Kunstverein "Pro Arte Vivendi" stellt Ludmila Seefried-Matejkova in Pilsen vor

Den deutsch-tschechischen Kulturaustausch zu fördern, ist das Hauptziel des internationalen Kunstvereins "Pro Arte Vivendi". Der Kunstverein initiierte u. a. die Ausstellung von Skulpturen und Zeichnungen von Ludmila Seefried-Matejkova, die in diesen Tagen im Diözesan-Museum in Plzen/Pilsen zu sehen ist. Mehr über die Ausstellung sowie die Tätigkeit des Kunstvereins erfahren Sie von Martina Schneibergova in der heutigen Ausgabe der Sendereihe "Begegnungen".

 Ludmila Seefried-Matejkova (Foto: Autorin) Ludmila Seefried-Matejkova (Foto: Autorin) "Lebende Bildhauerei" heißt die Ausstellung, die einen Ausschnitt aus dem Schaffen der Bildhauerin Ludmila Seefried-Matejkova bietet. Die aus Böhmen stammende Künstlerin lebt in Berlin. Ihre Werke konnten die Kunstliebhaber nicht nur bei Ausstellungen in Deutschland und Tschechien, sondern auch in Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Italien bewundern. Nach der Vernissage der Ausstellung in Pilsen fragte ich die Künstlerin nach einem ihrer Lieblingsmotive - dem Hiob aus dem Alten Testament:

"Hiob ist eines der Motive, die ich immer wieder bearbeite, weil ich glaube, dass der Hiob vom Alten Testament eine Gestalt ist, die fast in jedem Menschen drin ist. Denn ich suche immer danach, was in dem Menschen ist, und das versuche ich immer, zum Ausdruck zu bringen. Im Hiob ist immer das sich Fragen: Warum ich? Warum passieren diese schlimmen Sachen mir? Denn jeder Mensch möchte glücklich sein, und wenn er gerecht lebt, und dann etwas kommt, fragt er wie Hiob im Alten Testament: Warum bin ich bestraft?"

Gibt es bei Ihnen auch andere Motive, die sich wiederholen?

Foto: AutorinFoto: Autorin"Oft wiederholt sich bei mir Franz Kafka, weil er mein Lieblingsschriftsteller ist und weil ich in seinen Werken zeitlose Metaphern finde. Außerdem finde ich sein Gesicht phantastisch und interessant. Sein ganzes Werk motiviert mich immer wieder, ihn zu porträtieren. Sonst ist es meistens die sog. ´Fast-Porträts´. Das sind Menschen, denen ich auf der Straße, in der U-Bahn oder in einer Ausstellung begegne, dann gefällt mir ihr Gesicht und ich versuche, meinen Eindruck von diesem Gesicht zu bearbeiten. Dann komme ich ins Atelier und muss es gleich machen, um es nicht zu vergessen. Dann sind es die kritischen Sachen, die auch in dieser Ausstellung vertreten sind. Die kritischen Sachen betreffen die Gewalt, die Einsamkeit, weil die Welt immer rauer wird. Diese Gewalt, die sich breit macht, ist insbesondere in einer Großstadt spürbar. Darum ist es für mich auch ein Thema, denn ich möchte meine humane Einstellung, mein Mitleid mit denjenigen zum Ausdruck bringen, die benachteiligt sind, die schlecht daran sind. Darum auch die ´Bettlerin` und ähnliche Themen. Und ein Kontrastprogramm stellen diese Gesichter, die Badenden, die Tänzerin - diese fröhlichen Sachen im Leben dar. Ich mag auch Theater, also die schönen Sachen sind hier auch enthalten, weil es sonst alles allzu traurig wäre."

Bischof von Pilsen, Frantisek Radkovsky (Foto: Autorin)Bischof von Pilsen, Frantisek Radkovsky (Foto: Autorin) Wenn Sie auf der Straße gehen oder in der U-Bahn bzw. in einem Geschäft sind und sehr interessante Gesichter sehen, wie behalten sie diese im Kopf? Zeichnen Sie sie bzw. notieren Sie sich etwas?

