Tschechisches Zentrum München erinnert an 75jähriges Jubiläum des Münchner Abkommens

Vor 75 Jahren, im September 1938 wurde das Münchener Abkommen unterzeichnet, das die Eingliederung des Sudetenlands ins Deutsche Reich festlegte. Die Hoffnung der Alliierten auf Frieden zerschlug sich jedoch mit der „Zerschlagung der Resttschechei“ ein halbes Jahr später. Ein internationales Symposium in München widmet sich der Bedeutung des Abkommens damals und heute. Begleitend zum Symposium werden zeitgenössische Dokumentarfilme gezeigt. Das Tschechische Zentrum in München erinnert mit mehreren Veranstaltungen an das 75. Jubiläum des Münchner Abkommens. Über ein internationales Symposium und eine Filmreihe, aber auch über das weitere Programm des Tschechischen Zentrums in München hat Radio Prag mit dessen Leiterin, Zuzana Jürgens, gesprochen.

Münchner Abkommen (Foto: Archiv Radio Prag)Münchner Abkommen (Foto: Archiv Radio Prag) Das Tschechische Zentrum in München nimmt nach den Sommerferien wieder das Programm auf. Im Mittelpunkt des Programms im September steht ein historisches Jubiläum, das mit München und mit der tschechischen beziehungsweise tschechoslowakischen Geschichte eng zusammenhängt. Was bereiten Sie vor?

„Am 30. September 1938 wurde das Münchner Abkommen unterschrieben. Das heißt, dass mittlerweile 75 Jahre seit diesem Ereignis vergangen sind. Obwohl der Vertrag ursprünglich als ein Akt des Friedens gedacht war, kann er als der Beginn des Zweiten Weltkriegs angesehen werden. Wir werden in München aus diesem Anlass daran erinnern. Wir veranstalten am 26. September ein Symposium. Es findet in dem Gebäude statt, in dem damals das Abkommen unterschrieben worden war. Heute sitzt dort die Hochschule für Musik und Theater. Zu dem Symposium haben wir Gäste aus Tschechien und Deutschland eingeladen. Der Themenbereich reicht von der Geschichte, es sollen zwei historische Beiträge vorgetragen werden, bis zur heutigen Zeit. Es gibt auch eher politologische Beiträge, die sich der Frage widmen, wie sich dieses Ereignis auf die deutsch-tschechischen Beziehungen nachhaltig ausgewirkt hat. Zum Schluss haben wir eine Diskussion vorbereitet, die ganz aktuell sein soll, und zwar zum Thema ‚Was haben wir heute eigentlich gelernt’. Das bezieht sich auf die Situation von damals, in der mehrere Mächte über eine Nation entschieden haben, ohne dass diese Nation dabei war. Unter den Gästen ist zum Beispiel Bernd Posselt und Michaela Marksová-Tominová.“

Film ‚Die Krise’ (Foto: Archiv der Sommerfilmschule Uherské Hradiště)Film ‚Die Krise’ (Foto: Archiv der Sommerfilmschule Uherské Hradiště) Das ist aber nicht alles zum Thema München 1938...

„Wir haben auch ein kleines Filmprogramm vorbereitet, und zwar im Filmmuseum München. Es geht ab dem 27. September los. Es sind drei Abende mit historischen Filmen, Dokumentarfilmen aus der Tschechoslowakei, aus Deutschland und Großbritannien. Als erster wird der Film ‚Die Krise’ von Alex Hackenschmied gezeigt, mit einer Einführung des Filmhistorikers Pavel Zeman.“

Ist das so gemeint, dass das Symposium eher für Fachleute bestimmt ist, und dieses Filmprogramm für eine breite Öffentlichkeit?

Münchner Abkommen (Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz / Heinrich Hoffmann)Münchner Abkommen (Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz / Heinrich Hoffmann) „Im Gegenteil. Das Symposium ist der breiten Öffentlichkeit geöffnet, genauso wie das Filmprogramm. Natürlich sind es Fachleute, die die Vorträge und die Referate halten werden. Aber die Vorträge sind für ein Publikum angepasst, das nicht wissenschaftlich ist. Denn wir haben festgestellt, dass gerade in Deutschland die Kenntnis über das Münchner Abkommen und darüber, was danach folgte, nicht so groß ist. Wir denken, dass wir da eigentlich eine Wissenslücke füllen. Wir arbeiten mit der Landeszentrale für politische Bildung in München zusammen und hoffen natürlich, dass wir auch Schulen und Lehrer erreichen. Wir haben bereits Einladungen verschickt und ich muss sagen, dass das Echo erstaunlich groß ist. Schon jetzt.“

An das Jubiläum des Münchner Abkommens erinnern ein Symposium und ein Filmprogramm. Sie bereiten in München aber auch eine Ausstellung vor, die einem anderen Geschichtsjubiläum gewidmet ist.

