Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten Donnerstag, 13. Mai, 1999

13-05-1999

DAS ATOMKRAFTWERK TEMELIN WIRD ZU ENDE GEBAUT

Das umstrittene Atomkraftwerk Temelin wird zu Ende gebaut werden. Das sozialdemokratische Kabinett entschied sich in der Nacht zum Donnerstag in Prag in einer vierstSndigen Sondersitzung gegen einen Baustopp fSr den 1986 begonnenen Reaktor. Elf der 19 Minister stimmten fSr den Bau des Atommeilers. Die Kabinettsmitglieder trafen ihre Entscheidung auf Grund zweier Analysen, einer vom Umweltminister Milos Kuzvart, der sich fSr den Baustopp einsetzte, und einer vom Industrie- und Handelsminister Miroslav Grégr, der fSr die Fertigstellung plädierte.

PRÄSIDENT HAVEL SPRICHT SICH FÜR DEN BAUSTOPP VON TEMELIN AUS

Wenige Stunden bevor die tschechische Regierung Sber das Schicksal des Atommeilers Temelin entschied, sprach sich Präsident Havel indirekt fSr einen Baustopp aus. Vor Journalisten wandte er sich dabei vor allem gegen den Bauherrn von Temelin, den Energiekonzern CEZ. äIch glaube nicht, daß wir gegen die kommunistische Regierung gekämpft haben, damit wir später eine Diktatur von Firmen wie der CEZ haben,ô sagte Havel. Das Staatsoberhaupt forderte das sozialdemokratische Kabinett auf, sich an den Standpunkt der CSSD vom Jahre 1995 zu erinnern, als die Sozialdemokraten ein Referendum Sber die Fertigstellung Temelíns sowie ein Energiekonzept des Staates verlangt hatten. Havel stieß mit seiner Äußerung auf scharfe Kritik seitens des Regierungschefs Milos Zeman und des Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Vaclav Klaus.

DIE TSCHECHISCH-GRIECHISCHE FRIEDENSINITIATIVE

Der operative Teil der tschechisch-griechischen Friedensinitiative zur Lösung der Balkan-Krise soll in dieser Woche abgeschlossen werden. Außenminister Jan Kavan sagte dies am Mittwoch im Abgeordnetenhaus. Er teilte den Abgeordneten keine Einzelheiten des Konzepts mit. Zum Inhalt der Initiative sagte er, sie widme sich der Wiederaufnahme des politischen Friedensprozesses auf dem Balkan, der Auflösung der paramilitärischen Einheiten im Kosovo, dem Abzug der Armee und der Polizeieinheiten aus dem Kosovo sowie der RSckfShrung der Kosovo-Albanern. Die Friedensinitiative wird auch von Premier Milos Zeman voll und ganz unterstStzt.

PRÄSIDENT HAVEL ERWARTET EINE SCHNELLE LÖSUNG DER KOSOVO-KRISE

Die Kosovo-Krise könnte nach den Worten von Präsident Václav Havel nicht innerhalb von Wochen, sondern Tagen gelöst werden. Dies erklärte der tschechische Staatspräsident am Dienstag während seiner Diskussion mit den Studenten der philosophischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag. Václav Havel berief sich dabei auf sein Gespräch mit der US-Außenministerin Madeleine Albright am vergangen Montag. Aufgrund der jSngsten Verhandlungen der G7-Gruppe und Rußlands zeichne sich u so Havel u bereits ein Ende der Kosovo-Krise ab.

AUßENMINISTER KAVAN IST MIT HAVEL NICHT EINVERSTANDEN

Außenminister Jan Kavan teilt nicht die Vorstellung von Václav Havel, daß der Kosovo-Konflikt eher innerhalb von Tagen als von Wochen beendet werden könne. Kavan stellte im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen fest, er wäre gern ein solcher Optimist wie Havel, aber er glaube nicht, daß es zu einer solchen Wende in den nächsten Tagen kommen könne.

DIE KOSOVO-FLÜCHTLINGE WOLLEN ZURÜCKKEHREN

Die Kosovo-FlSchtlinge sind den Worten von Präsident Václav Havel zufolge der Tschechischen Republik fSr das ihnen gewährte Asyl dankbar. Sie wSnschen sich jedoch, möglichst bald in ihre Heimat zurSckzukehren. Dies erklärte Václav Havel am Dienstag nach dem Besuch im humanitären Zentrum in Zbýsov bei Brno, wo 115 Kosovo-FlSchtlinge untergebracht sind. Der Präsident bezeichnete die Tatsache als positiv, daß immer mehr tschechische Städte und Gemeinden den FlSchtlingen Hilfe anbieten. Er konstatierte, daß die Solidarität geweckt worden sei, nachdem sich die Menschen mit dem Schicksal der FlSchtlinge vertraut gemacht hätten.

