Rubrikenarchiv Feuilleton
Vatschlav und die Beharrlichkeit der Ignoranz
Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Gerade dort, wo es schnell gehen
muss. Also auch im Journalismus. Also auch bei Radio Prag. Schöne Grüße
aus dem Glashaus. Ich will aber gar nicht mit Steinen auf einzelne
Fehlleistungen werfen. Gegenstand meines Interesses sind vielmehr
Grundmuster beharrlicher Ignoranz, die sich mit schöner Regelmäßigkeit
wiederholen, und zwar auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen
Sprachgrenze.
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Das Runde muss in 90 Minuten immer wieder ins Eckige
„Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.“ Eine
Binsenweisheit, die einst der Fußball-Lehrer aussprach, der den deutschen
Fußball nach dem Weltkrieg wieder salonfähig machte: der ehemalige
Bundestrainer Sepp Herberger. Zwei simple Feststellungen, die auch heute
noch nichts von ihrer Interpretationskraft eingebüßt haben. Vor allem der
tschechische Fußball kann derzeit schon ein Lied davon singen.
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Was ich so alles gewählt hätte
Eigentlich wollte ich wählen gehen. Als EU-Bürger aus Deutschland darf
ich ja auf kommunaler Ebene auch in Tschechien mitbestimmen. Dachte ich
wenigstens.
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Mit den Rumbakugeln gegen die Taliban
Es scheint, als greife die Armee auf ihre historisch bewährte Taktik
zurück. Dies fiel mir ein, als ich vor ein paar Tagen einen
Zeitungsbericht über eine Verhandlung beim Prager Stadtgericht las. Vor
Gericht sagte ein Oberst aus, der wegen so genannter „schwarzen Fonds“
angeklagt wurde, die vor Jahren in der Armee errichtet worden sind. Die
Armee gab der Aussage zufolge in den vergangenen Jahren Geld auch für
Dinge wie Rumbakugeln, Tamburine, Xylophone, Fibeln oder Damen-T-Shirts
aus. Die Aufzählung von Quittungen für Hunderte Schachteln von
Farbstiften, Trommeln, Plüschtieren, Kinderkalendern oder auch Maniküren
sei, so die Zeitung, endlos gewesen.
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Geld mit Biss
Es gibt in Tschechien noch immer die Krone als Zahlungsmittel. Und zwar in
Banknoten und Münzen, wie in jedem anderen Land der Welt auch. Banknoten
gibt es in sieben verschiedenen Wertigkeiten, von 50-Kronen-Scheinen bis
hin zu 5000er-Scheinen.
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Der Dumme ist immer der Kunde - aber er weiß sich zu wehren
Sie wissen bestimmt, dass der Europäischen Union die hohen Gebühren für
Mobilfunkgespräche im Ausland schon lange ein Dorn im Auge sind. Daher
werden diese so genannten Roaming-Kosten seit einigen Jahren schrittweise
von Amts wegen gesenkt. Seit 1. Juli dieses Jahres dürfen die
Telekomanbieter für abgehende Gespräche im Ausland maximal 39 Cent, für
eingehende Telefonate höchstens 15 Cent verrechnen.
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Brief für Marta
Im April haben wir unsere neue Sendereihe Buch.cz mit einem Beitrag über
die Reportagensammlung „Gottland“ gestartet. Der polnische Autor
Mariusz Szczygieł erzählt darin bemerkenswerte Geschichten aus Tschechien
und der ehemaligen Tschechoslowakei. Viele davon ziehen sich über Jahre
und Jahrzehnte hin, wie etwa die Geschichte der Sängerin Marta Kubišová.
Szczygiełs Buch wurde zum Verkaufsschlager, dennoch bedauert der Autor
vielleicht gerade, dass es bereits erschienen ist. Diese Woche nämlich
wurde die Geschichte Kubišovás um ein bemerkenswertes Kapitel länger.
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Der bizarre Reiz des Prager Sommers
Das Leben in der Hauptstadt Prag hat einen bizarren Reiz. Und seine eigenen
Gesetze. Denn neben den vier Jahreszeiten, die Kälte, Matsch, Sonne, Wind
und Nässe bringen, unterscheidet der Prager vor allem drei Perioden: die
Arbeits- und Schaffenszeit, die Haupturlaubszeit und die Weihnachtszeit.
Bis zur letzteren Periode dauert es noch etwas und sie ist mit maximal
zwölf Tagen auch die kürzeste. Deswegen ist sie nicht nur schnell zu
Ende, sondern auch sehr speziell.
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Traumjob: Blumengießerin im Verkehrsministerium
„Möchtest du nicht Gärtnerin werden?“, fragte mich am
Donnerstagmorgen ein Bekannter am Telefon. Den Sinn der Frage habe ich in
dem Moment nicht begriffen. Denn unter meinen Freunden hat sich längst
herumgesprochen, dass in meinem Haushalt nicht einmal die Wüstenpflanzen
überleben. Mein Bekannter fuhr fort: „Die Gießkanne kannst du doch in
der Hand halten. Guck dir die Zeitung an, wie lukrativ Blumengießerei sein
kann.“ Wirklich, der Mann hatte Recht. Auf der Titelseite der Mladá
fronta Dnes las ich die Schlagzeile: „Das Gießen einer Blume kostete 460
Kronen monatlich, also etwa 18,50 Euro.“
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Und der Sieger ist …. der Prager ÖPNV
Die Straßenbahn ächzt den Berg hinauf – und ich überlege, aus welchem
Jahr denn dieses Museumsstück stammt. Ein bisschen haben die Prager
Verkehrsbetriebe das Gefährt noch aufgehübscht, doch so richtig ist es
ihnen nicht gelungen: Die offensichtlich neu installierten Sitze sehen zwar
körperfreundlich geformt aus, aber sie sind komplett aus Holz. Nach einem
kurzen Sitzversuch ziehe ich das Stehen vor.
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