Pavel Kohout, Maturanten und Kunst in Fenstern

Der Schriftsteller Pavel Kohout kommt nach Wien und wird im Tschechischen Zentrum an das Jahr 1968 erinnern. Außerdem stehen Aktionen für Maturanten und eine ganz besondere Ausstellung auf dem Programm der tschechischen Kulturvertretung an der Donau. Worum es genau geht, erklärt der Direktor des Zentrums Mojmir Jeřábek.

Heinz Fischer (Foto: GuentherZ, CC BY 3.0)Heinz Fischer (Foto: GuentherZ, CC BY 3.0) Herr Jeřábek, noch an diesem Donnerstag haben Sie den ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer zum Gespräch eingeladen. Worüber wird denn diskutiert?

„Wir wollen über das Jahr 1968 und den Prager Frühling sprechen. Es ist die Fortsetzung eines Podiumsgesprächs, das der tschechische Schriftsteller und Dramatiker Pavel Kohout mit dem Alt-Bundespräsidenten Heinz Fischer im vorherigen Jahr in Prag geführt hat. Damals hat mir mein Freund Pavel Kohout versprochen, dass er Heinz Fischer um eine Fortsetzung des Dialogs in Wien bittet, sobald ich das Tschechische Zentrum hier übernehme. Das ist dann auch gelungen. In dieser Woche kommt Pavel Kohout wieder nach Wien, er war ja nach seiner Ausbürgerung bereits rund 30 Jahren mit der österreichischen Hauptstadt verbunden. Das Podiumsgespräch mit Heinz Fischer findet in der tschechischen Botschaft statt, allerdings nur für geladene Gäste.“

Pavel Kohout wird sich dann am 18. Mai noch einmal vorstellen, und zwar bei Ihnen im Tschechischen Zentrum. Worauf können sich die Besucher dabei freuen?

Pavel Kohout (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Pavel Kohout (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Die Besucher erwartet dort ganz einfach die Legende Pavel Kohout. Er wird in diesem Jahr im Sommer seinen 90. Geburtstag feiern. Es soll ein Gespräch geführt werden mit ihm über sein Leben, seine literarische Tätigkeit und seine Pläne für die Zukunft. Außerdem findet auch eine Begegnung mit seinen Freunden und seiner Familie statt, die hier in Wien leben.“

Der Name Kohout ist natürlich mit dem Prager Frühling von 1968 verbunden. Zu jenen Schicksalstagen findet ebenfalls eine Veranstaltung unter ihrer Regie statt, und zwar am 19. Mai. Worum geht es dabei?

„Der Erinnerungsabend zum Prager Frühling findet in der Volkshalle des Wiener Rathauses statt. Wir haben das als ein Dankeschön an Österreich konzipiert, insbesondere gerichtet an Wien für die Offenheit damals. Vor allem wollen wir an die Aufnahme der tschechischen Exulanten denken. Abgesehen davon möchten wir aber noch zwei weitere Punkte in Erinnerung bringen. Das ist zum einen die vielleicht teilweise vergessene Geschichte der damaligen Geschehnisse in der österreichischen Botschaft in Prag. Denn in den Tagen direkt nach dem 21.August wurden in der Nacht Visa ausgestellt. Genauer gesagt 5000 pro Tag und insgesamt 50.000. So hat die Botschaft den Leuten geholfen aus dem besetzten Land raus zu kommen. Zum anderen möchten wir auch an die einzigartige Zusammenarbeit zwischen dem damaligen tschechoslowakischen Fernsehen, konkret dem Studio in Brünn, und dem ORF erinnern. Die Mitarbeiter in Brünn waren die Letzten, denen es gelungen ist, nach der Okkupation zu senden. Der ORF hat die Bilder dann übernommen und in die ganze Welt geschickt. Auch diese Veranstaltung ist aber nur für geladene Gäste.“

Foto: Archiv des Nationalmuseums in PragFoto: Archiv des Nationalmuseums in Prag Kommen wir zur Musik. Am Mittwoch den 23. findet ein Mai-Konzert mit musikalischen Schmankerln aus Tschechien statt…

„Dieses Maikonzert ist eine traditionelle Veranstaltung der tschechischen Minderheit hier in Wien. In diesem Jahr heißt das Thema ‚Vivaldi zwischen Wien und Prag‘. Es wird sicher ein sehr angenehmes Konzert. Ich bin selbst gespannt, denn die Organisatoren sind die tschechischen Vereine hier.“

Bleiben wir noch kurz bei den schönen Tönen, schauen aber schon in den kommenden Monat. Am 13. Juni wird im Tschechischen Zentrum ein neues Buch über den Komponisten Bedrich Smetana vorgestellt. Was ist daran so besonders?