DER LETTISCHE PRÄSIDENT BEENDET SEINEN TSCHECHIEN- BESUCH

Mit einem Treffen mit dem tschechischen Verteidigungsminister Vladimir Vetchy hat am Mittwoch der dritte und letzte Besuchstag des lettischen Staatspräsidenten Guntis Ulmanis in Tschechien begonnen. äWir wollen weitere NATO-Bewerber vor jenen Fehlern bewahren, die wir gemacht haben, und unsere Erfahrungen weitergeben,ô sagte Verteidigungsminsiter Vladimír Vetchý im Anschluß an das Treffen. Am Nachmittag besuchte das lettische Staatsoberhaupt die sSdböhmische Region.

Der tschechische Außenminister Jan Kavan sagte seinem lettischen Amtskollegen Vadis Birkavs am Mittwoch die UnterstStzung der Tschechischen Republik bei der NATO-Integration der drei baltischen Staaten zu.

AUSZEICHNUNGEN FÜR STAATOBERHÄUPTE TSCHECHIENS UND LETTLANDS

Die Prager Karsluniversität und die Lettische Universität haben am Mittwoch gegenseitig ihre Staatsoberhäupte ausgezeichnet. Der lettische Staatspräsident Guntis Ulmanis wurde mit der Ehrenmedaille der Karsuniversität ausgezeichnet, und dem tschechischen Präsidenten Václav Havel wurde der Ehrendoktortitel der Lettischen Universität verliehen.

DER MALTESISCHE PREMIER BESUCHT PRAG

Der maltesische Premier Edward Fenech Adami hat seinen mehrtägigen Prag- Besuch fortgesetzt. Am Mittwoch kam er zu einem Privatgespräch mit Präsident Václav Havel zusammen. Am Dienstag sprachen Adami und sein tschechischer Amtskollege Milos Zeman Sber das gemeinsame Interesse beider Länder, sich der EU anzuschließen. Malta wurde nachträglich in die erste Gruppe der Beitrittskandidaten aufgenommen, der auch die Tschechische Republik angehört. Die Beitrittsgespräche mit Malta sollen Anfang kommenden Jahres gestartet werden.

TSCHECHISCHE ABGEORDNETE ZUR ABBERUFUNG PRIMAKOVS

Tschechische Abgeordnete kommentierten am Mittwoch die Entscheidung des russischen Präsidenten Boris Jelzin, Premier Jevgenij Primakov abzuberufen. Der sozialdemokratische Experte fSr auswärtige Angelegenheiten, Vladimír Lastuvka, hält die Abberufung fSr eine Widerspiegelung der Spannungen und Bewegungen unter der Oberfläche der Machtelite in Rußland sowie der fatalen sozial-wirtschaftlichen Lage. Als eine typische Erscheinung der Jelzin-Politik bezeichnete die geplante Abberufung Primakovs der Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des Abgeordnetenhauses, Petr Necas von der ODS. Primakov sei eine große Persönlichkeit und ein erfahrener Diplomat, seine Abberufung stelle einen sehr ernsten Schritt dar, bemerkte dazu der Christdemokrate und frShere Vizeaußenminister Cyril Svoboda.

DER KREISPOLIZEICHEF IN BUDWEIS ERSCHOSSEN

Der Kreispolizeichef in Ceské Budejovice / Budweis, Vladimír Ryklík, wurde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in einer Bar in Budweis erschossen. Die sSdböhmische Polizeisprecherin Martina Kolárová erklärte gegenSber der Nachrichtenagentur CTK, daß in diesem Zusammenhang ein 57jähriger Mann, der im Besitz eines ordnungsgemäßen Waffenscheins ist, des Mordes angeklagt werde.

54. MUSIKFESTSPIELE PRAGER FRÜHLING

Zum Auftakt des internationalen Musikfestivals Prager FrShling, das am Mittwoch begann fand am Mittwoch vormittag ein Pietätsakt auf dem Prager Vysehrad-Friedhof statt. Repräsentanten des Kulturministeriums und einiger Musikinstitutionen legten Kränze an den Gräbern der BegrSnder der modernen tschechischen Musik, Bedrich Smetana und Antonín Dvorák, nieder. Am Abend eröffnete die Tschechische Philharmonie unter Charles Mackerras die dreiwöchigen 54. Musikfestspiele mit dem Zyklus der symphonischen Dichtungen äMein Vaterlandô von Bedrich Smetana.

WETTER

Zum Abschluß das Wetter. Am Donnerstag soll es in Tschechien bewölkt sein, vereinzelt mit Regenschauern oder Gewittern. Die Nachttemperaturen bewegen sich zwischen 12 und 8 Grad, die Tageshöchtswerte steigen auf 16 bis 20 Grad Celsius.

13-05-1999