Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

04-04-2005

Tschechisches Kabinett vor ungewisser Zukunft

Das Kabinett des sozialdemokratischen Premierministers Stanislav Gross hat auch nach dem überstandenen Misstrauensvotum vom Freitag eine ungewisse Zukunft. Die drei christdemokratischen Minister, unter ihnen Außenminister Cyril Svoboda, hatten die Regierung als erste verlassen, der liberale Informatikminister Vladimír Mlynár hat ebenfalls bereits seine Demission eingereicht. Der Verbleib der anderen beiden liberalen Minister sowie einiger parteiloser und auch sozialdemokratischer Kabinettsmitglieder ist derzeit jedoch unsicher. Die sozialdemokratische Schulministerin Petra Buzková etwa hat angekündigt, nur vorläufig im Kabinett zu bleiben. Sie werde zurücktreten, falls sich eine Minderheitsregierung ihrer Partei ausschließlich auf die Duldung durch die Kommunisten stützen würde, sagte Buzková. Andere Minister wollen abwarten, bis Premier Gross im Parlament die Vertrauensfrage für sein künftiges Kabinett stellt, oder befürworten einen Rücktritt der Regierung als Ganzes. Die Kommunisten hatten am Freitag beim Misstrauensvotum im Abgeordnetenhaus den Saal verlassen und die Regierung dadurch vorläufig am Leben erhalten.

Rücktrittsgesuche aus dem Kabinett: Klaus wartet ab

Präsident Václav Klaus hat bisher noch keinen Minister-Rücktritt aus dem Kabinett Gross angenommen. Er wolle zunächst abwarten, ob noch weitere Minister ihre Demission einreichen würden, sagte Klaus. Gleichzeitig forderte der Präsident eine rasche Lösung der derzeitigen Krise. Jede weitere Verzögerung sei "absolut unmöglich", so das tschechische Staatsoberhaupt. Die Krise wurde ausgelöst, als die Christdemokraten den Rücktritt von Premier Gross gefordert hatten, dem sie undurchsichtige Privatgeschäfte vorwerfen.

Tschechische Katholiken trauern um den Papst

Auch tschechische Katholiken trauern um den am Samstag verstorbenen Papst Johannes Paul II. Landesweit werden für ihn Totenmessen zelebriert, als Zeichen der Trauer hängen vor den Kirchen schwarze Flaggen. Der Prager Erzbischof, Kardinal Miloslav Vlk, bereitet sich auf seine Reise nach Rom vor, wo er an der Wahl des neuen Papstes teilnehmen wird. Am Begräbnis von Johannes Paul II. werden am Freitag der tschechische Präsident Václav Klaus sowie weitere Politiker und zahlreiche Pilger teilnehmen. Der Sprecher der Tschechischen Bischofskonferenz Daniel Hermann sagte, der bevorstehende Abschied von Papst Johannes Paul II. dürfte das größte Ereignis sein, das Rom als Zentrum des Weltkatholizismus je erlebt hat.

Europäische Kommission: Tschechisches Wirtschaftswachstum auch 2006 stabil

Das Wirtschaftswachstum der Tschechischen Republik dürfte 2006 - ebenso wie dieses Jahr - etwa 4,2 Prozent betragen. Das geht aus einer Prognose der Europäischen Kommission hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Arbeitslosigkeit in Tschechien, die derzeit nach der Messmethode der EU 8,3 Prozent beträgt, wird voraussichtlich leicht zurückgehen, die Experten der Kommission erwarten für 2006 einen Wert von 8,2 Prozent. Die Inflationsrate dürfte allerdings von derzeit 1,9 auf etwa 2,6 Prozent steigen. Das erwartete Wirtschaftswachstum geht vor allem auf den vermehrten Zustrom von ausländischen Investitionen zurück.

Sieben Prozent mehr Lohn bei tschechischer VW-Tochter Skoda

Im Ringen um einen neuen Tarifvertrag bei der tschechischen VW-Tochter Skoda haben Gewerkschaften und Arbeitgeber eine Einigung erzielt. Beide Seiten hätten sich auf eine Lohnerhöhung von sieben Prozent verständigt, meldete die Nachrichtenagentur CTK. Die Geschäftsführung hatte zunächst etwa drei Prozent geboten, während die Gewerkschaften zehn Prozent forderten. In der vergangenen Woche war es bei Skoda erstmals zu Warnstreiks gekommen. Die Einigung müsse noch vertraglich festgehalten werden, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Montag.

Innenminister Bublan weist Vorwürfe wegen Neonazi-Treffens zurück

Eine Woche nach einem internationalen Skinhead-Treffen an der böhmisch-sächsischen Grenze hat der tschechische Innenminister Frantisek Bublan Kritik an der Polizei zurückgewiesen. Es habe für die Behörden in Prag "keinen Grund gegeben", die als Geburtstagsfest deklarierte Zusammenkunft von rund 400 Neonazis unter anderem aus Deutschland aufzulösen, sagte Bublan am Montag. Der Polizei seien keine Hinweise vorgelegen, dass bei der als Privatfeier angemeldeten Veranstaltung in Jablonne v Podjestedi das Gesetz verletzt werden könnte, so Bublan. Unabhängige Organisationen hatten den tschechischen Behörden hingegen "Untätigkeit" vorgeworfen.

Marktrazzia im Grenzgebiet: Zöllner finden gefälschte Ware und eingeschlossene Deutsche

Zollbeamte haben am Wochenende in der westböhmischen Stadt Cheb (Eger) nahe dem tschechisch-deutschen Grenzübergang eine Razzia auf einem Marktplatz durchgeführt. Dabei wurde ein geheimes unterirdisches Lager mit einer Werkstatt zur illegalen Herstellung von Zigaretten entdeckt. In dem Versteck sowie an mehreren Marktständen fanden die Zöllner Tabakwaren, illegal gebrannte CDs und DVDs sowie gefälschte Markentextilien im Gesamtwert von etwa 500.000 Kronen, das sind knapp 17.000 Euro. Im Zuge der Razzia wurden auch deutsche Touristen entdeckt, die im Inneren eines Verkaufsstandes eingeschlossen waren. Die Betreiber hatten sich offenbar mit ihren Kunden in dem Stand eingesperrt und waren anschließend durch ein Gitter in der Decke geflüchtet.

Grafikerin Helena Zmatlíková gestorben

Die tschechische Grafikerin Helena Zmatlíková ist am Montag im Alter von 81 Jahren in Prag gestorben. Die international bekannte Künstlerin war für ihre Illustrationen in mehr als 200 Kinderbüchern auch in Deutschland mehrfach ausgezeichnet worden. Zu ihren bekanntesten Werken gehört "Kater Schnurr mit den blauen Augen". Die im November 1923 geborene Pragerin hatte mit ihrem konturstarken und farbenfrohen Stil zahlreiche tschechische Zeichner beeinflusst.

Wetter

Am Dienstag ist es in Tschechien zunächst wieder überall heiter, im Laufe des Tages nimmt die Bewölkung aber von Westen her zu, in den Abendstunden könnte es im Nordwesten des Landes auch einige Niederschläge geben. Es bleibt frühlingshaft warm, Tageshöchsttemperaturen: 16 bis 20 Grad.

04-04-2005