Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

08-04-2003

Tschechisches Feldlazarett: Entsendung in den Irak frühestens am 18. April

Der tschechische Premier Vladimír Spidla wird UN-Generalsekretär Kofi Annan in einem persönlichen Brief darüber informieren, dass die tschechische Regierung die Absicht habe, ein Feldlazarett der tschechischen Armee in die vom Krieg gezeichnete Region am Persischen Golf zu entsenden. Mit diesem Brief und der daraufhin erhofften Anforderung von Seiten der UNO, ein solches Lazarett für die bevorstehende großangelegte humanitäre Hilfe im Irak einzuplanen, will der Ministerpräsident den Entscheidungsprozess im Prager Parlament ganz offensichtlich beschleunigen. Sowohl das Abgeordnetenhaus als auch der Senat wollen über die Entsendung des Feldlazaretts aller Voraussicht nach erst am 17. April verhandeln. Das Militärkrankenhaus könnte somit frühestens am 18. April in die Krisenregion aufbrechen. Die formelle Grundlage für den Kabinettsbeschluss bildete die UN-Resolution 1472, in welcher die internationale Gemeinschaft zu humanitärer Soforthilfe im Irak aufgefordert wird.

Times: Iraker hinterließen bei Kampf um Basra auch tschechische Waffen

Dutzende von ausgelegten Panzerabwehrminen aus tschechischer Produktion haben die irakischen Verteidiger der Stadt Basra an den Ausfallstraßen zur südirakischen Metropole hinterlassen. Das geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der britischen Tageszeitung "The Times" hervor, in dem die Besetzung dieser Stadt durch britischen Soldaten geschildert wird. Der Irak war ein langjähriger Handelspartner der damaligen sozialistischen Tschechoslowakei. Neben dem Import von militärischen Übungsflugzeugen und weiterem Militärgerät kaufte er auch große zivile Einrichtungen aus tschechoslowakischer Hand. So hat die ehemalige CSSR zum Beispiel Bestandteile zum Bau einer Raffinerie in Basra geliefert.

Neuerlicher Fall von Selbstverbrennung in Tschechien - bereits viertes Opfer

In dem südböhmischen Ort Velka Chyska nahe der Stadt Pelhrimov hat sich in der Nacht zu Dienstag ein 42-jähriger Mann mit Benzin übergossen und danach selbst angezündet. Noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte ist er an seinen Verletzungen gestorben. Der Mann befand sich in psychiatrischer Behandlung und hatte laut einer Sprecherin der Polizei bereits mehrere Selbstmordversuche begangen. Vor der Tat war er im örtlichen Gasthaus gewesen, angeblich hat er sich vor den Augen seiner Lebensgefährtin und anderer Stammgäste des Lokals auf dem Dorfplatz vor der Kirche verbrannt. Seit Anfang März haben in Tschechien somit bereits sechs Leute versucht, sich durch Selbstverbrennung das Leben zu nehmen. Vier starben, zwei befinden sich im Krankenhaus; ihr Zustand wird als ernst bezeichnet. Insgesamt aber liegt die Erwachsenen-Selbstmordrate in Tschechien mit 16 Fällen auf 100.000 Einwohner im europäischen Durchschnitt.

Ein Toter bei Banküberfall in Prag 6 - Täter entkam mit der Beute

Bei einem Banküberfall auf eine Filiale der Tschechoslowakischen Handelsbank (CSOB) im Prager Stadtteil Dejvice ist am Dienstagnachmittag ein Wachmann erschossen worden. Dies teilte CSOB-Sprecher Pavel Hejzlar der Nachrichtenagentur CTK mit. Der unbekannte Täter war zuvor an einem Bankschalter erschienen und hatte der Bankangestellten ein Papier durchgereicht, auf dem zu lesen stand, dass es sich um einen Überfall handele, er eine Waffe dabei habe und in der Filiale von ihm eine Bombe hinterlegt worden sei. Als sich die Angestellte blitzschnell hinter dem Schalter abduckte, schoss der Täter plötzlich wild um sich und traf den herbeieilenden Wachmann. Seitdem ist er mit einer Beute von rund 200.000 Kronen (ca. 6600 Euro) flüchtig. Die Polizei hat eine Großfahndung eingeleitet.

