Täglicher Nachrichtenüberblick Nachrichten

10-12-2003

Spidla vor EU-Gipfel: Tschechien geht flexibel in die Verhandlungen

Premierminister Vladimir Spidla hat am Mittwoch vor Journalisten betont, Tschechien gehe flexibel in die Verhandlungen auf dem bevorstehenden EU-Gipfel in Brüssel, wo am Wochenende Vertreter aller 25 bisherigen und künftigen EU-Staaten über den Beschluss einer gemeinsamen europäischen Verfassung beraten wollen. Die Hauptinteressen Tschechiens, wie etwa die Nominierung eines Kommissars durch jedes EU-Land oder die Stärkung der Position kleinerer Staaten für EU-Ratsbeschlüsse, sind seit längerem bekannt. Spidla zufolge sei jedoch ein Erfolg des Gipfels die grundsätzliche Priorität. Eine weitere Integration Europas sei auch im Interesse Tschechiens. Gleichzeitig warnte der Premierminister vor der Herausbildung eines neuen selbsternannten Kerneuropas, sollte der Gipfel scheitern. Spidla hat in Brüssel bereits am Mittwoch Gespräche mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi geführt, das Gipfeltreffen der 25 Staats- und Regierungschefs beginnt am Freitag.

Jiri Grusa: Europa braucht "Denkmal des Vergessens"

Der vor zwei Wochen zum Vorsitzenden des internationalen PEN-Clubs gewählte tschechische Literat Jiri Grusa hat sich in einem Interview für die Mittwochausgabe der deutschen Tageszeitung Die Welt gegen ein fortwährendes Aufrechnen von Opfern aus der Vergangenheit ausgesprochen, und dies nicht nur in den tschechisch-deutschen Beziehungen. Was man in Europa wirklich brauche, sei ein "Denkmal des Vergessens", so Grusa, der momentane tschechische Botschafter in Österreich und ehemalige Botschafter in Deutschland. Die Kunst des Vergessens sei das Geheimnis des weiteren Fortschritts in Europa. Hingegen würde der Weg, sich selbst in die Opferrolle zu begeben, niemanden irgendwohin führen, meinte der Diplomat und Schriftsteller.

Senat will keine gesetzliche Definition von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Der Senat, die obere tschechische Parlamentskammer, hat am Mittwoch eine Neufassung des Arbeitsgesetzes an das Abgeordnetenhaus zurückverwiesen, das unter anderem die Abschaffung sogenannter Kettendienstverträge zum Inhalt hatte. Hauptkritikpunkt der Senatoren waren dabei jedoch konkrete Definitionen dessen, was alles als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder als indirekte Diskriminierung gewertet werden kann. Das Gesetz muss nun vom Abgeordnetenhaus neu behandelt werden.

Dolly Buster will für Europaparlament kandidieren

Dolly Buster, in Deutschland lebender Ex-Porno-Star aus Prag, will bei den Wahlen zum Europaparlament im kommenden Jahr für die tschechische Partei Unabhängige Initiative kandidieren. Die 34-Jährige habe ein Angebot der politisch wenig bedeutenden Gruppierung angenommen, berichteten Prager Medien am Mittwoch. Zu politischen Inhalten will sich die als Katja Nora Bochnickova in Böhmen geborene Darstellerin erst Ende Januar äußern. Die Partei wurde 1990 in der Tschechoslowakei gegründet und hat bei Wahlen bisher kaum zählbare Erfolge erzielt.

Abgeordneter Tlusty verliert Rechtsstreit mit Eurotel

Der Chef des Abgeordnetenclubs der Demokratischen Bürgerpartei ODS, Vlastimil Tlusty, hat am Mittwoch in erster Instanz einen Rechtsstreit mit dem Mobilfunkbetreiber Eurotel verloren. Tlusty hatte gegen Eurotel Klage erhoben, da er sich durch einen nicht bestellten Dienst belästigt gefühlt hatte. So habe er vor einigen Monaten eine Nachricht auf seiner Mobilbox vorgefunden, deren Inhalt ein von ihm selbst in seinem Büro geführtes Gespräch gewesen war. Daraufhin hatte Tlusty den Verdacht einer illegalen Abhörmaßnahme geäußert. Laut einem Sprecher von Eurotel aber handelt es sich dabei um eine gängige Vorgangsweise, die jeden Kunden informiert, falls eine von ihm hinterlassene Sprachmeldung vom Adressaten innerhalb eines gewissen Zeitraums nicht abgehört wurde. Die Tlusty zugestellte Nachricht sei daher offenbar nichts anderes als eine von ihm selbst unabsichtlich hinterlassene Meldung gewesen.

Yoko Ono eröffnet Ausstellung in Prag

Die Künstlerin und Friedensaktivistin Yoko Ono hat am Mittwochabend in Prag eine Ausstellung ihrer Werke eröffnet. Die Wanderausstellung mit dem Namen "Women's Room", die im Museum Kampa zu sehen ist, ist die erste selbstständige Präsentation ihrer Arbeiten in der tschechischen Hauptstadt. Allerdings waren bereits vor vier Jahren einige von Onos Werken als Teil eines Gemeinschaftsprojekts mehrerer Künstler in der Prager Galerie Rudolfinum ausgestellt. Das Projekt "Women's Room" thematisiert nach Aussage der Künstlerin die Stellung der Frau in der Gesellschaft.

Wetter

Zum Abschluss die Wetteraussichten: Am Donnerstag ist es vor allem im Osten des Landes teilweise bewölkt, sonst wird es wieder überwiegend heiter sein, nur stellenweise ist es nebelig. Die Tageshöchstwerte bleiben mit 0 bis 4 Grad voraussichtlich unverändert.

10-12-2003