„Kafka so nehmen, wie er geschrieben hat“ - Max Brod 1964 in Prag

19-08-2008

Der Prager deutsche Schriftsteller Max Brod - 25 Jahre war es her, dass er zuletzt in seiner Heimatstadt gewesen war. Gegenüber Radio Prag berichtete 1964 über seinen Freund und Weggefährten Franz Kafka.

Max Brod (Mitte) auf dem Prager Flughafen, 18.6.1964 (Foto: ČTK)Max Brod (Mitte) auf dem Prager Flughafen, 18.6.1964 (Foto: ČTK) „Es sind natürlich freudige Gefühle, verbunden leider mit der Trauer um alle meine Lieben, alle meine Kameraden im Prager Tagblatt, um meine Familie, die dem Naziterror erlegen ist. Es ist mir sehr schwer, diesen aus Freude und Schmerz gemischten Gefühlen einen adäquaten Ausdruck zu geben. Gestatten Sie also, dass ich schweige.“

Prag, Juni 1964. Hier sprach und schwieg in das Mikrofon von Radio Prag Max Brod, der deutschsprachige jüdische Schriftsteller, Übersetzer und Komponist aus Prag. Nach 25 Jahren kehrte Brod zum ersten Mal aus Israel in seine Heimatstadt zurück. 1939 war er vor dem Naziterror nach Palästina geflohen. Selber einst die Ikone der Berliner Frühexpressionisten, ist Max Brod heute zumeist nur noch bekannt als Förderer und Nachlassverwalter seines engen Freundes Franz Kafka. Als Kafka schon 1924 verstarb, übergab er zuvor seine Notizen Max Brod und verfügte, alles zu vernichten. Statt zu vernichten, begann Brod zu veröffentlichen, was Kafka ihm hinterlassen hatte. Von seiner ersten Begegnung mit Kafka an, 1902 in Prag, bis zu seinem Tod 1968 in Tel Aviv, war Max Brod der menschliche und literarische Anwalt Franz Kafkas. Zu verteidigen gab es viel, damals in der kommunistischen Tschechoslowakei, wo Kafka als Jude und deutschschreibender Autor offiziell eine persona non grata war. Seit den frühen 60er Jahren hatte sich das Blatt aber gewendet. 1964 gab es eine erste Kafka-Ausstellung, zu deren Eröffnung auch Max Brod eingeladen war.

Max Brod 1964 (Foto: ČTK)Max Brod 1964 (Foto: ČTK) „In diesem Augenblick bin ich angekommen, bewundere die herrliche Aussicht vom Stift Strahov aus auf Prag, habe die Ausstellung noch nicht gesehen. Was ich also sage sind gewissermaßen Gedanken antizipativer Natur. Ich freue mich, dass Kafka in seiner Heimatstadt Prag eine so große Anhängerschaft gefunden hat und richtig als Genuis anerkannt wird. Kafka ist heute eine der meistdiskutierten Persönlichkeiten und leider gibt es auch sehr viele Interpretationen von Kafka, die gewissermaßen - ohne ihn je persönlich gekannt zu haben - sein Bild verzeichnen. Es gibt natürlich eine ganze Reihe von Forschern - und mit Freude stelle ich fest, dass auch gerade unter den Tschechen solche Forscher aufgetreten sind und weiter auftreten -, die Kafka richtig erklären. Das heißt: einfach ihn so nehmen, wie er geschrieben hat."

Um Kafka verdient gemacht hatte sich vor allem der tschechoslowakische Germanist Eduard Goldstücker. Durch seine Bemühungen wurde Kafkas Literatur fortan eine wichtige intellektuelle Nahrung für die Vordenker des Prager Frühlings wurde. Der Besuch von Max Brod 1964 in Prag und seine auf Tschechisch gehaltenen Vorträge gaben der Kafka-Rezeption in der Tschechoslowakei Auftrieb.

19-08-2008

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