Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

12-01-2005

Tschechische EU-Parlamentarier lehnten Verfassungsvertrag mehrheitlich ab

Die tschechischen Europaabgeordneten sind - prozentuell gesehen - die schärfsten Gegner des Europäischen Verfassungsvertrages. Bei der Abstimmung in Strassburg haben am Mittwoch 15 der insgesamt 24 tschechischen EU-Parlamentarier die Verfassung abgelehnt, nur sieben haben sich für ihre Annahme ausgesprochen. Zwei haben laut offiziellem Protokoll nicht an der Abstimmung teilgenommen. Das Stimmverhalten der tschechischen Europaparlamentarier war im Wesentlichen ein Abbild der politischen Stimmung in Prag: Vertreter der sozialliberalen Regierungskoalition sind für die EU-Verfassung, die Opposition aus konservativen Bürgerdemokraten und Kommunisten ist dagegen. Bei den Europawahlen im Vorjahr waren gerade die Oppositionsparteien am erfolgreichsten gewesen. Insgesamt haben sich am Mittwoch in Strassburg 500 EU-Abgeordnete für die Verfassung ausgesprochen, lediglich 137 lehnten sie ab. Nun steht noch der Ratifizierungsprozess in den einzelnen Mitgliedstaaten bevor.

Flutkatastrophe: Zahl der vermissten Tschechen auf 11 gesunken

Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in Südostasien ist die Zahl der vermissten Tschechen auf 11 gesunken. Ein Urlauber, der bislang in Thailand als vermisst gemeldet war, ist nach neuen Informationen am Leben. Bei sieben Tschechen, von denen es derzeit noch keine Nachricht gibt, besteht nur noch geringe Hoffnung, dass sie die Flutwelle überlebt haben. Es handelt sich dabei um jene Personen, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in unmittelbarer Nähe der am schwersten betroffenen Küstenabschnitte aufgehalten hatten. Die Hilfsbereitschaft der Tschechinnen und Tschechen für die Flutopfer hält indes unvermindert an. Mehr als 215 Millionen Kronen, das sind etwa sieben Millionen Euro, gingen bereits auf den Konten zahlreicher Hilfsorganisationen ein.

Armeereform, 60 Jahre Kriegsende: Verteidigungsminister Kühnl traf Präsident Klaus

Der tschechische Verteidigungsminister Karel Kühnl ist am Mittwoch auf der Prager Burg mit Präsident Václav Klaus zusammengetroffen. Inhalt der Gespräche waren die kürzlich vollzogene Umwandlung des tschechischen Heeres in eine Berufsarmee, die Auslandsmissionen tschechischer Einheiten sowie die bevorstehenden Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes. Bezüglich der Abschaffung der Wehrpflicht meinte Kühnl, die tschechische Armee könne auch als Berufsheer ihre drei Hauptaufgaben uneingeschränkt wahrnehmen. Diese seien die territoriale Verteidigung des Landes in Zusammenarbeit mit den Verbündeten, die Teilnahme an Auslandsmissionen sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitskräften im Katastrophenfall. Das Treffen mit Klaus sei routinemäßig verlaufen, sagte Kühnl. Klaus ist als Präsident auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Regierung beschließt Naturschutzgebiet Böhmischer Wald

Die tschechische Regierung hat am Mittwoch auf ihrer Sitzung die Errichtung des Naturschutzgebietes Ceský les (Böhmischer Wald) beschlossen. Offiziell soll dieses ab 1. August dieses Jahres bestehen. Zuvor muss allerdings noch eine Novelle des Naturschutzgesetzes verabschiedet werden, das die Verwaltung des Gebietes regelt. Das Naturschutzgebiet Ceský les (Böhmischer Wald) entsteht entlang der Grenze zwischen Westböhmen und der Oberpfalz.

Eigentumsrückerstattung für tschechische Kirchen: Regierungsverhandlungen neuerlich unterbrochen

Das tschechische Kabinett hat am Mittwoch erneut die Entscheidung über die Form der Eigentumsrückerstattung an die hiesigen Kirchen aufgeschoben. Die Kirchen warten seit dem Fall des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 auf die gesetzliche Regelung immer noch ungeklärter Vermögensfragen. Der Vorschlag des Kulturministeriums sieht Gesetzesentwürfe für jeweils konkrete Objekte vor, die zurückerstattet werden sollen. Die katholische Kirche hingegen bevorzugt ein allgemeineres Restitutionsgesetz. Das Kabinett konnte sich in dieser Sache nun abermals nicht auf einen gemeinsamen Regierungsvorschlag einigen, die Verhandlungen wurden, wie bereits zweimal zuvor, ohne Ergebnis unterbrochen.

Deutsche Versicherungen schließen Verträge mit tschechischen Kurbädern

Bereits mehrere deutsche Versicherungsanstalten wollen in diesem Jahr ihre Klienten in tschechische Kurbäder entsenden. Darüber berichtete am Mittwoch die Tageszeitung Pravo. Ihr zufolge hätten u.a. bereits die Hanseatische Ersatzkasse, die DAK und die Techniker Krankenkasse dieses Vorhaben angekündigt. Mit einem massiven Zustrom deutscher Patienten sei jedoch nicht zu rechnen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Vladimír Zapletal, den Chef der Abteilung Kurwesen beim Landkreis Karlovy Vary (Karlsbad).

Milos Forman will erstmals am Prager Nationaltheater inszenieren

Der tschechische Regisseur Milos Forman hat erstmals einen Regie-Auftrag des Prager Nationaltheaters angenommen. Der 72-Jährige Oscar-Preisträger werde in der Saison 2006/2007 an dem Stück "Gut bezahlte Spaziergänge" der tschechischen Autoren Jirí Suchý und Jirí Slitr arbeiten, teilte die Theaterleitung am Mittwoch mit. Ursprünglich habe der in den USA lebende Regisseur bereits in diesem Jahr damit beginnen wollen, hieß es. Forman benötige jedoch mehr Zeit als ursprünglich geplant, um unter anderem mit Klaus Maria Brandauer den Film "Die Glut" nach dem gleichnamigen Roman von Sandor Marai zu drehen.

Wetter

Am Donnerstag ist es in Tschechien bewölkt bis bedeckt, vereinzelt gibt es Niederschläge, die Schneefallgrenze sinkt auf etwa 600 Meter. Tageshöchsttemperaturen: 2 bis 6 Grad.

12-01-2005