Rubrikenarchiv Kultursalon
Beim Schriftstellerkongress 1967 öffnet sich tiefe Kluft zwischen Kulturschaffenden und Parteispitze
Der „Prager Frühling“ war 1968 eine Reformbewegung in der
tschechoslowakischen kommunistischen Partei. Als Beginn gilt in der Regel
der 5. Januar desselben Jahres. An diesem Tag wurde Alexander Dubček neuer
Parteichef und löste damit Staatspräsident Antonín Novotný in dieser
Funktion ab. Rund drei Monate später wurde Dubček zudem auch
Staatsoberhaupt. Den Auftakt zum Prager Frühling bildete allerdings der
IV. Kongress des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes Ende Juni
1967. mehr...
Ansätze von Tauwetter der 1960er Jahre: Tschechoslowakische Kulturschaffende fordern mehr Demokratie und Freiheit
1956 kritisierte eine kleine Gruppe von Schriftstellern den Umgang der
kommunistischen Staatspartei mit andersdenkenden Kollegen auf dem 2.
Kongress des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes. Die
Parteiführung hatte den völlig unerwarteten und vereinzelten Protest als
ernstes Warnsignal gewertet und die aus ihrer Sicht einzig richtige Antwort
gegeben: Die Kultur noch mehr im Sinne der dogmatischen Parteilinie
festzuschnüren. Die folgende Periode wurde von einigen Zeitzeugen die
„kleine Eiszeit“ genannt. Doch Anfang der 1960-er Jahre begann „das
Eis“ zu schmelzen. Einen maßgeblichen Anteil daran hatte das Presseorgan
des Schriftstellerverbandes - die kulturpolitische Wochenzeitung
„Literární noviny“. mehr...
Vernetzung von Kunst und Politik: Tschechoslowakischer Schriftstellerverband im Dienst der Staatspartei
Der Zweite Weltkrieg war eine tiefe Zäsur in der Geschichte der
Tschechoslowakei. Rund drei Jahre danach wurde sie zu einem der
Satellitenstaaten der Sowjetunion. Ein Teil der Gesellschaft sah dies als
eine logische Folge in der Entwicklung, zu der maßgeblich auch Illusionen
und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft beigetragen haben. Schon vor der
kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 deuteten viele Signale auf
die bevorstehende Kursänderung in der tschechoslowakischen Politik. Auch
viele Künstler meldeten sich dabei zu Wort, insbesondere Schriftsteller
und Dichter, die sich als Träger und Vermittler politischer Ideen
verstanden. Es kam zu einer Vernetzung der Kunst mit der Politik. mehr...
Religiöse Motive und Natur – der Dichter und Graphiker Bohuslav Reynek
Bohuslav Reynek war einer der bedeutendsten tschechischen Graphiker. Er
schrieb aber auch Gedichte. Die Werke des Künstlers, der vor 120 Jahren
geboren wurde, durften im Kommunismus während der so genannten
Normalisierung nicht ausgestellt werden. Bohuslav Reynek war als Graphiker
ein Autodidakt, trotzdem erhielt er schon zu Lebzeiten einen Kultstatus. Im
Folgenden mehr über die Person und das Schaffen Reyneks, unter anderem
auch im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Pavel Chalupa. mehr...
Ende einer Komödie – Letzter Vorhang für das erfolgreichste Prager Theater
Das Ende der Komödie ist das Ende einer festen Größe im Prager
Kulturbetrieb. Am 31. Juli fiel der letzte Vorhang für das renommierte
Theater Komödie in Prag. Das Ensemble, das mit Vorliebe Stücke von
österreichischen und deutschen Autoren spielte, hat aufgrund von
Streitereien mit dem Prager Rathaus aufgegeben. Es ging, wie so oft, ums
Geld. mehr...
Zum 150. Todestag der bedeutendsten tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová
Die Schriftstellerin Božena Němcová ist die berühmteste Tschechin
überhaupt. Schon Kinder kennen sie dank der zahlreichen Märchen, die sie
gesammelt und literarisch aufgearbeitet hat. Ihr Hauptwerk „Die
Großmutter“, in dem Němcová ein idyllisches und idealisiertes Bild
ihrer Kindheit beschreibt, ist in Tschechien mittlerweile in etwa 350
Auflagen erschienen und wurde in fast 30 Sprachen übersetzt. Einen
Eindruck von Němcovás Persönlichkeit erhält man beim Lesen ihrer
umfangreichen Korrespondenz, die ebenfalls ihrem literarischen Werk
zugeordnet wird. Die Autorin und herausragende Persönlichkeit der
tschechischen Geschichte starb im Januar vor 150 Jahren. mehr...
František Kupka – vom Sattlergesellen zum Erfinder der abstrakten Malerei
František Kupka – geboren als Tscheche, später wohnhaft in Frankreich,
durch sein Schaffen ein Europäer - ist in der Kunstgeschichte nur schwer
einer Stilrichtung in der Malerei zuzuordnen. Dennoch gilt er als Pionier
der abstrakten Malerei. Ende Juni sind genau 50 Jahre seit Kupkas Tod
vergangen. Seinem Leben und Werk gilt unser heutiger Kultursalon, in dem
auch der Künstler selbst zu Wort kommt - dank einer Archivaufzeichnung des
Tschechoslowakischen Rundfunks aus dem Jahr 1946. mehr...
Zdenek Primus: die Freiheit der Fiktion
Zdenek Primus hat immer viel geschrieben: Studien, Katalogtexte und
Bücher, hauptsächlich über die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts.
Seinen ersten belletristischen Text aber verfasste er im Alter von bereits
57 Jahren. Es war der Versuch, ein Stück Familiengeschichte zu
verarbeiten, die Geschichte der Generation seiner Eltern, die geprägt war
vom Krieg. Geboren wurde Primus 1952 im mährischen Brünn als Sohn einer
deutsch-tschechischen Familie. 1977 emigrierte er nach Deutschland. mehr...
Tomáš Němec – aufgehender Stern der tschechischen Malerszene
Mucha, Kupka, Čapek – alles bekannte tschechische Maler. Nun zeigt eine
neue Ausstellung in der Prager „Chemistry Gallery“ einen talentierten
und jungen tschechischen Maler: Tomáš Němec. Mehr zum Maler und seinen
Bildern hören Sie nun in einer neuen Ausgabe unserer Sendereihe
Kultursalon. mehr...
"Kino des Vergessens" - die Normalisierung des tschechoslowakischen Films nach 1968
Wie schon im vergangenen Jahr hat auch das diesjährige Filmfestival von
Karlovy Vary / Karlsbad die digitale Weltpremiere eines tschechischen
Filmklassikers erlebt. Nach František Vláčils Film „Markéta
Lazarová“ war es diesmal der 45 Jahre alte Spielfilm „Hoří, má
panenko“, auf Deutsch als „Der Feuerwehrball“ bekannt: Gedreht wurde
er vom tschecho-amerikanischen Oscar-Regisseur Miloš Forman. Der Streifen
soll jetzt den Weg zu einem breiteren Publikum finden: vor allem zu den
jüngeren Kinogängern. Diese wissen eher weniger über die so genannte
Neue Welle des tschechoslowakischen Kinos der 1960er Jahre und über das
Schicksal von Regisseuren und ihrer Filme während der so genannten
„Normalisierung“ nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“
1968. mehr...
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