Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

17-02-2005

Krise Prager Regierungskoalition spitzt sich zu - CSSD steht hinter Gross

In der sich zuspitzenden Krise der tschechischen Regierungskoalition ist der amtierende Ministerpräsident Stanislav Gross am Donnerstag in die Offensive gegangen. Nur einige Stunden später, nachdem die Abgeordneten der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei (CSSD) ihrem Parteivorsitzenden einstimmig das Vertrauen ausgesprochen hatten, stellte Gross das Ultimatum, innerhalb von 24 Stunden erfahren zu wollen, ob er dieses Vertrauen auch bei den drei christdemokratischen Ministern seines Kabinetts habe. Der Vorsitzende der Christdemokratischen Volkspartei (KDU-CSL), Miroslav Kalousek, hatte nämlich tags zuvor verkündet, seine Partei sei offen für eine Änderung an der Regierungsspitze. Beobachter interpretieren dies als indirekte Rücktrittsaufforderung an Premierminister Gross. Die Kritik an Gross richtet sich in erster Linie gegen die undurchsichtige Finanzierung seiner Wohnung und die bisherige unternehmerische Tätigkeit seiner Frau. Die sozialdemokratischen Abgeordneten waren auf ihrer Fraktionssitzung am Donnerstag zu der Einschätzung gelangt, dass das Verhalten von Kalousek die Regierungskoalition gefährde und die weitere Zusammenarbeit beeinträchtige, ja sogar in Frage stelle. "Mit diesem Verhalten ist die Glaubwürdigkeit der KDU-CSL als Koalitionspartner ernsthaft beschädigt worden", sagte der CSSD-Fraktionsvorsitzende Michal Kraus nach der Sitzung vor Journalisten. Präsident Vaclav Klaus warnte unterdessen am Donnerstag vor einem Koalitionsbruch. Er werde keine Minderheitsregierung ernennen, deren Unterstützung im Parlament unsicher sei, sagte Klaus.

ODS unzufrieden mit Aussagen von Gross - Senat gegen Gesetzesnovelle

Der oppositionellen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) zufolge habe Regierungschef Stanislav Gross bisher noch keine zufrieden stellenden Antworten zur Herkunft des Geldes für den Erwerb seiner Prager Luxuswohnung und zu den Begleitumständen der Kreditbewilligung für die unternehmerische Tätigkeit seiner Frau Sarka gegeben. Diesbezüglich seien auch am Donnerstag nach der parlamentarischen Anfrage an den Premier im Prager Abgeordnetenhaus noch mehrere Fragen offen geblieben, erklärte der ODS-Vizevorsitzende Petr Necas vor Journalisten. Die obere Kammer des Parlaments, der Senat, hat wiederum angekündigt, im Fall der strittigen Novelle des Gesetzes über Interessenkonflikte vor das Verfassungsgericht zu ziehen, wenn diese Novelle erneut vom Abgeordnetenhaus verabschiedet und von Regierungschef Gross unterzeichnet werde.

Tschechien wird Mitte März 40 Elitesoldaten nach Afghanistan entsenden

Mitte März wird die Tschechische Republik eine neue, 40 Mann starke Einheit nach Afghanistan entsenden, die unter dem Oberbefehl der Deutschen Bundeswehr in der Region Badakschan im Norden des Landes zum Einsatz kommen wird. Diese Einheit wird zum Großteil von Aufklärern des 102. Bataillons aus Prostejov gebildet. Sie soll in der besagten Region vor allem Aufgaben zur Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung und zum Schutz der internationalen Verbände übernehmen, sagte der Sprecher des tschechischen Verteidigungsministeriums Andrej Cirtek am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Zurzeit hat Tschechien 15 Soldaten in Afghanistan abgestellt. Sie arbeiten im Rahmen der ISAF-Mission in Kabul.

Tschechische Währung hat gegenüber Euro und Dollar wieder zugelegt

Die tschechische Währung wurde zum Geschäftsschluss am Donnerstag gegenüber der europäischen Währung mit einem Kurs von 29,96 Kronen für einen Euro gehandelt. Damit hatte sie im Vergleich zum Mittwoch um elf Heller zugelegt. Auch zur amerikanischen Währung konnte sie einen Anstieg verzeichnen und wurde zum gleichen Zeitpunkt mit einem Wechselkurs von 22,96 Kronen je US-Dollar notiert. Bis zur völligen Beruhigung der "Gross-Affäre" rechnen die Finanzexperten damit, dass sich der Kurs der tschechischen Währung in einem Band von 30 bis 30,20 Kronen je Euro bewegen werde.

