Film, Literatur und Design: Adventszeit im Tschechischen Zentrum Berlin

22-11-2012

Das Tschechische Zentrum Berlin hat seine neuen Räume offiziell eröffnet. Kurz vor Weihnachten steht vor allem auf Design auf dem Programm, aber auch tschechische Filme und Literatur kommen nicht zu kurz. Mehr zum kulturellen Jahresausklang des Tschechischen Zentrums in der Bundeshauptstadt sagt ihnen im Interview für unsere Sendereihe „Aviso: CZ-Kultur grenzenlos“ nun die dortige Programmleiterin Christina Frankenberg.

‚Nauzea’ (Foto: Offizielle Facebook-Seite der Band)‚Nauzea’ (Foto: Offizielle Facebook-Seite der Band) Frau Frankenberg, das tschechische Zentrum ist umgezogen und die neuen Räume sind offiziell eröffnet. Haben Sie ordentlich gefeiert?

„Das kann man so sagen. Wir hatten am vergangenen Freitag eine große Party im Tschechischen Zentrum, bei der wir unsere Räume offiziell eröffnet haben. Das war aber keine typische Eröffnung mit großen Reden und langen theoretischen Ausführungen, sondern es gab drei Konzerte hier im Haus. Es sind Bands aufgetreten, die entweder auf Tschechisch spielen oder sogar aus Tschechien kommen. Darunter die Band ‚Tsunder’, eine tschechisch-deutsche Band aus Berlin und ‚Nauzea’ aus Ústí nad Labem. Höhepunkt des Abends war die Band ‚Dva’, die in Tschechien sehr bekannt ist. Dazu gab es Bier von unserem Sponsor ‚Staropramen’ und wir haben die tschechische Spezialität Utopenec, eingelegte Würstchen, bei uns angeboten. Dieser Eröffnungsabend ist super angenommen worden: Wir hatten sehr viele Gäste und es war ein langes, rauschendes Fest.“

‚Love in the Grave‘ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)‚Love in the Grave‘ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary) Nun geht es auf Weihnachten zu, auch ein Fest, aber wohl etwas beschaulicher. In ihrem Programm gibt es zunächst einmal Filme. Was wird zu sehen sein?

„Wir werden in der nächsten Woche Dienstag den Dokumentarfilm ‚Láska v hrobě‘ zeigen. Der englische Titel ist ‚Love in the Grave‘. Der Film ist eine Langzeitdokumentation von David Vondráček, der mehrere Jahre lang ein obdachloses Pärchen beobachtet hat. Das ist ein ganz faszinierender Film. Er wirkt vielleicht auch etwas makaber. Dieses Pärchen hat sich gerade auf einem Prager Friedhof eingenistet und bei den Gräbern der Toten ein neues Zuhause gefunden. Der Film ist spannend, er begleitet diese beiden Menschen nicht voyeuristisch, der Regisseur setzt sich auch mit dem Phänomen Obdachlosigkeit auseinander. Vondráček versucht auch, die Gründe herauszufinden, wieso jemand obdachlos werden kann. Der Film hat schon viele Auszeichnungen von internationalen Festivals erhalten und läuft nächste Woche auch in den tschechischen Kinos an. Bei uns wird er im Rahmen des ‚One World’-Festivals Berlin zu sehen sein. Das ist der kleine Bruder des großen ‚Jeden svět’-Festivals in Prag. Außerdem werden wir wieder die Filmreihe ‚Czech on Tour’ unterstützen, sie wird vom Tschechischen Filmzentrum organisiert. Das sind tschechische Filme, die schon mehrere Monate durch Deutschland touren und die wir mit in unser Programm aufnehmen, wenn die Reihe in die Nähe unseres Tschechischen Zentrums kommt. Am 6. Dezember kommt ‚Czech on Tour’ nach Potsdam. Im Filmmuseum Potsdam ist dann der Film ‚Lidice’ von Petr Nikolaev zu sehen. Im Rahmen eines Filmgespräches werden wir den Historiker Petr Koura zu Gast haben, der über das historische Phänomen und den Mythos spricht. Er wird auch aus filmhistorischer Sicht Informationen zu dem Film und den Hintergründen seiner Entstehung liefern.“

Radka Denemarková (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Radka Denemarková (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Tschechische Literatur haben Sie auch im neuen Gebäude im Programm. Wer kommt kurz vor dem Fest in die Bundeshauptstadt?

„Literarische Veranstaltungen werden wir im Dezember auch haben – allerdings nicht in unseren Räumlichkeiten. Radka Denemarková, zu Gast in Berlin, hält am 4. Dezember mit ihrer Übersetzerin Eva Profousová im Berliner Literaturhaus eine Lesung. Auch daran ist das Tschechische Zentrum beteiligt. Der Hintergrund ist, dass die beiden am 29. November mit den Georg-Dehio-Buchpreis ausgezeichnet werden, den das ‚Deutsche Kulturforum östliches Europa’ vergibt. Der andere Preisträger ist übrigens Peter Demetz.“

Ausstellung „Die Klugen glauben ans Design“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin)Ausstellung „Die Klugen glauben ans Design“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin) Design ist aber auch ein großes Thema im Dezember. Der Designsupermarkt kommt nach Berlin und es gibt eine Ausstellung von jungen Nachwuchsdesignern unter dem Titel „Die Klugen glauben ans Design“. Vielleicht könnten Sie zu beiden Aktionen etwas sagen?

„Die Ausstellung, die sie gerade erwähnt haben, wird am Mittwoch den 28. November in unserem neuen Ausstellungssaal eröffnet. Daran ist das Atelier für Produktdesign von der Prager Kunstakademie für Kunst, Architektur und Design beteiligt. Dieses Atelier haben viele junge Leute durchlaufen, die äußerst kreativ sind. Einige der erfolgreichen Absolventen werden sich in unserer Ausstellung vorstellen. Die Ausstellung orientiert sich am Produktdesign und hat ein weites Spektrum. Die Absolventen stellen Objekte wie Gusseisengeschirr, chirurgische Instrumente oder Lampen vor. All das sind Sachen, die bereits produziert werden und auch wirklich eine Anwendung finden. Was vor Weihnachten noch sehr interessant sein wird, ist der Designsupermarkt Berlin. Das ist eine Präsentation von verschiedenen jungen Designern aus Tschechien, wiederum in unserem Saal. Mit dabei sind verschiedene Labels aus unterschiedlichen Bereichen, wie zum Beispiel Mode und Bekleidung, Accessoires, Schmuck und Papierwaren. Diese Designer werden ihre Produkte hier auch anbieten. Der Designsupermarkt wird in der Woche vor Weihnachten vom 12. bis zum 15. Dezember geöffnet sein.“

Alois NebelAlois Nebel Haben Sie dann eine Weihnachtspause im Tschechischen Zentrum? Und wann geht es wieder los?

„Wir werden nur über die Festtage geschlossen haben und gleich wieder im neuen Jahr unsere Räumlichkeiten öffnen. Bis zum 4. Januar ist noch die erwähnte Designausstellung zu sehen. Wer es also bis Weihnachten nicht schafft, hat im neuen Jahr noch einige Tage Zeit, vorbeizukommen. Außerdem freuen wir uns sehr, dass wir ab dem 12. Januar eine weitere große Aktion im Haus haben. Das ist die Ausstellung ‚Alois Nebel. Leben nach Fahrplan.’, die nach dem gleichnamigen Comic von Jaroslav Rudiš entstanden ist und die schon in verschiedenen deutschen Literaturhäusern zu sehen war.“

22-11-2012