Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten Mittwoch, 01. September, 1999

01-09-1999

DAS BAMBERGER MEMORANDUM WAR GEFÄLSCHT

Der tschechische zivile Nachrichtendienst BIS hat Beweise darüber, wer die Unterschriften auf dem sog. Bamberger Memorandum im Jahre 1995 gefälscht hat. Laut diesem Dokument soll angeblich der sozialdemokratische Parteichef Milos Zeman einen Vertrag über die Anleihe für seine Partei bestätigt haben. Als Gegenleistung dafür soll er einer Gruppe tschecho-schweizerischer Unternehmer versprochen haben, die wirtschaftliche Entwicklung in Tschechien nach dem Wahlsieg der Sozialdemokraten beeiflussen zu können. Die Fälschung des Dokuments und die Entstehung der sog. Bamberger Affäre sind die Tat privater Subjekte, und keiner staatlichen oder politischen Struktur, folgt aus der Untersuchung des BIS.

ZUSAMMENARBEIT VON BÖHMERWALD UND BAYRISCHEN WALD

Der tschechische Umweltminister Milos Kuzvart und der bayrische Staaatsminister für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Josef Miller, haben heute Vormittag ein Memorandum über die Zusammenarbeit der Nationalparks Böhmerwald und Bayrischer Wald unterzeichnet. Die Verwaltungen der Nationalparks auf beiden Seiten der Grenze wollen ihre Tätigkeit koordinieren und gemischte Arbeitsgruppen bilden. Die feierliche Unterzeichnung fand im historischen Gebäude des Bahnhofes Zelezna Ruda - Bayrisch Eisenstein statt. Sie wurde von Öko-Aktivisten gestört, die gegen das Holzfällen im Böhmerwald protestierten.

ÖSTERREICH KÄMPFT GEGEN DEN ATOMMEILER TEMELIN

Die österreichische Bundesregierung will die Forderung von Oberösterreich unterstützen, daß Tschechien mit einem in Betrieb genommenen Atommeiler Temelin nicht in die EU aufgenommen wird. "Die tschechische Regierung muß wissen, daß über die Aufnahme neuer EU-Mitglieder nicht nur in Brüssel, sondern in jedem einzelnen Nationalparlament aller Mitgliedsländer entschieden wird," sagte der oberösterreichische Landeshauptman Josef Pühringer in einem Gespräch für die tschechische Nachrichtenagentur CTK.

ZWANGSARBEITER FORDERN ENTSCHÄDIGUNG

Die Repräsentanten des Verbands der Zwangsarbeiter sind mit den Ergebnissen der Verhandlungen über ihre Entschädigung seitens deutscher Firmen nicht zufrieden. Sie fordern, daß die Entschädigung noch in diesem Jahr ausgezahlt wird, informierte am Dienstag der Vorsitzende des Verbands Jaroslav Rozhon. Die kürzlichen Verhandlungen über die Entschädigung in Bonn brachten keine Einigung. Es muß u.a. gelöst werden, wie hoch die Entschädigugnssumme sein soll.

DER DEUTSCHE BUNDESPRÄSIDENT BESUCHT TSCHECHIEN

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau wird am kommenden Mittwoch zum ersten Mal die Tschechische Republik besuchen. Johannes Rau wird mit seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Havel jedoch nicht in Prag, sondern wahrscheinlich in der südböhmischen Stadt Tabor zusammentreffen. Darüber informierte am Dienstag die Präsidialkanzlei. Ein genaues Programm des Besuches werde aber erst zusammengestellt und soll Ende der Woche bekanntgegeben werden, wurde verlautbart.

WEITERE GRUPPE DER KOSOVO-ALBANER IN IHRE HEIMAT ABGEREIST

Schon das sechste Flugzeug mit Kosovo-Albanern ist am Dienstag vom nordmährischen Flughafen Ostrava-Mosnov aus in Richtung Skopje gestartet. An Bord befanden sich 106 Kosovo-Flüchtlinge, die während des Konflikts in ihrer Heimat Asyl in der Tschechischen Republik gefunden hatten.

