Wochenschau
Die Hauptnachricht der Woche war zweifellos der zweitägige Besuch des russischen Präsidenten Vladimir Putin in Prag. Es war die erste offizielle Visite eines russischen Staatsoberhaupts in Tschechien seit 13 Jahren.
Präsidenten Vladimir Putin und Vaclav Klaus (Foto: CTK)
Übereinstimmend bezeichneten Putin und der tschechische Premierminister
Jiri Paroubek die tschechisch-russischen Beziehungen als "so gut
wie
noch nie in der Geschichte". Die Gespräche Putins mit
tschechischen
Spitzenpolitikern drehten sich vor allem um wirtschaftliche Fragen wie
etwa die russischen Öl- und Erdgaslieferungen nach Tschechien. Die
Tschechische Republik bezieht 75 Prozent ihrer Gasimporte aus Russland.
Beide Seiten betonten den pragmatischen Zugang zu bilateralen Fragen. Der
tschechische Präsident Vaclav Klaus forderte eine
"Entpolitisierung" der Energie-Frage, die primär
wirtschaftlichen Charakter habe. Für die Invasion der
Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 räumte Putin
die moralische Verantwortung seines Landes ein. Rechtlich sei Russland
dafür jedoch nicht verantwortlich, so Putin.
Westböhmische Zollbeamte haben im Laufe der Woche weitere deutsche LKW mit
Abfall an der Grenze zurückgewiesen. Einer der Lastwagen hätte sogar
gefährliche Asbestrückstände nach Tschechien bringen sollen. Die
verschärften LKW-Kontrollen, die am 1. März an der tschechisch-deutschen
Grenze anliefen, sollen die illegale Einfuhr von Abfällen aus Deutschland
reduzieren, wie sie seit einigen Wochen vermehrt beobachtet wird. Das
EU-Recht verbietet allerdings ein generelles Verbot von Müllimporten. Für
Recycling-Zwecke darf Abfall grundsätzlich auch über die Grenzen hinweg
transportiert werden. Vertreter des tschechischen Umweltministeriums
forderten am Donnerstag bei einem Treffen mit deutschen Amtskollegen in
Dresden, dass illegal nach Tschechien importierter Müll auf Kosten der
deutschen Firmen, die daran verdienten, zurück nach Deutschland gebracht
werden soll.
Vaclav Klaus und Horst Köhler (Foto: CTK)
Die Präsidenten Tschechiens und Deutschlands, Vaclav Klaus und Horst
Köhler, sprachen am Dienstag bei ihrem Treffen in der sächsischen Stadt
Pirna davon, dass das Verhältnis zwischen beiden Ländern sehr gut sei.
Köhler hob namentlich die wirtschaftlichen Beziehungen hervor. Klaus
erwähnte unter anderem auch das Problem der illegalen Mülleinfuhren aus
Deutschland nach Tschechien. An seiner Lösung müssen ihm zufolge die
Behörden beider Länder arbeiten. Der tschechische Präsident verwies auch
auf das Projekt des binationalen Schiller-Gymnasiums in Pirna, das einen
Beitrag zur gegenseitigen Verständigung darstelle. Dort lernen etwa 180
deutsche und tschechische Mädchen und Jungen gemeinsam. Das Angebot
existiert seit 1998.
Foto: Europäische Kommission
Seit dieser Woche gehört die Tschechische Republik für die Weltbank in die
Kategorie der Industrieländer. In diesen Rang wurde sie in Prag offiziell
von Weltbankchef Paul Wolfowitz eingeführt. Bislang galt Tschechien als
Entwicklungsland. Bereits vor der feierlichen Zeremonie rief Wolfowitz die
tschechische Seite auf, weitere Reformen im Bereich des Renten- und
Gesundheitswesens durchzuführen. Wegen der zunehmenden Alterung der
Bevölkerung sei dies eine Herausforderung für ganz Europa. Gleichzeitig
würdigte Wolfowitz die Fortschritte, die die Tschechische Republik in den
zurückliegenden 15 Jahren gemacht habe.