Petruška Šustrová (Foto: Vendula Uhlíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petruška Šustrová (Foto: Vendula Uhlíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Genau, wir fangen nach der Sommerpause richtig historisch an. Allerdings gilt die Ausstellung einer wesentlich jüngeren Geschichte, und zwar der Teilung der Tschechoslowakei im Jahre 1993. Die Ausstellung heißt ‚Zwanzig Jahre auf den tschechischen und slowakischen Plätzen’. Sie hält wichtige Ereignisse in der Geschichte der beiden neuen Republiken fest. Wir machen diese Veranstaltung gemeinsam mit dem slowakischen Generalkonsulat, weil wir das immer noch als einen Teil der gemeinsamen Geschichte betrachten. Weil ich immer wieder festgestellt habe, dass es Leute in Deutschland nicht verstehen, was damals passiert ist und warum sich die Tschechen und die Slowaken getrennt hatten, verbinden wir die Vernissage mit einer Diskussion. Wir haben František Mikloško aus der Slowakei eingeladen, einen ehemaligen Dissidenten und bis vor kurzem auch einen aktiven Politiker, der schon damals mit dabei war. Und für die tschechische Seite kommt ebenso eine ehemalige Dissidentin, die Journalistin Petruška Šustrová. Ich hoffe, dass die beiden ein bisschen erläutern und darüber sprechen können, was seit der Teilung passiert ist und wie sich die gemeinsamen Beziehungen weiter entwickeln.“

Der September gilt vor allem der Geschichte. Was planen Sie für den Oktober?

„Ich würde ganz gerne zwei Veranstaltungen hervorheben, obwohl ich sagen muss, dass auch im Oktober einige historische Vorträge auf das Publikum warten. Ich betrachte es als einen wichtigen Teil unserer Arbeit, diese Zeit noch mal aufzuarbeiten. Das, worüber ich jetzt gerne sprechen möchte, sind zwei Veranstaltungen. Die eine ist in Nürnberg. Dort findet Anfang Oktober ein internationales Filmfestival statt, das den Menschenrechten gewidmet ist. Und dort wird sich das tschechische Festival ‚Jeden svět’ / ‚One world’ präsentieren, das dieses Jahr sein fünfzehntes Jubiläum gefeiert hat. Es ist eine gemeinsame Initiative der Tschechischen Zentren und des Festivals ‚Jeden svět’. Es ist ein sehr wichtiges tschechisches Festival, das auch die Außenpolitik der Tschechischen Republik widerspiegelt, die sich sehr stark für die Menschenrechte einsetzt. Ich bin sehr froh, dass es gerade in Nürnberg gelungen ist, das Festival zu präsentieren, obwohl dort nun kein tschechischer Film gezeigt wird, sondern der britische Film ‚Black out’. Aber die Vertreter des Festivals werden mit dabei sein und erzählen, was sie in Prag machen.

Design-Ausstellung (Foto: Tschechisches Fernsehen)Design-Ausstellung (Foto: Tschechisches Fernsehen) Mit der anderen Veranstaltung geraten wir komplett in die heutige Zeit, es ist die Ausstellung ‚Nové zboží’ / ‚New G(o)ods’. Sie zeigt preisgekrönte Studentenarbeiten aus dem Bereich Design aus dem Jahr 2012. Der Preis wird seit etlichen Jahren in Tschechien vergeben, und die ausgezeichneten Arbeiten wandern dann in Zusammenarbeit mit den Tschechischen Zentren durch die Welt. Es sind hervorragende Arbeiten, die zeigen, welch ein großes Potential Tschechien in seinen jungen Menschen hat. Ich freue mich sehr auf die Ausstellung.“

Wo findet die Ausstellung ‚Nové zboží’ / ‚New G(o)ods’ statt. Im Tschechischen Zentrum oder in einer Galerie?

„Im Tschechischen Zentrum ab dem 21. Oktober. Ich bin sehr froh, dass es gerade bei uns im Zentrum ist, denn wir präsentieren solche Sachen sehr gerne.“