München, Stuttgart, Augsburg, Regensburg: CZ-Kultur in Süddeutschland

München, Stuttgart, Augsburg, Regensburg. In all diesen Städten Süddeutschlands beginnen in den nächsten Tagen und Wochen Veranstaltungen, bei denen tschechische Kultur präsentiert wird. Vom Film über Vorlesungen bis zum Design reicht das Programm. Über die Details hat Radio Prag mit dem Direktor des Tschechischen Zentrums in München, Ondřej Černý, gesprochen.

Film ‚Das Meer sehen‘Film ‚Das Meer sehen‘ Das Tschechische Zentrum in München startet nach der Sommerpause in die neue Saison. Traditionell mit der Tschechischen Filmwoche in München, die bereits am Mittwoch eröffnet wurde. Zum wievielten Mal findet die Schau der tschechischen Filme eigentlich statt und welche Werke zeigt sie diesmal?

„Unsere Filmwoche ist schon Jahrgang 14. Schon seit vierzehn Jahren versuchen wir in München, die neuesten und bemerkenswertesten tschechischen Filme zu zeigen. Am Donnerstag kommt Jiří Mádl mit dem Film ‚Pojedeme k moři‘ (‚Das Meer sehen‘). Am Donnerstag in der Nacht zeigen wir den Film ‚Až do města Aš‘ (‚Bis zur Stadt Asch‘) – wir möchten nämlich auch Dokumentarfilme präsentieren. Am Freitag können wir den Regisseur Zdeněk Tyc persönlich in München begrüßen, er wird seinen Film „Jako nikdy‘ (‚Wie nie zuvor‘) begleiten. Soweit einige der Filme. Die Dramaturgie der Filmwoche entsteht meistens auf Grundlage des Filmfestivals ‚Finále‘ in Pilsen.“

Foto: Pam Roth, Free ImagesFoto: Pam Roth, Free Images Zur Filmwoche gehören traditionell auch Publikumsgespräche. Auch in diesem Jahr kommen Filmschaffende nach München, um mit den Zuschauern zu diskutieren. Stimmt das?

„Das stimmt. Ich finde es sehr wichtig, dass die Zuschauer die Chance haben, die Filmmacher persönlich kennenzulernen und ihnen ihre Fragen zu stellen.“

Die tschechischen Filme stehen zurzeit nicht nur in München, sondern auch in Stuttgart im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dort haben die Filme einen speziellen Fokus. Wie sind die Filmtage dort zustande gekommen?

Stuttgart (Foto: InSapphoWeTrust, CC BY-SA 2.0)Stuttgart (Foto: InSapphoWeTrust, CC BY-SA 2.0) „Wir haben bemerkt, dass Stuttgart nicht nur die Hauptstadt von Baden-Württemberg, sondern auch die kulturelle Hauptstadt des Landes ist, wobei die Präsenz der tschechischen Kultur dort nicht so stark wie in München ist. Deswegen haben wir uns entschieden, in Stuttgart aktiver zu sein. Diese Aktivität spiegelt sich in der Gründung der ‚Tschechischen Filmtage‘ in Stuttgart wider. Der erste Jahrgang findet im Rahmen der großen Kulturtage Stuttgart-Brünn statt. Stuttgart und Brünn sind schon traditionell Partnerstädte und im Rahmen ihres Kulturaustausches präsentieren wir unser Filmprogramm. Es konzentriert sich durch die Filminhalte sehr stark auf das Brünner Milieu und den Brünner Kontext.“

Fotoausstellung ‚The Art of Killing‘ (Foto: Archiv von Lukáš Houdek)Fotoausstellung ‚The Art of Killing‘ (Foto: Archiv von Lukáš Houdek) Aus Stuttgart kommen wir nun nach Augsburg. Dort beginnt an diesem Freitag eine Veranstaltungsreihe mit dem Namen „überWunden, Trauma und kulturelle Identität“. Welchem Trauma ist sie gewidmet und wie gehen Sie damit um?

