Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten Mittwoch, 17. März, 1999

17-03-1999

TSCHECHISCHE FLAGGE VOR NATO-SITZ IN BRÜSSEL GEHISST

"Der heutige Tag ist ein Sonnentag für die Tschechische Republik." Mit diesen Worten begann der tschechische Premier Milos Zeman seine Ansprache anlässlich der feierlichen Tagung des NATO-Rates am Dienstag in Brüssel. "Das heutige Zeremoniell ist die Bestätigung dafür, dass die Richtung, die wir gewählt haben, die richtige ist. Wir betrachten es als einen Ausdruck des Vertrauens in unsere Zukunft, in die Zukunft Mitteleuropas und Europas als Ganzem," sagte Zeman weiter in seiner Ansprache vor den Mitgliedern des NATO-Rates. Aus Anlass des am Freitag vollzogenen offiziellen NATO- Beitritts war zuvor die tschechische Staatsflagge zusammen mit der polnischen und der ungarischen bei einer feierlichen Zeremonie vor dem NATO-Hauptquartier in Brüssel aufgezogen worden. Diesen symbolischen Akt bezeichnete NATO- Generalsekretär Javier Solana als "bewegenden Augenblick".

In seiner Ansprache vor dem NATO-Rat, der zum ersten Mal unter Beisein der neuen Mitglieder zusammenkam, hat Solana die neue Sicherheitsarchitektur in Europa gewürdigt. In Anwesenheit der Regierungschefs der drei neuen Bündnispartner sagte Solana zudem: "Die Geschichte wird den Beitritt der Tschechischen Republik, Ungarns und Polens als zentralen Schritt zu einem Europa der Kooperation und der Integration ansehen." Die Ministerpräsidenten Tschechiens, Polens und Ungarns, Milos Zeman, Jerzy Buzek und Viktor Orbán, sprachen sich ebenso für eine NATO-Politik der offenen Tür aus und vertraten einheitlich die Meinung, dass auch die Slowakei ein baldiges NATO-Mitglied werden sollte. Mehr zur NATO-Tagung in Brüssel hören Sie im anschlie3enden Beitragsblock.

TSCHECHISCHE PHILHARMONIE GAB KONZERT ZUM NATO-BEITRITT

Mit einem festlichen Konzert am Dienstag Abend im Prager Gemeindehaus erlebten die Feierlichkeiten zum NATO-Beitritt auch in Tschechien einen abschlie3enden Höhepunkt. Dem gesellschaftlichen Ereignis, dass von den beiden Kammern des Parlaments veranstaltet wurde, wohnten hunderte von Persönlichkeiten der tschechischen politischen Szene bei. Die Tschechische Philharmonie spielte die Sinfonie Nr. 9, e-moll aus der Neuen Welt von Antonín Dvorák. Das Konzert fand unter gro3en Sicherheitsvorkehrungen aufgrund möglicher Protetstaktionen von NATO-Gegnern statt.

EU-AFFÄRE WIRD PROZESS DER EU-ERWEITERUNG NICHT GEFÄHRDEN

Für die Tschechische Republik und die weiteren Kandidatenländer wird der Rücktritt der Europäischen Kommission keine unmittelbaren negativen Folgen haben, sagte der tschechische Premier Milos Zeman am Dienstag voraus. Zeman gab zu verstehen, dass die gegenwärtige Krise in der EU einerseits Probleme auslösen, anderseits aber - so der Premier wörtlich - auch "zu einer Gesundung des Prozesses" führen könne. Auch der Chefunterhändler für den EU-Beitritt Tschechiens, Pavel Telicka, vertritt die Ansicht, dass die Affäre die anstehende Runde der Beitrittsgespräche zwischen Prag und Brüssel nicht gefährden könne. Inwieweit es aber zu einer zeitlichen Verschiebung des Beitrittsprozesses kommen könne, hänge laut Telicka davon ab, wie schnell man in der EU eine Einigung hinsichtlich der Person des neuen Vorsitzenden der Kommission erzielen werde.

PRÄSIDENT VON CHILE ZU BESUCH IN TSCHECHIEN

Der chilenische Präsident Eduard Frei ist am Dienstagabend zu einem zweitägigen Staatsbesuch der Tschechischen Republik in Prag eingetroffen. Am Mittwoch trifft Frei zunächst mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel zusammen, auf dessen Einladung der Besuch erfolgt. Am Nachmittag erwarten Frei eine Reihe von Gesprächen mit führenden Repräsentanten des tschechischen Staates. Der Besuch hat die Erneuerung der Kontakte zwischen der ehemaligen Tschechoslowakei und Chile aus den zwanziger Jahren zum Ziel. Ab den drei3iger Jahren waren die Kontakte zwischen beiden Ländern mehr oder weniger unterbrochen wurden, doch in den letzten neun Jahren haben sie wieder an Intensität gewonnen. Der Besuch von Frei knüpft an die Reise des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel durch die südamerikanischen Staaten im Herbst des Jahres 1996 an.

