Schauspieler Vladimír Dlouhý, der Peter aus der "Märchenbraut", ist gestorben

Als Kinderfilmstar hat ihn in den 1970er Jahren in Tschechien jeder gekannt und bewundert. Er teilte jedoch nicht das Schicksal vieler anderer kleiner Filmstars, die später in Vergessenheit geraten sind. Vladimír Dlouhý war in der tschechischen Theater- und Filmszene seit den 1980er Jahren nicht zu übersehen. Der talentierte Schauspieler ist am Sonntag im Alter von 52 Jahren gestorben.

Vladimír Dlouhý (Foto: ČTK)Vladimír Dlouhý (Foto: ČTK) Auf einer Bank im Park sitzt Arabella mit Peter Maier. „Was hast du am Handgelenk? Ist das etwa eine Uhr? Eine winzige Uhr?“, fragt sie ihn. „Du hast wirklich nicht alle Tassen im Schrank. Sag mir bitte, wer du bist, “ will er wissen. „Das darf ich nicht verraten. Ich kann nur sagen, dass ich aus einem Land stamme, das zur Freude der Kinder da ist“, sagt sie.

Peter Maier (Petr Majer) oder Vladimír Dlouhý muss sich mit der Antwort begnügen. Dank der Fantasy-Fernsehserie „Märchenbraut“, die 1979 entstand, ist Dlouhý auch im Ausland bekannt geworden. Seine Schauspielerkarriere aber hat er schon viel früher begonnen. 1970 spielte er als 12-Jähriger mit Bravour den gelähmten Jungen Adam im Film „Schon wieder springe ich über Pfützen“ von Regisseur Karel Kachyňa. In einem Fernsehinterview erinnerte sich Dlouhý vor einem Jahr an seine Anfänge vor der Kamera:

„Das Kind spielt vor der Kamera, das aber unbewusst. Als ich Kinderschauspieler war, waren alle erwachsenen Schauspieler sehr nett zu mir. Wenn ich jetzt selbst mit kleinen Schauspielern spiele, bewundere ich die Geduld, die man mit mir damals gehabt hat. Denn die Kinder fangen an, erst auf den zwanzigsten Versuch gut zu spielen. Und der erwachsene Schauspieler wird allmählich schlechter, denn er ist schon sauer.“

Film "Märchenbraut"Film "Märchenbraut" Trotz des internationalen Erfolgs seines ersten Films dachte Dlouhý ursprünglich nicht an eine Schauspielerkarriere:

„Ich wollte Bauingenieur werden wie mein Papa, bis zu meinem 15. Lebensjahr. Aber mit der Fachschule hat es nicht geklappt, dann habe ich ein Jahr lang als Maurer gearbeitet. Dabei habe ich einiges verpatzt und so ging ich lieber aufs Konservatorium.“

1980 fing Dlouhý an, im Prager Theater Am Geländer zu spielen. Und er überraschte das Publikum immer wieder mit seinen Leistungen, die für einen so jungen Schauspieler fast schon zu ausgereift waren. Hervorragend war Dlouhý als Caligula im gleichnamigen Drama von Albert Camus. Das Publikum begeistert er ebenso mit seinen Rollen in Macbeth oder in Havels Largo Desolato. Später wechselte er einige Mal das Theaterensemble. Zuletzt spielte er im Theater Auf den Weinbergen. Im Fernsehinterview von 2009 sagte er, vor dem Spiel auf der Bühne immer mehr Respekt zu haben. Als junger Schauspieler habe er sich das nicht vorstellen können, so Dlouhý. Er räumte aber ein, dass es auch Vorteile habe, älter zu werden:

Vladimír Dlouhý (Foto: www.ceskatelevize.cz)Vladimír Dlouhý (Foto: www.ceskatelevize.cz) „Wenn man älter wird, hat man als Schauspieler eine größere Auswahl an Charakterrollen. Ich hatte jedoch schon immer Glück, was die Charakterrollen betrifft, auch schon in jungen Jahren. Alles, was ich jetzt spiele, sind eigentlich Personen, die jünger sind als ich. Aber auch einen alten Knacker würde ich ganz gern einmal spielen.“

Seit Ende der 90er Jahre spielte Vladimír Dlouhý wieder häufiger in Filmen. Für seine Rolle im Film „Wächter Nr. 47“ von Regisseur Filip Renč wurde er voriges Jahr mit dem tschechischen Filmpreis, dem Böhmischen Löwen, ausgezeichnet. Der Preis für die beste Darstellung der Nebenrolle habe ihn gefreut, sagte Dlouhý im Fernsehinterview. Im Scherz fügte er hinzu, er würde einen Preis für eine Hauptrolle auch akzeptieren. Bei der Premiere des Films „Kajínek“, in dem er spielt, wird Vladimír Dlouhý nicht mehr dabei sein. Der Schauspieler ist am Sonntag im Alter von 52 Jahren an Krebs gestorben.