Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

14-11-2005

Tschechischer Regierungschef bietet Vermittlung in der Kosovo-Frage an

Der tschechische Regierungschef Jiri Paroubek hat Hilfe bei einer Lösung für die abtrünnige südserbische Provinz Kosovo angeboten. Wie zuvor in Belgrad erklärte er bei einem Treffen mit dem Kosovo-Präsidenten Ibrahim Rugova am Montag in Pristina, die tschechische Diplomatie kenne sich in der Region aus und könnte bei einer Vermittlung zwischen Albanern und Serben behilflich sein. Rugova äußerte sich vor allem positiv über den früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel. "Herr Havel kann mit seiner Persönlichkeit und Autorität helfen, denn er ist eine wohl bekannte Person der Freiheit und Unabhängigkeit." Rugova erwartet von den bevorstehenden Verhandlungen über die staatsrechtliche Zukunft dieser fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz die schnelle Souveränität für das Kosovo. "Ich bestehe auf der sofortigen Anerkennung der Unabhängigkeit eines Staates Kosovo, was meiner Meinung nach dieser Region Frieden bringen wird", sagte er nach dem Treffen mit dem tschechischen Gast. Ziel sei die Verankerung des Kosovos in der EU und der NATO bei einem engen Bündnis mit den USA. Der UN-Kosovo-Vermittler Martti Ahtisaari will noch im November erste Gespräche über die Zukunft des Kosovos in Pristina und Belgrad führen.

Gesundheitsminister Rath trifft weitere Sparmaßnahmen

Tschechiens neuer Gesundheitsminister David Rath hat am Montag Innenminister Frantisek Bublan darüber informiert, dass einige der Kontrolleure, die die von ihm am Donnerstag über die tschechische Allgemeine Krankenversicherung (VZP) verhängte Zwangsverwaltung durchsetzen sollen, bei Telefonanrufen anonym bedroht worden sind. Daher seien diese Personen einem solchen Druck ausgesetzt, der sie teilweise vor ihrer schwierigen Aufgabe kapitulieren ließe, sagte Rath und verwies dabei auf eine Angestellte der Kontrollgruppe, die sich wegen dieser Telefondrohungen bereits von ihrer Aufgabe hat entbinden lassen. Im Zuge weiterer Sparmaßnahmen habe Rath inzwischen für die tschechischen Krankenhäuser eine finanzielle Obergrenze für den Einkauf teuerer Medikamente festgelegt. Das schrieb die Tageszeitung "Hospodarske noviny" in ihrer Montagausgabe. Raths Entscheidung könnte der Zeitung zufolge Probleme vor allem für Patienten mit schweren Rheumaerkrankungen und mit multipler Sklerose nach sich ziehen.

CVVM: Kommunisten haben die meisten Stammwähler, CSSD die wenigsten

Als überzeugte Anhänger einer der gegenwärtigen politischen Parteien in Tschechien bezeichnen sich elf Prozent der potenziellen Wähler des Landes. Das ist um die Hälfte weniger als noch vor neun Jahren. Auf die meisten dieser so genannten Stammwähler können dabei die Kommunisten (KSCM) verweisen, auf die wenigsten die Sozialdemokraten (CSSD). Während die Kommunisten am Stammwählerpotenzial einen Anteil von 24 Prozent haben, die Christdemokraten (KDU-CSL) von 22 Prozent und die Bürgerdemokraten (ODS) von elf Prozent, müssen sich die Sozialdemokraten mit ganzen vier Prozent begnügen. Das geht aus einer Analyse hervor, die am Montag vom Meinungsforschungsinstitut CVVM veröffentlicht wurde.

Immigranten: In 15 Jahren wurden in Tschechien 77.500 Asylanträge gestellt

In den zurückliegenden 15 Jahren haben in der Tschechischen Republik 77.500 Menschen aus allen Ecken der Welt einen Antrag auf Asyl gestellt. 2500 davon waren erfolgreich, was einem Anteil von rund drei Prozent entspricht. Das gab der stellvertretende tschechische Außenminister Vladimir Müller am Montag auf der Konferenz über die Sicherheit der Europäischen Union bekannt, die dieser Tage im Prager Senat stattfindet.

