Buchmesse Prag

16-05-2002

Es gibt verschiedene Bereiche, in denen man einander begegnen kann. Die Welt der Literatur ist ganz bestimmt einer von ihnen. Am Donnerstag vergangener Woche kam in Prag eine kleine Literaturwelt zusammen, falls das Attribut "klein" überhaupt zutrifft, wenn sich irgendwo so wie diesmal auf der 8. Internationalen Buchmesse 485 Aussteller aus 28 Ländern treffen. Es gibt natürlich auch viel größere Buchmessen in der Welt, aber wir wollen heute Rückschau halten auf die "Welt des Buches" - so der offizielle Slogan der Prager Buchmesse. Damit willkommen zu Begegnungen, am Mikrophon ist Jitka Mladkova.

Bücher, Bücher und nochmals Bücher konnte man im Industriepalast auf dem Prager Messegelände sehen. Insofern eine stinknormale Buchmesse, bei der wohl alle Literaturgenres vertreten waren. Nicht selten gab es an den Bücherständen Exemplare zu sehen, die erst kurz zuvor - wie der charakteristische Duft ihrer Druckfarbe verriet - das Licht der Welt erblickt hatten. Wo man auch hinschaute, sah man Menschen, für die die ausgestellten Bücher eine echte Augenweide darstellten, die zum Blättern und Lesen vor Ort einluden. Großes Besucherinteresse galt auch zahlreichen Begleitprogrammen, wobei Präsentationen bzw. Lesungen bekannter oder auch weniger bekannter Schriftsteller einen besonderen Zulauf fanden. Der renommierte und auch in Deutschland durch die Übersetzungen seiner Bücher bekannte Schriftsteller Ivan Klima, der die Bücherregale entlang schlenderte und nach neuen interessanten Buchtiteln Ausschau hielt, sagte mir, er möge die Buchmessen im Prinzip nicht. Und warum?

"Für einen Schriftsteller ist es immer deprimierend, so eine Unmenge von Büchern zu sehen. Bei der Frankfurter Buchmesse sind es gar Hunderttausende, wenn nicht über eine Million Exemplare. Auf der anderen Seite ist es nützlich dies zu sehen. Selbst wenn man dort mit einem eigenen Buch vertreten ist, wird man sich dessen bewusst, dass es nur einer der unzähligen Titel und nichts Außerordentliches ist. Die Prager Buchmesse ist vom Ausmaß her kleiner als die in Frankfurt und daher für mich zu ertragen."

Als die Messe auch für die Öffentlichkeit geöffnet wurde, wimmelte es unter den Besuchern von jungen Menschen, ja sogar Schülern, die in Begleitung ihrer Lehrerinnen in Scharen die Regale durchstöberten. Dieses Bild passte nicht zu der Vorstellung, dass - wie oft prophezeit wird - junge Menschen in Zukunft, wenn das Internet endgültig die Oberhand gewonnen hat, auf die herkömmliche Buchlektüre verzichten werden. Wie sieht es Ivan Klima?:

"Ich sehe es vor allem nicht als ein Problem. Als ein Problem gilt meiner Ansicht nach, ob die Leute überhaupt lesen werden oder nicht. In welcher Form gelesen wird, dass ist schon die Sache der kommenden Generationen. Das Buch ist im Prinzip ein Medium, dass eine Verbindung zwischen dem Autor und dem Leser vermittelt. Wenn sich diese Verbindung auf eine andere Art und Weise realisieren wird, dann soll es auch geschehen."

Pavel Dostal, der tschechische Kulturminister und Schirmherr der Buchmesse, schaute auf dem Messegelände zwar auf einen Sprung vorbei, machte jedoch kein Hehl daraus, dass er derzeit ein ganz anderes Problem hat:

Ich muss sagen, dass ich nie so wenig gelesen habe wie in dieser Zeit im Amt des Kulturministers. Ich kaufe viele Bücher, aber lesen tue ich sie nicht - hoffentlich wenn ich dann in der Rente bin!" Da kann man nur froh sein, dass man nicht in einem Ministerposten sitzt!

Auch die diesjährige Buchmesse in Prag hatte ein zentrales Thema - die Visegrad-Länder. Im Vordergrund standen also die Literatur Tschechiens, Polens, der Slowakei und Ungarns und dementsprechend stark war hier auch ihre Vertretung. Etwas mehr über den Sinn und Zweck ihrer Kontakte sagte mir Albrecht Lemmp, Leiter der Arbeitsgruppe Literatur am Adam-Mickiewicz-Institut Krakau:

Soweit Hanna Kjelberg über den tschechisch-finnischen Literaturaustausch. Als ich sie dann fragte, was in ihrem Land über Tschechien allgemein bekannt ist, sagte sie, es sei nicht die Literatur, sondern - raten Sie Mal selbst, liebe Freunde - na klar, das Eishockey! Und damit sind wir am Ende der heutigen Begegnungen angelangt, ebenso am Ende dieser Sendung. Fürs Zuhören bedankt sich und auf ein neues Treffen mit Ihnen freut sich Jitka Mladkova.

16-05-2002