Musikgeschichte

Josef Bohuslav FoersterJosef Bohuslav Foerster Den Übergang von der Gründergeneration zu einer neuen Phase verkörpert Josef Bohuslav Foerster (1859-1951). Er studierte an einer Orgelschule und war mehrere Jahre Orgelspieler in Prag. Danach ging er gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Hamburg, später nach Wien. Nach dem politischen Umsturz von 1918 kehrte er nach Prag zurück, wo er 12 Jahre am Konservatorium unterrichtete und auch andere wichtige Positionen im gesellschaftlichen Leben einnahm (Ehrendoktor der Karlsuniversität, 8 Jahre Präsident der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste). Er ist ein großer Meister der Liedkomposition (Zyklen Erotikon, Láska/Liebe, Noční violy/Nachtbratsche usw.), der Komposition von Chören und Kantaten (Stabat Mater, Svatý Václav/Heiliger Wenzel usw.) Die Orchestersparte ist durch 5 Symphonien, 6 Suiten und 4 symphonische Gedichte vertreten. Er schrieb zudem Opern, Kammerstücke und Kirchenkompositionen.

Josef Suk, Václav Talich und Vítězslav NovákJosef Suk, Václav Talich und Vítězslav Novák Die Eroberung der tschechischen Moderne begann mit Vítězslav Novák (1870-1949). Er studierte auf dem Prager Konservatorium bei Dvořák Komposition. Als Kompositions-Professor der Meisterklasse (1909-1939) bildete er pädagogisch eine ganze Generation ausländischer und heimischer Komponisten aus, allen voran Komponisten aus dem slawischen Raum. Seit dem Jahr 1897 bezieht er in sein Schaffen das Volkslied mit ein, insbesondere das slowakische und mährisch-slowakische. Er widmet ihnen viele Originalbearbeitungen (vor allem den slowakischen Gesängen). Dieser Einfluss zeigt sich besonders in Slovácká svita (Mährisch-slowakische Suite). Später löste er sich vom Einfluss des Volksliedes. Seine Klavierkompositionen (Můj máj/Mein Mai, Sonata eroica) und die symphonische Dichtung V Tatrách/In der Tatra tragen schon Nováks eigene Handschrift. Seine Komposition Toman a lesní panna/ Toman und die Waldfee zeichnet sich durch ein festes Gerüst aus.Das ausgeprägte musikalische Denken und die technische Souveränität kennzeichnen eine reife Schaffensphase des Komponisten. Zu Beginn steht (1910) die Meeresphantasie Bouře (Sturm) und der Klavierzyklus Pan. Weniger bekannt sind die Klaviersuiten Exotikon und die Liederzyklen Erotikon. In den folgenden Jahren konzentrierte sich Novák auf den dramatischen Bereich. Zu den Ergebnissen dieser Schaffensphase zählen die Opern Zvíkovský rarášek (Der Zwickauer Wildfang), Lucerna (Laterne), Dědův odkaz (Großvaters Vermächtnis) und das Balett Nikotina.

Josef SukJosef Suk Ganz andere Töne bringt Josef Suk (1874-1935) in die heimische Musik ein. Benewitz, Stecker und Dvořák haben auf dem Konservatorium sein Talent aus der Lehrtradition zur Blüte getrieben. Josef Suks Schaffen, das er bereits in seiner Jugend sehr viel versprechend voranbrachte, wurde grundlegend durch seine Mitgliedschaft im Tschechischen Quartett, seine strenge Selbstkritik, schwere Prüfungen im Leben und schmerzhafte mentale Krisen gebremst. Später wurde er zudem durch seine Lehrtätigkeit am Konservatorium voll in Anspruch genommen (seit 1922). Mit seiner unmittelbaren Musikalität und seinen vielseitigen Neigungen erinnert Suk an Dvořák, dessen instrumentalen Reichtum er noch erhöht und individualisiert hat. Er reagierte auf die weltweite Entwicklung und steigerte seine dichterische Launenhaftigkeit und den Ausdruck seiner Sprache vor allem im melodischen und rhythmischen Bereich. Er hat seinem Lyrismus sowohl auf der konstruktiven als auch auf der baulichen Seite eine so große Vielfältigkeit eingehaucht, dass er damit in die Reihe der größten Erscheinungen der tschechischen Musik gehört. Diese Entwicklung zeigt sich vor allem in seinen Orchesterwerken. Smyčcová serenada (Serenade für Streicher, 1892) und Symphonie in E-Dur sind noch angefüllt mit Dvořák, aber bereits in der Musik zu Zeyers Märchen Radúz a Mahulena (Radúz und Mahulena) und Pod jabloní (Unterm Apfelbaum) kommen Suks eigene Züge stark hervor. In Fantastické scherzo (Fantastisches Scherzo) geht er in den Bereich des Bizarren über, weicht in der symphonischen Dichtung Praga wieder zurück. Dann beginnt eine Reihe symphonischer Werke, die gemeinsam ein großes Ganzes bilden. Die Trauersymphonie Asrael, die Musikgedichte Pohádka léta (Sommermärchen), Zrání (Reifung) und Epilog. Ein wichtiger Beweis für den Kampf auf der Suche nach dem eigenen Stil wird das leidenschaftliche Fantasie in g-Moll für Violine und Orchester.

