Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

28-09-2005

Staatsfeiertag: Tschechen gedenken den Heiligen Wenzel

Der 28. September gehört seit fünf Jahren zu den tschechischen Staatsfeiertagen. Die katholische Kirche, zu der sich etwa ein Drittel der Tschechen bekennt, gedenkt dem Märtyrer und Heiligen Wenzel. Der tschechische Fürst wurde im 10. Jahrhundert ermordet. Der Heilige Wenzel wird als der geistige Vater der tschechischen Staatlichkeit betrachtet. Der tschechische Kardinal Miloslav Vlk hielt am Mittwoch vor mehreren Tausend Besuchern eine Pilgermesse in Stara Boleslav bei Prag ab. Gerade dort, vor den Türen der Kirche, solle im Jahr 935 der Fürst Wenzel ermordet worden sein. Zu diesem Anlass wurden auch die Reliquien des Heiligen Wenzel von der Prager Burg nach Stara Boleslav gebracht und dort ausgestellt. Diese Tradition habe eine große Bedeutung nicht nur für die Bewohner der Stadt, sondern auch für alle Gläubigen, sagte der Bürgermeister von Stara Boleslav Daniel Prochazka.

Ministerpräsident Paroubek traf mit britischen Politikern zusammen

Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek hat am Dienstag an der Jahreskonferenz der regierenden Labour-Partei in Großbritannien teilgenommen. In diesem Rahmen traf Paroubek unter anderem mit dem britischen Finanzminister Gordon Brown und Außenminister Jack Straw zusammen. Die Tschechische Republik habe ein großes Interesse daran, dass die Europäische Union ihren Haushalt so früh wie möglich festlege, sagte Paroubek bei den Gesprächen mit den britischen Politikern. Großbritannien hält bis zum Ende des Jahres den Vorsitz in der Europäischen Union.

Besuch von Bundeskanzler Schröder in Prag geplant

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder wird am Freitag in Prag seinen tschechischen Amtskollegen Jiri Paroubek treffen. Das gab ein Sprecher der deutschen Regierung bekannt. Auf dem Programm stehen bilaterale Beziehungen, europäische sowie internationale Themen, hieß es aus dem Kanzleramt. Jiri Paroubek lud Schröder zu diesem Kurzbesuch ein, Schröder könne dies mit seiner Teilnahme bei einem Wahlmeeting in Dresden verbinden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass ein wichtiges Thema der Unterredung die politische Lage in beiden Ländern sein wird, schrieb die tschechische Nachrichtenagentur CTK. Bundeskanzler Schröder sei ein politisches Vorbild von Jiri Paroubek, schrieben die tschechischen Medien in letzten Wochen.

Strafanzeige gegen KDU-CSL-Chef wegen Beleidigung der Kommunisten

Der stellvertretende Vorsitzende der Kommunisten Vojtech Filip hat am Dienstag Strafanzeige gegen den christdemokratischen Parteichef Miroslav Kalousek gestellt. Kalousek soll bei einer Pressekonferenz die Kommunistische Partei als eine verbrecherische Organisation bezeichnet haben, meldete das Tschechische Fernsehen. Kalousek bestehe auf seiner Äußerung und fügte hinzu: Endlich werde das Verbrechen der Kommunisten zum Gegenstand von Gerichtsverfahren, auch wenn sie paradoxerweise nicht auf der Anklagebank sitzen würden. Kalousek plant danach, selbst eine Aufhebung seiner Parlamentarierimmunität zu beantragen, falls es zum Gerichtsverfahren kommen sollte. Vojtech Filip hält die Worte von Kalousek für eine Herabstufung der politischen Kultur und für einen Verstoß gegen die Charta der Grundrechte.

Zwei tschechische Europa-Abgeordnete im Konflikt

Das Prager Stadtgericht wird kommende Woche den Rechtsstreit zwischen den Europa-Abgeordneten und ehemaligen politischen Verbündeten Jana Bobosikova und Vladimir Zelezny verhandeln. Bobosikova habe eine Strafanzeige gegenüber Zelezny erhoben und verlange eine Entschuldigung sowie einen Schadenersatz, gab der Richter Martin Valehrach bekannt. Zelezny habe in den Medien Lügen verbreitet und beleidige sie, so Bobosikova. Der Konflikt zwischen den ehemaligen Kollegen aus dem privaten Fernsehsender NOVA zieht sich bereits seit einem Jahr hin. Beide wurden für die unabhängige Bewegung in das Europäische Parlament gewählt.

