Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

11-03-2003

Präsidenten Klaus und Putin vertreten ähnlichen Standpunkt zur Irak-Krise

Der tschechische Präsident Václav Klaus hat am Dienstag in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin gesprochen. Dabei hätten beide Politiker auch über die Irak-Krise gesprochen, zu der beide eine nur unwesentlich voneinander entfernt liegende, weil von unterschiedlichen Positionen aus betrachtete Meinung hätten, sagte der Chef der Regierungskanzlei Ladislav Jakl am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Beide Staatsmänner hatten bereits früher darüber gesprochen, dass ein UNO-Mandat zur Rechtfertigung eines Militärschlags gegen den Irak nicht bloß eine neue Resolution, sondern auch einen entsprechenden Standpunkt des UN-Sicherheitsrates oder eine Erklärung seines Präsidenten beinhalten müsse. Klaus sieht eine militärische Lösung der Irak-Krise als allerletztes Mittel an und er hätte anstelle seines Vorgängers Václav Havel, wie seinen Worten zu entnehmen war, den pro-amerikanischen Aufruf der Regierungschef von sieben europäischen Ländern nicht unterschrieben. Am heutigen Mittwoch wird Klaus auf der Prager Burg mit den Botschaftern der Slowakei und der Vereinigten Staaten, Ladislav Ballek und Craig Stapleton, zusammentreffen. Das Treffen mit Stapleton steht auch unter dem aktuellen Bezug des von den USA beabsichtigten Militärschlags gegen den Irak. Am vergangenen Donnerstag hat Klaus bereits mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush telefoniert, gab der Chef der Regierungskanzlei Ladislav Jakl am Dienstag über die Nachrichtenagentur CTK bekannt.

Tschechische Regierung übersteht knapp Vertrauensabstimmung

Die tschechische Regierung hat die am Dienstagnachmittag im Prager Abgeordnetenhaus vollzogene Vertrauensabstimmung nur knapp mit 101 zu 99 Stimmen gewonnen. Ministerpräsident Vladimir Spidla (CSSD) hatte die Sondersitzung beantragt, weil Abgeordnete der sozialliberalen Koalition bei der Präsidentenwahl im Februar für den schließlich siegreichen Oppositionskandidaten Václav Klaus (ODS) gestimmt hatten. Bei einer Niederlage hätte die Regierung zurücktreten müssen. In namentlicher Abstimmung votierten am Dienstag alle 101 Abgeordneten der Sozialdemokraten (CSSD), Christdemokraten (KDU-CSL) und Liberalen (US-DEU) für die seit knapp acht Monaten amtierende Regierung. Konservative (ODS) und Kommunisten (KSCM) stimmten dagegen. Die Opposition warf dem Kabinett vor, die Abstimmung zur Lösung interner Probleme zu missbrauchen. Dies wies Spidla zurück. Um der Koalition die Mehrheit zu sichern, war der derzeitige Vorsitzende der UN-Vollversammlung, Jan Kavan (CSSD), extra aus dem Ausland zur Abstimmung eingeflogen. Kulturminister Pavel Dostál (CSSD) nahm nur wenige Tage nach einer Nierenoperation an der Sitzung des Abgeordnetenhauses teil.

Nach Vertrauensbeweis stieg der Wert der Tschechischen Krone leicht an

Nach der Vertrauensabstimmung zugunsten der tschechischen Regierung im Prager Abgeordnetenhaus ist der Wert der tschechischen Währung gleich wieder leicht angestiegen. Am Dienstagnachmittag wurde sie gegen 15.30 Uhr mit einem Wechselkurs von 31,7 Kronen für einen Euro gehandelt. Finanzexperten hatten den Vertrauenszuspruch für die Regierung erwartet. Im gegenteiligen Fall allerdings wäre der Wechselkurs ganz schnell auf 32 Kronen für einen Euro nach unten gefallen, behaupteten die Ökonomen.

Tschechien schließt im arabischen Raum derzeit nur Botschaft in Bagdad

Das tschechische Außenministerium vollziehe wegen der sicherheitsgefährdeten Lage im arabischen Raum derzeit lediglich die Schließung ihrer Botschaft im irakischen Bagdad. Dort würden bis Sonntag die letzten zwei Angestellten abgezogen und die Botschaft vorübergehend geschlossen. Einen Krisenplan zur eventuellen Evakuierung weiterer Missionen im Nahen Osten gebe es hingegen nicht, teilte der Sprecher des Ministeriums Vít Kolár am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit.

Leitung von RFE/RL sucht weiter nach neuem Rundfunkgebäude in Prag

Trotz erster Überlegungen, den Sitz des Rundfunksenders Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) in die Türkei zu verlegen, strebt die Leitung des Senders den weiteren Verbleib in Prag an. Laut Aussage von Sonia Winter, der Sprecherin des Senders, war von einem Umzug in die Türkei im amerikanischen Kongress die Rede gewesen. Wie die Sprecherin jedoch am Dienstag betonte, sei der Sender nach wie vor bemüht, mit der tschechischen Regierung nach einem geeigneten Rundfunkgebäude in Prag zu suchen. Der derzeitige Sitz des Senders inmitten des Prager Stadtzentrums gilt spätestens seit dem 11. September 2001 als ein Platz, der eine potenzielle Zielscheibe für terroristische Angriffe darstellt.

Erneuter Fall von Selbstverbrennung in Tschechien

Fünf Tage nach dem spektakulären Selbstmord eines 19-Jährigen in Prag hat sich am Dienstag in der mährischen Stadt Policka erneut ein junger Bursche in Brand gesteckt. Der 21-jährige, geistig kranke Mann sei mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht worden, meldete die tschechische Nachrichtenagentur CTK. Den Polizisten, die sich mit dem Fall befassen, ist es bisher noch nicht gelungen, das Motiv für die Tat des jungen Mannes zu ergründen.