Gefängnisausbruch: Weitere acht Wärter werden disziplinarisch bestraft

Wegen des Ausbruchs der beiden Häftlinge, die am vergangenen Dienstag aus der Strafvollzugsanstalt Bory in Pilsen / Plzen entflohen sind, werden weitere acht Gefängniswärter disziplinarisch bestraft. Das teilte der Generaldirektor der Gefängnisdienste in Tschechien, Ludek Kula, am Montag vor Journalisten mit. Während mit Rostislav Roztocil einer der beiden Entflohenen am Samstag von der deutschen Polizei nahe Stuttgart gefasst und verhaftet wurde, fahndet die tschechische Polizei auch nach einer Woche weiter nach dem zweiten Flüchtling Roman Cabrada. Dieser war in die Pilsener Haftanstalt gesteckt worden, nachdem man ihm den Mord an den ehemaligen Bürgermeister der bayerischen Stadt Röckingen gerichtlich nachgewiesen hatte. Die Polizisten haben der Nachrichtenagentur CTK zufolge Informationen darüber, wo er sich aufhalten dürfte, könnten diese Informationen jedoch aus taktischen Gründen nicht preisgeben, hieß es.

Tschechische Währung gegenüber Dollar auf Kurs 25,03 CZK/USD gefallen

Die tschechische Währung ist zum Geschäftsschluss am Montag mit einem Wechselkurs von 29,28 Kronen je Euro gehandelt worden. Während dies ein recht stabiler Kurs gegenüber dem Euro war, ist das Wechselverhältnis zur US-Währung tagsüber gleich um knapp 20 Heller auf einen Kurs von 25,03 Kronen je US-Dollar gefallen. Der Grund dafür waren Gewinne der amerikanischen Währung auf den Weltmärkten. Zur Stabilisierung der Situation am mitteleuropäischen Finanzmarkt habe hingegen ganz wesentlich das in die neue polnische Regierung gesetzte Vertrauen beigetragen, hieß es.

Infineon: Lösung für verbliebene Teile des Glasfaser-Geschäfts in Trutnov

Infineon hat eine Lösung für sein verbliebenes Glasfasergeschäft gefunden. Die Fertigung im tschechischen Trutnov / Trautenau gehe zum 1. Juli 2006 an den Automobilzulieferer Siemens VDO, teilte der Halbleiterhersteller am Montag in München mit. Die Produktion so genannter PAROLI-Produkte (parallele optische Komponenten, die in Glasfasernetzen für die Telekommunikation eingesetzt werden) werde eingestellt. Die Restrukturierung des Glasfasergeschäfts werde damit abgeschlossen. Siemens VDO beabsichtige, das benötigte Personal vornehmlich aus der derzeitigen Belegschaft von Infineon zu rekrutieren, hieß es. Derzeit beschäftigt Infineon etwa 500 Menschen in Trutnov.

Tschechien: Anzahl der über 100-Jährigen steigt seit Jahren weiter an

In Tschechien leben gegenwärtig 354 Menschen, die 100 Jahre oder älter sind. Die älteste Bürgerin des Landes ist eine Frau, die in diesem Jahr ihren 108. Geburtstag begangen hat. Unter den über 100-Jährigen sind rund fünfmal soviel Frauen wie Männer. Ihre Zahl hat in den zurückliegenden Jahren weiter zugenommen. Vor fünf Jahren lebten 232 über 100-Jährige in Tschechien, vor zwei Jahren waren es noch 277 Personen. Das gab der Zentraldirektor der Tschechischen Sozialversicherungsverwaltung (CSSZ), Jiri Hoidekr, am Montag in Prag bekannt.

14-11-2005