Zweiter Weltkrieg: Beneš spricht zur tschechoslowakischen Armee in Großbritannien

Im Zeiten Weltkrieg kämpfen tschechoslowakische Armeeangehörige auf Seiten der Alliierten. Für sie geht es auch darum, ihre Exilregierung zu verteidigen. Diese hat ihr Quartier in London aufgeschlagen. Der neu anerkannte Exil-Präsident Edvard Beneš hält nun seine erste Rede vor den versammelten tschechoslowakischen Soldaten in Großbritannien. Wann genau die Aufnahme entstanden ist, dazu gibt es unterschiedliche Angaben: Es kann bereits Ende Juli 1940 gewesen sein oder erst Ende Januar 1941.

Edvard Beneš: Rede vor den versammelten tschechoslowakischen Soldaten in Großbritannien, foto: ČTKEdvard Beneš: Rede vor den versammelten tschechoslowakischen Soldaten in Großbritannien, foto: ČTK „Soldaten der tschechoslowakischen Armee, tief bewegt und mit freudiger Seele, komme ich das erste Mal zu Euch. Und ich entschuldige mich, dass es das erste Mal ist.“

Man kann erraten, warum Edvard Beneš den Termin für seine Ansprache nach hinten verschieben musste: Wahrscheinlich hatten die Kampfhandlungen eine solche Versammlung unmöglich gemacht. Als Staatspräsident, der gemäß der tschechoslowakischen Verfassung Oberbefehlshaber der Armee ist, teilt Beneš den Soldaten jedenfalls erstmals die neuen politischen Rahmenbedingungen mit:

„Unsere vorläufige Regierung ist als unsere rechtsgültige politische Vertretung anerkannt worden. Erneut wurde ein freier Präsident der Republik anerkannt. Und hier auf britischem Boden werden erneut unsere vorläufigen Staatsorgane aufgebaut. Ich betone: vorläufig.“

Edvard Beneš: Rede vor den versammelten tschechoslowakischen Soldaten in Großbritannien, foto: ČTKEdvard Beneš: Rede vor den versammelten tschechoslowakischen Soldaten in Großbritannien, foto: ČTK Im Juli 1940 hatte Großbritannien die tschechoslowakische Exilregierung vorläufig anerkannt, ein Jahr später folgt die volle Anerkennung. Die Sowjetunion schließt sich diesem Schritt an. Frühere Versuche einer offiziellen Vertretung der Tschechoslowakei durch andere Politiker hatte der ehrgeizige Beneš verhindert. Nun vertrat er ein Land, das es nicht gab. Böhmen und Mähren waren von Deutschland als so genanntes Protektorat besetzt, in der Slowakei herrschte das klerikal-faschistische Regime Tiso nur von Hitlers Gnaden. Der Exilpräsident, der bereits 1938 nach der Besetzung der Sudetengebiete durch Deutschland geflohen war, gab den versammelten Soldaten jedoch Hoffnung:

„Hitler wird gestürzt, unsere gemeinsame Heimat wird erneut frei sein, und Sie kehren früher oder später in Ihre Häuser zurück.“

An anderer Stelle seiner Ansprache betont Beneš aber, dass die Rückkehr wohl erst später erfolgen werde, weil der Krieg erst jetzt richtig beginne. Den rund 6000 Soldaten legt er daher noch folgende Sätze ans Herz:

„Wir sind in diesem Land als Gäste und Soldaten und zugleich vertreten wir unser Land, unser Volk aus der Tschechoslowakei. Auch wir sind stolz auf unsere Traditionen, auf unsere Kultur und unseren Staat. Jeder von Ihnen sollte sich in jedem Moment dessen bewusst sein.“

Der Staatspräsident kündigt zudem an, in der nächsten Zeit regelmäßig vor die Truppen zu treten. Seine Ansprache schließt Beneš mit einem abgeänderten militärischen Gruß:

„Ein Hoch auf die tschechoslowakische Armee, ein Hoch auf die Tschechoslowakische Republik und ein Hoch auf Großbritannien!“