„Das Buch ist interessant, da Bedrich Smetana etwas anders dargestellt wird, als wir ihn kennen. Es handelt sich nämlich um eine Auswahl aus seiner Korrespondenz. Die tschechischen Briefe werden da in deutscher Übersetzung herausgegeben, wobei auch ursprünglich deutschsprachige Exemplare darunter sind.“

In den kommenden Wochen kommen im Tschechischen Zentrum vor allem auch Schüler und Studenten voll auf ihre Kosten. Am 5. Juni startet eine Ausstellung die Zdenka Steinbauer organisiert hat. Wer ist sie und was wird zu sehen sein?

Zdenka Steinbauer (Foto: Archiv des Schulvereins Komenský)Zdenka Steinbauer (Foto: Archiv des Schulvereins Komenský) „Zdenka Steinbauer ist eine sehr interessante Dame. Sie hat in Brünn studiert und lebt seit 1980 in Wien. Sie arbeitete ganze 37 Jahre als Lehrerin für Deutsch und Kunst im Schulverein Komenský. Nun verabschiedet sie sich mit der Ausstellung mit dem Titel ‚Auf Wiedersehen, Frau Lehrerin‘ aus ihrer Lehrerkarriere. Zu sehen sind die Arbeiten ihrer Schüler und Schülerinnen, die sie im Laufe der Jahre gesammelt hat. Ich hoffe, dass viele viele Besucher kommen werden. Und zwar nicht nur ihre ehemaligen Schüler, sondern auch weitere Interessierte. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung treten auch die früheren Schülerinnen und Schüler aus Realschulen, Gymnasium und auch weiteren Wiener Mittelschulen mit einer kleinen Musikvorstellung unter der Leitung von Frau Freidlová und Herrn Lange auf.“

Abgesehen davon haben Sie im Tschechischen Zentrum noch eine Überraschung für die Maturanten des Komenský-Schulvereins. Worauf können sich die Abgänger freuen?

„Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir dieses Mal den Maturanten die Abschlusszeugnisse hier in unserem Zentrum übergeben werden. Also es wird eine feierliche Veranstaltung.“

Windows-Galerie des Tschechischen Zentrums Wien (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Windows-Galerie des Tschechischen Zentrums Wien (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Zum Ende unseres Gesprächs kommen wir noch zur Kunst. Sie haben nämlich eine neue Ausstellung in der sogenannten Windows-Galerie des Tschechischen Zentrums Wien vorbereitet…

„Die Windows- Galerie an sich ist eine Neuigkeit. Natürlich haben wir in den Fenstern des Tschechischen Zentrums schon Ausstellungen gemacht, aber nie so programmatische wie jetzt. Wir wollen das wirklich zu einem festen Programm machen und hier möglichst alle Fenster als Ausstellungsfläche nutzen. Zum Auftakt haben wir hier Werken von Jindra Viková, die Vernissage findet am 30. Mai um 18 Uhr statt. Gleichzeitig ist es ein kleiner Vorgeschmack für die geplante Ausstellung der Künstlerin im Dezember dieses Jahres. Jindra Viková ist eine berühmte tschechische Keramikerin, Bildhauerin und Malerin aus Prag. Sie nutzt meist Figuren und Porträts als Träger von Emotionen und Beziehungen. Wir werden hier ihre ‚Köpfe‘ ausstellen. Was uns besonders freut ist, dass die Windows-Galerie gleichzeitig von Jindra Viková von Michal Macek vom Museum für angewandte Kunst in Wien eröffnet wird."