Tschechische Fachärzte unterstützen Forderungen der Allgemeinärzte

Die privaten Fachärzte haben sich entschieden, den Streik und die Forderungen der Allgemeinärzte zu unterstützen. Das gab am Mittwoch der stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der Fachärzte Zorjan Jojko bekannt. Die Fachärzte wollen sich danach jedoch nicht an der Schließung der Praxen für einen Tag beteiligen. Beide Berufsgruppen verlangen eine Abberufung der Gesundheitsministerin Milada Emmerova. Die Arbeit der Gesundheitsministerin verschlimmere die Situation im Gesundheitssystem. Die Zahlungen der Krankenkassen verzögerten sich, dies bereite den Ärzten Schwierigkeiten, hieß es.

Supermarktkette Julius Meinl wehrt sich gegen Strafzahlungen

Die Leitung der Supermarktkette Julius Meinl ist nicht mit den veröffentlichen Ergebnissen der Kontrollen der Staatlichen Agrar- und Lebensmittelinspektion einverstanden. Die Inspektion hatte nach ihren Kontrollen der Supermarktkette Strafzahlungen in Höhe von Hunderttausenden von Kronen festgelegt. Bei den Kontrollen wurden teilweise schwere Verstöße gegen hygienische Normen festgestellt. Das Unternehmen Julius Meinl wolle juristische Schritte gegen diese Ergebnisse einleiten, um die Firma zu schützen, gab ihr Sprecher Tomas Fiala bekannt.

Meinungsumfrage: Zwei Drittel der Tschechen gegen Neuwahlen

Die Mehrheit der Tschechen ist gegen Neuwahlen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts STEM zufolge haben sich 68 Prozent der Befragten gegen einen solchen Schritt ausgesprochen. Ein Drittel ist dagegen für vorgezogene Wahlen. Hintergrund ist ein Vorschlag von Ministerpräsident Paroubek, der die Möglichkeit von Neuwahlen am vergangenen Wochenende nach Konflikten in der Regierungskoalition angesprochen hatte. 44 Prozent der Befragten wünschen sich der Umfrage zufolge, dass die regierenden Sozialdemokraten eine neue Regierung stellen, 46 Prozent sprachen sich für die oppositionellen Bürgerdemokraten aus. Die Bürgerdemokraten würden eher von jüngeren Bürgern mit einer höheren Bildung unterstützt, während überwiegend ältere Bevölkerungsgruppen die Sozialdemokraten wählen würden, hieß es weiter.

Meinungsumfrage: Vier Tschechen von zehn für Beteiligung der Kommunisten in der Regierung

Vier Tschechen von zehn sind damit einverstanden, falls sich die Kommunisten an der nächsten Regierung beteiligten. Die Begründung: Die Kommunistische Partei wurde nicht unmittelbar nach dem Fall des Sozialismus verboten, heute müssten die anderen Parteien sie also als eine politische Kraft respektieren. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes STEM.

OECD: Tschechen arbeiten um 543 Stunden pro Jahr mehr als Deutsche

Ein Tscheche arbeitet durchschnittlich 1.986 Stunden pro Jahr, ein Deutscher dagegen 1.443 und ein Österreicher 1.550 Stunden. Das ergab eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Mehr Arbeitsstunden als in Tschechien verzeichnet nur noch Südkorea mit durchschnittlichen 2.423 Stunden pro Jahr. Der Hauptgrund der hohen Arbeitsstundenzahlen seien die tschechischen Gesetze, die keine verkürzte Arbeitsbeschäftigung unterstützen, sagte der Analytiker der Handelsbank Petr Dufek. Des Weiteren haben Tschechen weniger Feiertage sowie einen kürzeren Urlaub, fügte der Analyst der HVB Bank Pavel Sobisek hinzu.

28-09-2005