Ein Toter bei Schießerei im zweiten Prager Stadtbezirk

Einen Toten und einen Schwerverletzten forderte eine Schießerei, die sich heute Morgen gegen 6 Uhr in der Sarajevo-Straße im zweiten Prager Stadtbezirk abgespielt hat. Das gab ein Offizier der Prager Polizei über die Nachrichtenagentur CTK bekannt. Bei dem Toten handelt es sich um einen ca. 60-jährigen Ausländer, vermutlich einen Ukrainer. Bisher ist der Polizei nur bekannt, dass an der Schießerei vermutlich vier Personen beteiligt waren, von denen drei aufeinander geschossen haben.

Autobusunglück: Busfahrer erwartet Anklage wegen allgemeiner Gefährdung

Die Südböhmische Polizei hat am Dienstag eine Anzeige wegen allgemeiner Gefährdung gegen den 48-jährigen Busfahrer erstattet, der am Samstagabend mit dem von ihm gesteuerten doppelstöckigen Reisebus einen folgenschweren Unfall auf der E 55 bei Nazidla unweit der südböhmischen Stadt Ceský Krumlov/Krummau verursacht hat. Dem Busfahrer droht nunmehr eine Gefängnisstrafe von drei bis zu zehn Jahren. Bei dem schweren Busunglück wurden 19 Personen getötet und 34 Personen zum Teil schwer verletzt, von denen zehn nach wie vor um ihr Leben ringen. Der Fahrer wird den vorliegenden Untersuchungsergebnissen zufolge vermutlich dafür verantwortlich gemacht, aus noch unbekannten Gründen von der Fahrbahn abgekommen und mit dem vollbesetzten Bus einen sieben Meter tiefen Abgang hinabgestürzt zu sein. Von der aus Karlovy Vary/Karlsbad und Umgebung stammenden Reisegruppe konnten am Dienstag zwei Verletzte vom Krankenhaus in Ceské Budejovice/Budweis in das Karlsbader Spital überführt werden.

Tschechien ehrt verstorbenen Sudetendeutschen Volkmar Gabert in Berlin

Der verstorbene Vorsitzende der sudetendeutschen Sozialdemokraten und bayerische SPD-Politiker Volkmar Gabert wird an diesem Mittwoch in der tschechischen Botschaft in Berlin mit einer Veranstaltung geehrt. Man wolle mit der politischen Diskussion "Vier Epochen" der engen Verbindung zwischen Gabert und dessen Heimat gedenken, sagte ein Prager Diplomat am Montag. Der in Nordböhmen geborene Gabert war ein starker Fürsprecher einer sudetendeutsch-tschechischen Versöhnung. Gabert war zuletzt Mitglied im Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Er starb am 19. Februar. An diesem Dienstag wäre er 80 Jahre alt geworden.

Analyse: Durchschnittlicher Monatslohn in Tschechien stieg auf 15.700 Kc

Der durchschnittliche Monatslohn in der Tschechischen Republik ist im zurückliegenden Jahr von 14.642 Kronen im Jahr 2001 auf nunmehr 15.700 Kronen gestiegen. Das ist ein Zuwachs von mehr als 1000 Kronen monatlich, schätzen Analytiker ein, die von der Nachrichtenagentur CTK in dieser Frage angesprochen wurden. Ihren Angaben zufolge seien daher der nominelle Lohn im Jahr 2002 um 7,2 Prozent und der Reallohn um 5,3 Prozent gestiegen.

Mobilfunkanbieter T-Mobile erzielt 2002 einen Zugewinn von 14 Prozent

Der tschechische Mobilfunkanbieter T-Mobile erzielte im zurückliegenden Jahr 2002 einen Jahresreingewinn von knapp 2,9 Milliarden Kronen, womit er seinen im Jahr 2001 erzielten Gewinn von 2,5 Milliarden Kronen um weitere 14 Prozent ausbauen konnte. Auch der Umsatz von T-Mobile konnte im letzten Jahr gesteigert werden, und zwar um 2,2 Prozent auf die Summe von 21,57 Milliarden Kronen. Diese Ergebnisse vermeldete die Firma am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Prag.

Ex-Chef einer tschechischen Ausländerbehörde mit 5000 Kronen Strafe belegt

Für die unberechtigte Ausstellung von langfristigen Aufenthaltsgenehmigungen ist der ehemalige Chef der örtlichen Ausländerbehörde im mährischen Prerov, Jaroslav Dubes, am Dienstag von einem Gericht in Prerov mit einer Geldbuße von 5000 Kronen (ca. 160 Euro) belegt worden. Wegen des Missbrauchs der Kompetenzen eines staatlichen Angestellten erhielt der Beamte zudem ein zweijähriges Verbot zur Ausübung seiner polizeilichen Tätigkeit, meldete die Nachrichtenagentur CTK.

Wetter: Ausgiebige Niederschläge können erneut zu Hochwassergefahr führen

Die Meteorologen sagen für die nächsten Tage ausgiebige Niederschläge und ein Ansteigen der Pegel von Flüssen und Bächen in Tschechien voraus, insbesondere derer in den Regionen des Riesen- und des Isergebirges, wo die Pegel die höchste Hochwasserstufe erreichen könnten. Dabei kann es am Mittwoch in oberen Höhenlagen auch vermehrt zu erneutem Schneefall kommen, meldete der tschechische Wetterdienst am Dienstag.

11-03-2003