"Ich mache das sehr oft. In der U-Bahn habe ich immer kleine Zeichnung gemacht - hauptsächlich von Figuren. In Berlin habe ich eine ganze Reihe von Figuren - Sitzende in der U-Bahn - gemacht. Dazu habe ich immer kleine Skizzen gezeichnet, aber mehr von der Bewegung, denn die Gesichter merke ich mir. Ich beobachte die Menschen immer und dann konzentriere ich mich auf die Beziehung zwischen den Augen, darauf, wie die Nase lang ist, wo die Ohren sitzen usw. und dann vor allem auf die Haltung und den Ausdruck. Darum ´Fast-Bildnisse´ oder ´Fast-Porträts´, weil es einfach nur mein Eindruck ist, den ich von dem Gesicht, dem ich begegnete, habe."

An der Vernissage im Diözesan-Museum nahm auch der Bischof von Pilsen, Frantisek Radkovsky teil. Seinen Worten zufolge sprechen die Werke von Ludmila Seefried-Matejkova ein breites Publikum an:

"Ihre Kunst ist so lebendig, dass alle diese Gesichter und Gesten sprechen und sie bringen das zum Ausdruck, was in der Seele versteckt ist. Das ist wirklich phantastisch. Man kann sagen, dass die Künstlerin eine sehr sensible Beobachterin der Menschenseele ist und deshalb ist sie fähig, die Seele in der Materie zum Ausdruck bringen. Das ist eben die Aufgabe der Kunst."

Die Ausstellung in Pilsen wurde vom Kunstverein "Pro Arte Vivendi" organisiert. Seine Vorsitzende Marie Kurgansky stellte den Verein vor:

Foto: AutorinFoto: Autorin"´Pro Arte Vivendi´ wurde im Oktober 1997 in Berlin gegründet. Im Januar 2000 folgte die Gründung eines Vereins gleichen Namens in Marienbad. Unsere Projekte haben zum Ziel, die interkulturellen deutsch-tschechischen Beziehungen zu fördern. Die in beiden Ländern gezeigten Ausstellungen sollen ein Bild der deutschen und der tschechischen Kunst der Gegenwart vermitteln."

Marie Kurgansky fragte ich nach den weiteren Plänen des Kunstvereins "Pro Arte Vivendi":

"Im Moment konzentrieren wir uns auf die Prag-Tage in Berlin, die im Juni stattfinden werden. Da werden wir eine Fotoausstellung unter dem Titel ´Wie sehe ich diese Stadt´ vorstellen. Die wird vorher aber als so zu sagen Generalprobe hier in Prag vorgestellt, und zwar in der Galerie Podkroví in der Husova-Straße. Dazu möchten wir alle sowohl in Berlin als auch in Prag recht herzlich einladen. Die Ausstellung in Prag wird am 5. Mai eröffnet und in Berlin am 2. Juni - im Rahmen dieser Prag-Tage. Unsere nächsten Veranstaltungen sind im Werden: Da möchten wir eine große Ausstellung zweier bekannter Künstler aus Prag und aus Berlin zeigen, und zwar Ludmila Seefried-Matejkova und Vladimír Suchánek. Suchánek ist ein bekannter Prager Graphiker. In Berlin haben wir noch keine Räumlichkeiten gefunden. In Prag wird sie in der neuen Galerie von SVU Mánes, in der Galerie Diamant stattfinden. Zu dieser Ausstellung werden wir zwei junge Bildhauer aus Prag nach Berlin einladen. Sie werden zwei Wochen lang mit Ludmila Seefried-Matejkova arbeiten, und die Arbeiten werden auch im Rahmen der Ausstellung gezeigt. Umgekehrt kommen zwei Berliner Graphik-Studenten nach Prag und werden mit Vladimír Suchánek zusammenarbeiten. Diese Arbeiten werden auch mit ausgestellt."

Wir funktioniert Ihr Kunstverein?

"Wir sind eigentlich ein Frauenbetrieb. Die Ideen kommen aber auch von anderen Mitgliedern, die sich dann auch an der Realisierung beteiligen. Es macht uns unheimlich Spaß."


Foto: Martina Schneibergova

Mehr zum Thema findet man unter:
www.ludmila-seefried-matejkova.de
www.proartevivendi.de