Starke Frauen und Spitzendesign aus Brüssel

14-06-2019

Kurz vor der Sommerpause liegt der Fokus des Tschechischen Zentrums in Wien auf zwei großen Tschechinnen: der, mittlerweile leider verstorbenen Schauspielerin, Nika Brettschneider und der Mezzosopranistin Magdalena Kožená. Für die heißen Tage können sich die Wiener dann auf großartiges Design aus den 1960er Jahren freuen, bis es im September mit ganz besonderer Kunst weitergeht. Ein Gespräch mit Mojmír Jeřábek, dem Leiter der tschechischen Kulturvertretung in Österreich.

Nika Brettschneider (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Nika Brettschneider (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Herr Jeřábek, am 24. Juni erinnern sie an eine große Frau mit einer sehr bewegten Geschichte – die Schauspielerin Nika Brettschneider. Wer war sie und wieso ist sie so wichtig für Wien?

„Gleich am Anfang möchte ich ergänzen, dass es nicht nur um den einen Tag, sondern um die ganze Woche geht. Allein das unterstreicht die Bedeutung von Nika Brettschneider. Sie war in den 1970er Jahren eine noch nicht so bekannte Brünner Schauspielerin, die im Theater am Faden, dem Divadlo na provázku, auf der Bühne stand. Dieses war Ende der 1970er Jahre die wichtigste experimentelle Szene in der Tschechoslowakei und später eine Heimatbühne für Václav Havel, als seine Werke schon verboten waren. Nika Brettschneider hat 1977 dann gemeinsam mit ihrem Ehemann Ludvík Kavín die Charta 77 unterschrieben. Wie 400 weitere Tschechen und Slowaken nahmen die beiden wegen der folgenden Repressionen des Regimes das freundliche Angebot von Bundeskanzler Bruno Kreisky an und gingen nach Österreich ins Exil. Das Ehepaar landete in Wien und gründete dort das Theater Brett, das zu einer wichtigen Plattform für die tschechischen Exulanten wurde. Die Bühne wurde aber auch von den Österreichern und Wienern breit akzeptiert und hoch geschätzt.“

Was hat das Tschechische Zentrum in Wien zur Erinnerung an Nika Brettschneider geplant?

Nika Brettschneider (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Nika Brettschneider (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) „Die Veranstaltungen finden alle genau ein Jahr nach dem Tod Nika Brettschneiders statt, wobei sie hauptsächlich von ihrem Witwer Ludvík Kavín organisiert wurden. Natürlich aber mit unserer Unterstützung. Es gibt unter anderem eine Ausstellung in der Galerie des Tschechischen Zentrums mit Fotos und Gegenständen aus dem Leben der Schauspielerin. Auch ist eine Theatervorführung geplant sowie eine Videopräsentation. Das Tschechische Fernsehen hat in den ganzen Jahren viel Material über Nika Brettschneider produziert. Dazu werden Texte von Bekannten der Schauspielerin gelesen, die an ihr Leben erinnern. Zu erwähnen ist vor allem ein Beitrag von Pavel Kohout, der wegen der Hitze leider nicht persönlich anwesend sein wird beim Gedenkabend am 24. Juni. Er hat uns aber einen wunderschönen Text geschickt, in dem er die Bedeutung der Arbeit von Brettschneider und Kavín beschreibt. Kohout hat das alles ja aus nächster Nähe erlebt, denn er war auch in Wien im Exil.“

Magdalena Kožená, foto: ČT24Magdalena Kožená, foto: ČT24 Der Juni ist im Tschechischen Zentrum in Wien schon fast ein Monat der starken Frauen. Am 25. Juni tritt nämlich im Wiener Musikverein mit Ihrer Unterstützung eine der ganz großen Stimmen aus Tschechien auf…

„Am 25. Juni wird der Weltstar Magdalena Kožená im Goldenen Saal des Musikvereins auftreten. Zum ersten Mal, zumindest in der österreichischen Hauptstadt, wird sie vom hervorragenden und berühmten Collegium 1704 unter der Leitung von Václav Luks begleitet. Kožená kommt mit einem neuen Programm von Barock-Werken nach Wien, das im Mai auf CD erschienen ist. Es ist aber nicht nur ein Konzert von vielen, der Auftritt der Mezzosopranistin ist gleichzeitig der Abschuss des größten tschechischen Musikfestivals Concentus moraviae. Dieses steht in seinem 24. Jahrgang unter dem Motto ‚Konzert der Nationen‘ oder ‚Konzert der tschechisch-österreichischen Partnerschaft‘.“

‚Ein Tag in der Tschechoslowakei‘ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)‚Ein Tag in der Tschechoslowakei‘ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Schon im Juli startet das Tschechische Zentrum in Wien in die Sommerpause. Ganz müssen die Wiener aber nicht auf Kultur aus Tschechien verzichten. Denn für die heißen Tage haben Sie eine Ausstellung über großartiges tschechisches Design vorbereitet…

„Schon im Rahmen des 100. Gründungsjubiläums der Tschechoslowakei im vergangenen Jahr haben die Tschechischen Zentren zahlreiche Sonderausstellungen vorbereitet. Eine davon zeigt das großartige tschechoslowakische Design, das 1958 bei der Expo in Brüssel präsentiert wurde und heute unter dem Label ‚Brüssel‘ bekannt ist. Die Schau mit dem Titel ‚Ein Tag in der Tschechoslowakei‘ haben wir gemeinsam mit dem Kunstsammler Jan Jeništa organisiert und gezeigt werden Exponate aus den Jahren 1958 bis 1968. Aus diesen zehn Jahren stammt tatsächlich das beste Design aus der Tschechoslowakei, bevor danach alles wieder grau wurde in der Zeit der sogenannten Normalisierung.“

Marie Filippovová (Foto: J. Czerný, Archiv des tschechischen Außenministeriums)Marie Filippovová (Foto: J. Czerný, Archiv des tschechischen Außenministeriums) Nach der Sommerpause geht es bei Ihnen dann weiter mit Design, Kunst aber auch mit dem Film. Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben?

„Ab 19. September stellen wir Werke der weltberühmten Brünner Malerin Marie Filippovová aus. Sie arbeitet mit Rauminstallationen, die eine wirklich eine ganz besondere Ausstrahlung entwickeln können. Unsere Räume sind Gott sei Dank hoch genug, denn die Bilder Filippovovás sind teilweise 30 Meter lang. Für Wien bereitet die Künstlerin eine ganz besondere Reminiszenz an ihre Familiengeschichte vor, denn ihre Mutter wurde in der Hauptstadt Österreichs geboren.“

14-06-2019