Otakar OstrčilOtakar Ostrčil Neben Novák und Suk gesellt sich um das Jahr 1900 Otakar Ostrčil (1879-1935). Im Geiste seines Lehrers Fibich hat er sich in seiner Jugend symphonischen Dichtungen (Pohádka o Šemíkovi/ Das Märchen über Šemík), Melodramen (Balada o mrtvém ševci a mladé tanečnici, Die Ballade vom toten Schuster und der jungen Tänzerin) und der Ballade (Osiřelo dítě/ Waisenkind) gewidmet. Im Bereich der Symphonien gehören zu seinen wichtigsten Werken Impromtu, Suite c-moll und Symfonietta, unter den Opern sind es die Werke Kunalovy oči (Kunals Augen), Poupě (Die Knospe), Legenda z Erinu (Die Legende von Erin) und Legenda o sv. Zitě (Legende von St. Zita).

Leoš JanáčekLeoš Janáček Als sich schon deutlich der Übergang zur tschechischen Moderne abzeichnete, griff der deutlich ältere Leoš Janáček (1854-1928) in die Entwicklung ein. Nach dem Studium an der Orgelschule wirkte er von seiner Jugend an als Dirigent, aber auch als Organisator und Lehrer. Zu Beginn begrenzt er sich in seinem Schaffen auf kleinere Chor- und Instrumentalformen, indem er an Dvořák anknüpfte und sich von ihm später für die tragische Oper Šárka inspirieren ließ. Ihr Ausdruck besteht in ihrer originellen Ausgestaltung, zu der er immer wieder zurückkehrte. Von hier aus führt ihn der Weg zum Orchesterklang von Lašské tance (ursprünglich Valašské tance/Walachische Tänze), die mit Hanácké tance/Hannakische Tänze die Grundlage des völkerkundlichen Ballets Rakos Rakoczy bilden. Sein völkerkundliches Interesse hat Janáček später zur Volkssprache geführt, deren Melodien er aufzeichnete und deren Tonfall auf Takt und Rhythmus in seinen Kompositionen wirkte. Dieser eigenartige Stil klingt schon in seinem Opernwerk Počátek románu (Der Anfang eines Romans) an und tritt dann in der folkloristisch-farbigen und ausdruckstarken Oper Její pastorkyňa (Jenufa) ganz zum Vorschein, die erste tschechische Oper auf der Grundlage eines literarischen Dramas (Gabriela Preissová) in Prosa geschrieben. Es folgen die Opern Osud (Das Schicksal), die bezaubernde Liška Bystrouška (Das schlaue Füchslein), die psychologisch und dramatisch verdichtete Věc Makropulos (Die Sache Makropulos). Einen ganz neuen Typ hat Janáček im Männerchor geschaffen, allen voran mit Kompositionen zu Gedichten von Bezruč (Kantor Halfar/Schulmeister Halfar, Maryčka Magdonova). Mit vollkommener Originalität überzeugen seine Klavierwerke (so der Zyklus Po zarostlém chodníčku/Auf verwachsenem Pfade) und die Kammermusik (Sonate für Violine und Klavier; zwei Streichquartette). Allgemeines Ansehen wurde Janáček sehr spät zuteil - eingeleitet erst durch die Prager Aufführung der Oper Jenufa im Jahre 1916. Janáček wurde der erste Ehrendoktor der Masaryk-Universität in Brünn.

Sinfonietta von Leoš Janáček:

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Bohuslav MartinůBohuslav Martinů Die bewusst antiromantische Generation nach dem 1. Weltkrieg führt Bohuslav Martinů (1890-1959) an. Zwar war er Schüler von Josef Suk, jedoch hat er sich erst unter dem Einfluss seines späteren Lehrers Albert Rousell in Paris hervorgetan, wo er in den Jahren 1923-41 lebte. Danach ging er in die USA. Seitdem entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten weltbekannten Komponisten. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Italien und in der Schweiz, wo er auch starb. Sein Werk ist zahlenmäßig gesehen riesig. Bei den Symphonien gehörten Halftime (1924) und La Baggare (Vřava, 1926) zu seinen ersten Erfolgen. Danach Symfonia concertante pro dva orchestry (Symfonia concertante für zwei Orchester), Partita pro smyccový orchestr (Partita für Streichorchester) und vor allem Concerto grosso und Dvojkoncert pro dva smyčcové orchestry, klavír a tympány (Doppelkonzert für zwei Streichorchester, Klavier und Pauken), das zu den weltweit besten Werken dieser Jahre zählt. Martinů hält oft Konzerte ab (für 4 Klaviere, für zwei Klaviere, Violinkonzerte, zwei für Violoncellokonzerte und viele weitere). Aus mehr als 70 Kammerwerken entstehen Quartette, Sonaten für Geige und Klavier, Sonaten für Violoncello und Klavier. In seinen Vokalkompositionen gibt es eine Reihe hervorragender Lieder (vor allem Nový špalíček/Neues Stöckl, Písničky na jednu stránku, písničky na dvě stránky/Lieder für eine Seite und Lieder für zwei Seite), zu den Opern zählen Hry o Marii (Marienspiele), Julietta, Řecké pašije (Griechische Passionen). Von insgesamt zehn Balletten ist vor allem das gesungene Špalíček (Das Stöckl) zu erwähnen.

Wichtige Komponisten

Josef Bohuslav Foerster (1859-1951)

Vítězslav Novák (1870-1949)

Josef Suk (1874-1935)

Otakar Ostrčil (1879-1935)

Otakar Zich (1879-1934)

Rudolf Karel (1880-1945)

Leoš Janáček (1854-1928)

Ladislav Vycpálek (1882-1969)

Emil Axman (1887-1949)

Karel Boleslav Jirák (1891-1972)

Bohuslav Martinů (1890-1959)

Pavel Borkovec (1894-1972)

Alois Hába (1893-1973)

Jaroslav Ježek (1906-1942)

Jan Novák (1921-1984)


 

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