Skisport-WM: Katerina Neumannova gewinnt Gold über 10 km der Damen

Die tschechische Skilangläuferin Katerina Neumannova hat am Donnerstag ihren ersten Weltmeistertitel gewonnen. Zum Auftakt der Wettkämpfe bei der WM im Nordischen Skisport in Oberstdorf verwies sie in dem in der freien Technik gelaufenen 10-km-Rennen der Damen die Russin Tschepalowa und die Norwegerin Björgen auf die weiteren Medaillenplätze. "Das ist der zweite Sieg in meinem Leben. Der erste war meine Tochter", jubelte die 32-jährige Neumannova im Ziel, nachdem feststand, dass sie die zweitplazierte Tschepalowa um ganze 1,2 Sekunden distanziert hatte. Ausgelassene Freude herrschte zur gleichen Zeit auch in ihrer Geburtsstadt Pisek und im Wintersportort Zadov im Böhmerwald, in dem die neue Weltmeisterin hauptsächlich trainiert.

Korruptionsskandal im tschechischen Fußball weitet sich aus

Im größten Korruptionsskandal des tschechischen Clubfußballs ist mit dem FC Slovan Liberec der fünfte Verein bestraft worden. Dem derzeitigen Tabellen-Dritten der höchsten Spielklasse würden nach der laufenden Saison sechs Punkte abgezogen, entschied der Böhmisch-Mährische Fußballverband (CMFS) am Donnerstag in Prag. Zusätzlich müsse der Verein aus der Jeschkenstadt 500.000 Kronen (ca. 16.700 Euro) Bußgeld zahlen. Die tschechische Polizei hatte auf Grund abgehörter Telefongespräche herausgefunden, dass ein Funktionär des Clubs mindestens einen Schiedsrichter bestochen hatte. Neben Liberec wurden noch dem FC Slovacko und dem SFC Opava in der Gambrinus-Liga sowie dem FK Viktoria Zizkov und dem FC Vitkovice in der zweitklassigen 1. Liga Punkte abgezogen. Zudem wurden 13 Schiedsrichter und mehrere Funktionäre mit Geldstrafen belegt. Anders als in der Korruptionsaffäre in Deutschland spielen jedoch Sportwetten nicht die Hauptrolle: Vier der fünf bestraften Clubs wollten mit Bestechung ihre Position in der Tabelle verbessern. Aufgedeckt worden war das weit verzweigte Korruptionsnetz im Mai 2004 auf Grund von durch die Polizei abgehörten Telefongesprächen.

Ivan Fila soll nun Brauner-Projekt "Der letzte Zug" verfilmen

Nach dem Absprung von Armin Müller-Stahl und Rolf Schübel soll nun der in Prag geborene Filmemacher Ivan Fila ("Lea") die Regie bei "Der letzte Zug" übernehmen, dem geplanten Kriegsdrama der deutschen Produzenten-Legende Artur Brauner. "Die Dreharbeiten sollen im Mai beginnen, finden möglicherweise in Tschechien statt und sind auf zwei Monate angelegt", bestätigte Fila am Donnerstag der Deutschen Presseagentur (dpa) in Prag. "Der letzte Zug" beschreibt den letzten Transport von Berliner Juden in die Vernichtungslager im Osten. Eine der Hauptrollen spielt Sibel Kekilli ("Gegen die Wand").

Heftige Schneefälle - Zahl der Verkehrsunfälle dramatisch gestiegen

Aufgrund der heftigen Schneefälle stieg am Mittwoch in Tschechien die Zahl der Verkehrsunfälle dramatisch an. Die Behörden registrierten 1046 Unfälle, das sind laut Auskunft der Verkehrsinformationszentrale etwa ein Drittel mehr als an einem normalen verkehrsreichen Tag. 70 Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Zwei Menschen kamen am Mittwoch auf den tschechischen Straßen ums Leben. Die Wetterlage hatte auch den Betrieb des internationalen Flughafens Prag-Ruzyne erschwert. Die Start- und Landebahnen blieben von fünf Uhr morgens bis etwa 15:30 Uhr geschlossen.

Wetter

Die weiteren Wetteraussichten: In Tschechien bleibt es auch am Freitag überwiegend bedeckt, immer wieder muss mit Schneefällen gerechnet werden. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen -3 und +1 Grad Celsius.

17-02-2005