Neue Welle, Metternich und Masaryks Hut

Im Tschechischen Zentrum in Wien steht im Oktober vor allem Fürst Metternich im Zentrum, und das mit einer Ausstellung und einem Kolloquium. Daneben geht es in der Herrengasse aber auch um Kultfilme, den Zweiten Weltkrieg und den tschechischen Comic. Natürlich wird aber auch in der österreichischen Hauptstadt an die Gründung der Tschechoslowakei vor 100 Jahren erinnert. Dazu ein Gespräch mit dem Leiter des Tschechischen Zentrums in Wien, Mojmír Jeřábek.

Film ‚O slavnosti a hostech‘ (Foto: Tschechisches Fernsehen)Film ‚O slavnosti a hostech‘ (Foto: Tschechisches Fernsehen) Herr Jeřábek, den Sommer haben wir schon längst hinter uns und das Programm im Tschechischen Zentrum in Wien läuft auf Hochtouren. Beginnen wollen wir unser Gespräch diesmal mit dem Film. Am 8. Oktober ist im Kino der tschechischen Botschaft in Wien ein Juwel der Neuen Welle der 1960er Jahre zu sehen. Um welchen Streifen geht es?

„Es geht um den Kultfilm der berühmten tschechoslowakischen Neuen Welle ‚O slavnosti a hostech‘, zu Deutsch also ‚Von der Feier und den Gästen‘. Es ist einer der Filme, die als Parabel auf die damalige politische Situation und die wichtigsten Akteure wie Staatspräsident Antonín Novotný verstanden wurde. Der Film ist ein Meisterwerk des Regisseurs Jan Němec, der aber nach Beginn der sogenannten Normalisierung nicht mehr gezeigt werden durfte. Deshalb erlebt der Streifen jetzt ein Comeback und wird nun auch in Wien im Filmsaal der tschechischen Botschaft gezeigt.“

Ausstellung „Im Totaleinsatz“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Ausstellung „Im Totaleinsatz“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Vergangenes Wochenende erinnerte man in Tschechien an das Münchner Abkommen von 1938 und die darauf folgende Besetzung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland ein Jahr später. In der Wiener Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte ist ab 10. Oktober die Ausstellung „Im Totaleinsatz“ zu sehen, die ein nicht so oft behandeltes Kapitel der Besatzungszeit beleuchtet – und zwar die tschechischen Zwangsarbeiter im Deutschen Reich…

„Dazu muss man sagen, dass es um ein Thema geht, das von unserer Seite in Österreich noch nicht angesprochen worden. Deshalb handelt es sich bei der Ausstellung um eine deutsch-tschechische Koproduktion, federführend war der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Viele junge Tschechen wurden während der Besatzungszeit nach Deutschland zur Zwangsarbeit gebracht, das bezeichnete man als Totaleinsatz. Weniger bekannt ist aber, dass es Zwangsarbeit auch in den Sudetengebieten und Österreich gab. Und darum geht es in der Ausstellung.“

Schloss Kynžvart (Foto: Katerina Ajspurwit)Schloss Kynžvart (Foto: Katerina Ajspurwit) Bleiben wir bei der Geschichte, gehen aber das ein oder andere Jahrhundert zurück. Am 16. Oktober feiert eine Ausstellung über den Fürsten Metternich Vernissage im Tschechischen Zentrum Wien. Was zeigen Sie dabei und was verbindet den kaiserlichen Diplomaten überhaupt mit Tschechien?

„Sehr viel natürlich. Sein Hauptsitz war ja auf Schloss Kynžvart, zu Deutsch Königswart, bei Eger, also Cheb, in Westböhmen. Deshalb zählen wir ihn auch zu den Adeligen aus den böhmischen Ländern. Leider wurde Metternich in Tschechien noch nicht eindeutig bewertet. Deshalb bin ich froh, dass das tschechische Denkmalschutzamt ein großes Projekt zu Adeligen in der Diplomatie gestartet hat. Da spielt Metternich als österreichischer Botschafter, Außenminister und schließlich Staatskanzler natürlich eine Rolle. Dieses Thema wird im Tschechischen Zentrum in Wien etwas breiter behandelt. Es gibt nämlich nicht nur die Ausstellung, sondern auch ein Kolloquium zum Thema Metternich mit den wichtigsten Experten zu dem Thema aus dem In- und Ausland am 17. Oktober.“

‚Pérák‘‚Pérák‘ Doch nicht nur Metternich will das Tschechische Zentrum in Wien diesen Monat mit einer Ausstellung würdigen. Am 24. Oktober eröffnen Sie eine Schau zu 100. Jahren tschechische Comics. Worum geht es dabei genau?

„Der Comic ist ein Phänomen in Tschechien, das eng mit der 100-jährigen Geschichte des Landes zusammenhängt. Mittlerweile gehören tschechische Künstler ja zur Weltspitze. Einige Raritäten und Spezialitäten zeigen dabei, welche Rolle der Comic in der Gesellschaft gespielt hat. Im Zweiten Weltkrieg kam beispielsweise die Figur des ‚Pérák‘ auf. Auf Deutsch könnte man das als Spiralhopser übersetzen, der auf Sprungfeder gegen die deutschen Besatzer kämpfte – eine Résistance auf Tschechisch also. “

Und zum Schluss: am 28. Oktober feiert Tschechien das 100. Staatsgründungsjubiläum der Tschechoslowakei. Hat das Tschechische Zentrum in Wien ebenfalls etwas zu diesem Anlass geplant?

„Wir werden natürlich die Veranstaltungen der tschechischen Botschaft in Wien begleiten, wie zum Beispiel einen feierlichen Empfang am 25. Oktober. Unser Beitrag dazu ist eine Ausstellung von Originalgegenständen am Vorabend des Empfangs. Zu sehen ist der Professorenhut Tomáš Garrigue Masaryks, der Säbel Milan Rastislav Štefániks oder die Originalflagge des Radetzky-Bataillons. Alle diese Dinge sind eigentlich im Besitz eines kleinen Privatmuseums in Brünn und zusammen wollen wir sie nun in Wien präsentieren.“