6. DREI-LÄNDER-MARSCH IN NORDBÖHMEN

Etwa 90 Soldaten aus Polen, Tschechien und Deutschland sind am Dienstag im tschechischen Ort Hradek (Grottau) zum 6. Drei-Länder-Marsch aufgebrochen. Erstmals laufe der Besuch im Dreiländereck unter NATO-Flage, teilte der Pressechef des deutschen Streitkräfte-Kommandos Dresden, Klaus Geier, am Dienstag in Hradek mit. Gastland in diesem Jahr ist Tschechien. Der Drei- Länder-Marsch wird noch bis Freitag fortgesetzt.

EXPLOSION IM KAUFHAUS KOTVA

Die Explosion nach einem vermutlich vorsätzlichen Sprengstoffanschlag hat am Montagabend gegen 22 Uhr das Prager Kaufhaus Kotva erschüttert. Verletzt wurde jedoch niemand. Bis Mitternacht waren Polizisten und Feuerwehr vor Ort im Einsatz. Der Sprengstoff explodierte im letzten Stockwerk, wo sich das Büro des Vorstands befindet. Am Dienstag Morgen wurde das Kaufhaus für die Öffentlichkeit bereits wieder geöffnet.

ERRICHTUNG EINES AUFFANGSZENTRUMS IN POSTORNA

Im ehemaligen Objekt der Grenzwacht in Breclav-Postorna wird trotz des Widerstandes der dortigen Bürger ein Auffangszentrum für aufgegriffene Flüchtlinge errichtet. Innenminister Vaclav Grulich teilte dies am Dienstag der Presseagentur CTK mit. Er betonte, dass das Gebäude aus finanzieller und strategischer Hinsicht am günstigsten sei. Deswegen sei entschieden worden, es zum Auffangzentrum umzubauen, sagte Grulich. Die ortsansässigen Bürger, die eine Erhöhung der Kriminalität nach der Öffnung des Zentrums befürchten, haben dagegen in zwei Petitionen protestiert.

ZUFRIEDENHEIT MIT DER ARBEIT DER REGIERUNG

Die Bürger der Tschechischen Republik, Polens und Ungarns beurteilen die Arbeit ihrer Regierungen eher kritisch. Die schlechteste Beurteilung von der eigenen Bevölkerung erhielt das tschechische Kabinett, am besten kommt das ungarische Kabinett weg. In Ungarn sehen 36 Prozent der Bürger die Arbeit der Regierung als positiv und 50 Prozent als negativ an. In Polen ist das Verhältnis der Zufriedenen und Unzufriedenen 32 zu 50 Prozent. In Tschechien beurteilen nur 19 Prozent der Bürger die Ergebnisse der Regierung als gut, 62 Prozent hingegen als schlecht.

SHAKESPEARE-SOMMERFESTSPIELE AUF DER PRAGER BURG

Die Shakespeare-Sommerfestspiele auf der Prager Burg erreichen mit dem Gastspiel des Slowakischen Nationaltheaters aus Bratislava ihren Höhepunkt. Die slowakischen Schauspieler werden auf einer Freilichtbühne im Hofe des Palastes des Prager Burggrafen am Mittwoch und in den folgenden Tagen die Komödie "Lustige Weiber von Windsor" aufführen. Im Rahmen des Sommerfestivals fanden bisher etwa 60 Vorstellungen verschiedener Stücke von Shakespeare statt.

WETTER

Zum Abschluß der Wetterbericht. Am Mittwoch ist mit dem Zustrom kälterer Luft von Nordwesten und Norden her zu rechnen. Es wird bewölkt sein, vereinzelt treten Regenschauer auf. Die Tageshöchstwerte erreichen 16 bis 20 Grad Celsius.

Soweit die Nachrichten.

01-09-1999