„Es geht um eine Veranstaltungsreihe, welche die traumatisierenden Auswirkungen von Vertreibung, Flucht und Krieg auf das Individuum und die Gesellschaft über Generationen hinweg behandeln. Es ist eine ganz einzigartige Sache, die von Sonja Hefele von einer Agentur in Augsburg initiiert wurde. Sie wird vom Tschechischen Zentrum in München unterstützt. In der Mitte dieses Projekts steht die Fotoausstellung ‚The Art of Killing‘ von Lukáš Houdek. Sie war bereits im Tschechischen Zentrum in München zu sehen. Die Ausstellung zeigt sehr schmerzhafte Sachen, die bei der so genannten wilden Vertreibung im Sudetenland nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen sind. Aber es gibt eine Neuigkeit: Lukáš Houdek wird zusammen mit Michaela Kfír eine gemeinsame Ausstellung mit dem Thema ‚Begegnungen der Fluchtgenerationen damals und heute‘ als einen Workshop anbieten. Der Veranstaltungsort, das Grandhotel Cosmopolis, ist nämlich ein ganz besonderer Ort in Augsburg: Es dient nicht nur als Unterkunftsmöglichkeit und Gaststätte für Reisende, sondern auch als Atelier für Kulturschaffende und als ein Austragungsort für verschiedene Kulturveranstaltungen. Aber auch als eine Asylherberge für Flüchtlinge. Und es geht darum, die Situation der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flüchtlinge heute einander gegenüber zu stellen.“

Film ‚Swingtime‘Film ‚Swingtime‘ Noch eine Stadt möchte ich im heutigen Programmgespräch erwähnen, nämlich Regensburg. Dort laden Sie zu der so genannten Herbstlese beziehungsweise zum Herbstlesen ein. Was wartet auf die Besucher?

„Die Herbstlese(n) ist eine traditionsreiche Veranstaltung. Der Name passt dieses Mal eigentlich nicht so gut. Wir bieten zwei Veranstaltungen: Die eine ist ein Konzert von Jaroslav Hutka, und die zweite ist ein tschechischer Film von Jaromír Polišenský, der Film ‚Swingtime‘. Das Programm entsteht in Zusammenarbeit mit dem Bohemicum in Regensburg.“

Im Oktober und November geht auch Ihr Zyklus „25 Jahre Samtene Revolution. Tschechische Journalisten ziehen Bilanz“ weiter. Dabei laden Sie Journalisten nach München, die verschiedene Aspekte des Vierteljahrhunderts seit der Samtenen Revolution bilanzieren. Welchen Themen sind die Herbstvorträge tschechischer Journalisten gewidmet?

„Ich möchte am Anfang sagen, dass diese Reihe von Wolfgang Schwarz, dem Kulturreferent des Adalbert-Stifter-Vereins, initiiert wurde. Wir haben sehr gerne mitgemacht, weil sie eine sehr interessante Reflexion der Situation in Tschechien nach der Samtenen Revolution bietet. Man muss sagen, dass die tschechischen Journalisten die Situation hier in München häufig offener als in der Heimat beschreiben. Dieses Mal begrüßen wir den Journalisten Daniel Kaiser, den Autor einer politischen Biographie von Václav Havel. Er wird einen Blick auf die Beziehungen zwischen Václav Havel und den Deutschen beziehungsweise Sudetendeutschen werfen. Im November kommt Jiří Peňás nach München, ein Journalist der Zeitung Lidové noviny. Er wird über die zukünftige Situation der tschechischen Medien sprechen.“

Ausstellung New Go(o)ds – Nový zboží (Foto: Archiv der Tschechischen Zentren)Ausstellung New Go(o)ds – Nový zboží (Foto: Archiv der Tschechischen Zentren) Die Ausstellung New Go(o)ds – Nový zboží zeigt junges tschechisches Design und wird auch schon zu einer der traditionellen Herbstveranstaltungen in München. Was wird im Oktober im Tschechischen Zentrum konkret zu sehen sein?

„Wir machen diese Ausstellung schon zum vierten Mal. Sie wird dank einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem ‚National Award for Student Design‘ realisiert. Dieses Mal werden die besten Stücke aus dem Wettbewerb ausgestellt: Mit den Hauptpreisen wurden Pavel Coufalík mit seinem Buch Zlín und Martina Žílová mit ihren Kobaltschüsseln ausgezeichnet. Eben die Werke dieser und weiterer Studenten werden im Rahmen der Ausstellung präsentiert. Und ich bin auch sehr froh, dass wir Corinna Rösner zur Eröffnung begrüßen können, die Landeskonservatorin der ‚Neuen Sammlung‘ in München. Sie wird die Eröffnung mit einem Grußwort begleiten.“