Arbeitslosenquote in Tschechien leicht von 10,2 auf 10,0 Prozent gesunken

Die Arbeitslosenquote in Tschechien ist im März um 0,2 Prozentpunkte auf genau 10,0 Prozent gesunken. Ende März seien etwa 528.000 Menschen als arbeitslos registriert gewesen, teilte das Arbeitsministerium in Prag am Dienstag mit. Dies seien rund 10.000 Menschen weniger als Ende Februar, als die Quote noch 10,2 Prozent betrug. Die niedrigste Quote verzeichnete Prag mit rund 3,0 Prozent, dagegen lag der Wert in Nordböhmen wieder bei etwa 20 Prozent. Erstmals seit der politischen Wende von 1989 hatte die Quote im Januar landesweit die Zehn-Prozent-Marke überschritten.

Tschechien verzeichnet bereits dritten Monat in Folge eine Deflation

Die Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen in der Tschechischen Republik sind im März dieses Jahres um 0,4 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres gesunken. Damit ist es hierzulande bereits den dritten Monat zu einer Deflation anstatt zu einem weiteren Anstieg der Inflationsrate gekommen, gab das Tschechische Statistische Amt am Dienstag bekannt. Diese Entwicklung sei unter den EU-Kandidatenländern neben Tschechien lediglich noch in Litauen zu beobachten, teilte die Analytikerin der Volksbank, Markéta Sichtarová, der Nachrichtenagentur CTK mit.

Regierungskoalition verpasst durch Disziplinmangel Neuwahl des Fernsehrats

Der unlängst abberufene tschechische Rundfunk- und Fernsehrat hat am Dienstag seine Tätigkeit zwar formell eingestellt, nichtsdestotrotz haben einige seiner Ex-Mitglieder gerichtliche Schritte angedroht gegen die Entscheidung des Abgeordnetenhauses, die auf einen entsprechenden Regierungsantrag herbeigeführt wurde. Die Ex-Mitglieder stützen sich dabei auf die Vermutung, dass die Abberufung des Rates nicht im Einklang mit der Gesetzgebung gewesen sei. Derweil konnte die Regierungskoalition die Wahl eines neuen Fernsehrates auf der Sitzung des Abgeordnetenhauses am Dienstag in Prag (noch) nicht durchsetzen, weil ihr dafür einige Stimmen gefehlt haben. Die Bürgerdemokraten (ODS) und die Kommunisten (KSCM), die den Kabinettsantrag geschlossen abgelehnt hatten, verhinderten die absolute Mehrheit, da mehrere Abgeordnete der Regierungsparteien der Sitzung ferngeblieben waren.

Deutsche Langzeitarbeitslose beseitigen Hochwasserschäden in Theresienstadt

Eine Gruppe von vormals 14 Langzeitarbeitslosen aus Hamburg hat in dieser Woche im Areal der Gedenkstätte Terezin/Theresienstadt damit begonnen, den Nationalfriedhof neu herzurichten, den das Elbehochwasser im August letzten Jahres stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Auf dem Friedhof werden die Deutschen bis zum Mittwoch nächster Woche insgesamt 3000 völlig zerstörte Rosensträucher entfernen und den Boden für die Pflanzung neuer Rosensträucher vorbereiten, teilte der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte Jirí Janousek am Dienstag der Nachrichtenagentur CTK mit.

Suche nach 21-jährigem Schüler aus Deutschland in Tschechien hält an

Ein in Tschechien nach einem Disco-Besuch vermisster 21-jähriger Fachoberschüler aus Burgdorf bei Hannover wird landesweit von der Polizei gesucht. Erstmals berichteten überregionale Medien am Dienstag mit einem Foto des Vermissten von dem Fall. Der junge Mann war am 27. März während des Disco-Besuchs in Prag verschwunden. Seine Mutter hatte in den vergangenen Tagen in Prag Handzettel verteilt. Auch nach dieser Aktion gebe es noch kein Lebenszeichen, sagte sie am Dienstag der Presseagentur dpa.

Wetter- und Straßenbericht:

Die Mehrzahl der Straßen in der Tschechischen Republik war am Dienstag problemlos befahrbar. Lediglich in den höheren Gebirgslagen sind die Fahrbahnen mit frischem Neuschnee bedeckt oder leicht zugeweht. Daher ist in diesen Lagen ein Fahren nur mit Winterreifen und örtlich gar nur mit Schneeketten erforderlich. Die weiteren Aussichten: Auch am Mittwoch und Donnerstag bleibt uns in den Nächten der Bodenfrost noch erhalten, tagsüber kommt es aber zu einer leicht ansteigenden Erwärmung, die für das Wochenende schon wieder frühlingshafte Temperaturen von 14 bis 18 Grad Celsius verspricht.

08-04-2003