam kehrt Mittwoch nach Tschechien zurück

Ein vollbeladenes Flugzeug der tschechischen Armee wird am Mittwoch in das türkische Erdbebengebiet bei Düzce fliegen, um die überlebenden Opfer der Katastrofe mit den wichtigsten Hilfsgütern zu versorgen. Das tschechische Rettungsteam der Bürgervereinigung ADRA beabsichtigt im Gegenzug die Heimreise anzutreten, da kaum noch Chanchen auf Überlebende bestehen. Die ersten der 31 Rettungsteams aus 22 Ländern haben die Türkei aus dem gleichen Grund bereits am Dienstag wieder verlassen.

Das schwere Erdbeben, das am vergangenen Freitag die Region um die 150 Kilometer östlich von Istanbul gelegene türkische Stadt Düzce heimgesucht hat, hat letzten Meldungen zufolge 452 Tote und über 2000 Verletzte gefordert. Die Organisation ADRA hat der Türkei bereits beim verheerenden Erdbeben im August geholfen, das 20.000 Menschenleben gefordert und beträchtliche materielle Schäden in der industriellen Nordwestregion des Landes hinterlassen hatte.

Nur knappes Drittel der Tschechen sieht seit 1989 Wende zum Besseren

Lediglich 29 Prozent der Tschechen sind der Meinung, dass die Situation in ihrem Land heute besser ist als in der kommunistischen Ära. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Institut IVVM am Dienstag in Prag veröffentlichte. Danach sagten 23 Prozent der 1018 Befragten, vor der demokratischen Wende 1989 sei die Situation besser gewesen. 36 Prozent glauben, dass der politische Wechsel die wesentlichen Bedingungen im Land nicht verändert hat. Zwölf Prozent der Befragten wussten keine Antwort.

Als vorrangigstes gesellschaftliches Problem bezeichneten 78 Prozent der Befragten die Wirtschaftskriminalität und Korruption im Lande. 69 Prozent sind unzufrieden mit der allgemeinen Kriminalität und 68 Prozent mit dem organisierten Verbrechen.

OECD sagt Tschechien ein leichtes Wirtschaftswachstum voraus

Ein leichtes ökonomisches Wachstum verbunden mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Inflation sagt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der Tschechischen Republik für die kommenden zwei Jahre voraus. In ihrem Halbjahresbericht Economic Outlook, der am Dienstag in Paris veröffentlicht wurde, verweist die OECD jedoch auch auf eine strengere Haushaltspolitik zur Erzielung des Wachstums und betont, dass für ein langfristiges Wachstum die Beendigung der Bankenprivatisierung und der weiteren auf die Restrukturalisierung der Industrie gerichteten Reformen eine Schlüsselrolle einnehmen.

Stahlwerk Poldi Kladno an deutsche Hüttengesellschaft verkauft

Nach neunmonatigem Verhandlungsmarathon hat die Gesellschaft Z-Group am Sonntag den Vertrag über den Verkauf des tschechischen Stahlwerks Poldi Kladno an die deutsche Hüttengesellschaft Scholz Stahlzentrum-Ost abgeschlossen. Dies teilte der Besitzer der Z-Group, Zdenek Zemek, am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit. Die Höhe des Kaufpreises, den die Z-Group für das Stahlwerk erhält, wollte Zemek nicht mitteilen. Die Gesellschaft Scholz Stahlzentrum-Ost arbeitet in diesen Tagen bereits die Verträge für die ersten Arbeitnehmer aus und will bereits im Dezember mit der Produktion beginnen.

Gesundheitszustand von Ex-Christdemokratenchef Josef Lux wieder besser

Nach einem mehr als einwöchigen Aufenthalt auf der Intensivstation in der Fred- Hutchinson-Klinik in Seattle hat sich der Gesundheitszustand des ehemaligen Vorsitzenden der tschechischen Christdemokraten, Josef Lux, wieder ein wenig gebessert. Lux hatte sich hier in der Nacht zum 24. September einer komplizierten Knochenmarktransplantation unterzogen. Wegen einer Infektion mit anschließender Lungenentzündung war sein Gesundheitszustand vorübergehend sehr kritisch gewesen, teilte die Sprecherin der Klinik, Susan Edmonds, am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit.

Und hier die aktuelle Wettervorhersage:

Am Mittwoch liegt die Tschechische Republik unter dem Einfluss eines Tiefdruckausläufers. Vormittags wird es zunächst heiter sein, in den Morgenstunden ist vereinzelt mit Frühnebel zu rechnen. Im weiteren Tagesverlauf nimmt die Bewölkung zu, örtlich können Schneeschauer auftreten. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen -2 und plus 2 Grad Celsius. Die weiteren Aussichten: Am Donnerstag und Freitag keine wesentlichen Wetterveränderungen. Es bleibt bewölkt bis bedeckt, örtlich ist mit Schneefällen oder Schneeschauern zu rechnen. Die Nachttemperaturen bewegen sich zwischen - 2 und -6 Grad, die Tageshöchstwerte weiterhin zwischen -2 und plus 2 Grad Celsius.

17-11-1999