TSCHECHISCHE SFOR-EINHEIT VOR DEM WECHSEL

Mit einer kurzen Besichtigung des historischen Stadtkerns und der Teilnahme an der vorabendlichen Messe in der St.-Veit- Kirche von Ceský Krumlov verabschiedeten sich am Dienstag die Soldaten der 3. mechanisierten Brigade der Tschechischen Armee vor ihrem Abflug nach Bosnien von ihrer Heimat. Seit Januar haben sie sich auf dem Armeeübungsgelände in Boletice auf ihren Einsatz im Rahmen der UN-Friedenstruppen vorbereitet, bei dem sie innerhalb der nächsten Tage die Soldaten der 7. mechanisierten Brigade aus Kromeríz als tschechische SFOR- Einheit ablösen werden.

BAUSTOPP VON TEMELIN HÄTTE RUIN DER ENERGIEWERKE ZUFOLGE

Ein endgültiger Baustopp für das südböhmische Kernkraftwerk Temelín wäre gleichbedeutend mit dem finanziellen Ruin der Tschechischen Energiewerke, dem Betreiber des Atommeilers. Der Gesamtverlust für die Energiewerke bei solch einem Schritt würde allein im Jahr der ablehnenden Entscheidung 82 Milliarden Kronen und in den Folgejahren rund vier Milliarden Kronen betragen, konstatiert die Firma in einer Stellungnahme zum Abschlussbericht der sogenannten Temelín-Kommission. Zum Vergleich: Für das laufende Geschäftsjahr erwarten die Energiewerke einen Gewinn von rund 2,4 Milliarden Kronen. Der Abschlussbericht der Temelín-Kommission wird am Mittwoch und am kommenden Montag vom tschechischen Kabinett behandelt.

LEISTUNGEN DER DEUTSCHEN TELECOM ZUM EU-TARIF

Für die deutsche Telekommunikationsgesellschaft Deutsche Telekom ist die Tschechische Republik ebenso wie Polen und Ungarn mit dem NATO-Beitritt praktisch auch schon ein Mitglied der Europäischen Union. Für diese drei Länder sollen nämlich in absehbarer Zeit dieselben Telefongebühren gelten, wie für EU-Mitgliedsstaaten. Dies verkündete am Montag in Bonn der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer.

VERTRAG ZWISCHEN CD UND ÖBB

Eine Vereinbarung über eine gemeinsame Tarifpolitik insbesondere beim Gütertransport zwischen den Tschechischen Eisenbahnen 'CD) und den Österreichischen Bundesbahnen 'ÖBB) werden am Mittwoch die Generaldirektoren der beiden Eisenbahngesellschaften unterzeichnen. Zudem wird die Leitung des tschechischen Unternehmens bis Freitag dem hiesigen Verkehrsministerium einen Gesetzentwurf zur Transformierung der staatlichen Tschechischen Eisenbahnen in eine Aktiengesellschaft vorlegen. Dies teilte der Generaldirektor der Tschechischen Eisenbahnen, Dalibor Zelený, am Dienstag vor Journalisten in Prag mit.

TATRA HAT AUFTRAG UND STRATEGISCHEN PARTNER IN SICHT

Der Lastkraftwagen-Hersteller Tatra Koprivnice wird aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr einen weiteren Auftrag zur Lieferung von 700 Tatra-LKWs für die Armee der Vereinigten Arabischen Emirate abschlie3en. "Zur Zeit laufen die Abschlussverhandlungen," sagte dazu gegenüber der Nachrichtenagentur CTK auf der internationalen Waffenmesse IDEX 99 in Abu Dhabi der Chef der örtlichen Tatra-Vertretung Miloslav Kubala. Dazu passt, dass sich die amerikanische Gesellschaft SDC International Inc. mit der Detroiter Harbour and Associates-Gruppe zusammengeschlossen hat, um gemeinsam die Aktienmehrheit für den Tatra-Konzern zu erlangen. Dies geht aus einem von der IDC International am Montag in New York an die CTK abgesandten Fax hervor.

AUSSTELLUNG ÜBER DEUTSCHE ANTIFASCHISTEN

Eine Ausstellung, die an die deutschen Antifaschisten erinnern soll, denen in der Tschechoslowakei der Vorkriegszeit Asyl gewährt wurde, ist am Montag im Prager Karolinum eröffnet worden. Einer der Sponsoren der unter der Bezeichnung "Tschechen und Deutsche gemeinsam gegen Hitler" laufenden Ausstellung ist auch der Tschechisch-deutsche Zukunftsfonds. Die Exposition, die anlässlich des 60. Jahrestages der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Hitlertruppen eröffnet wurde, ist noch bis zum 15. April zu sehen.

Und abschlie3end der aktuelle Wetterbericht:

Am Mittwoch beeinflusst ein Hochdruckausläufer von Nordosten her das Wetter in der Tschechischen Republik. Es wird heiter, in der Osthälfte des Landes örtlich auch bewölkt sein und vereinzelt ist mit Schneeregen oder Schneeschauern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 4 und 8 Grad Celsius.

Die weiteren Aussichten: Am Donnerstag und am Freitag trotz abnehmender Bewölkung keine wesentlichen Wetterveränderungen. Die Nachttemperaturen bewegen sich zwischen minus 2 und minus 6 Grad, die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 4 und 8 Grad Celsius.

17-03-1999