Wochenschau
Die Bildung einer neuen tschechischen Regierung, das gespannte Verhältnis zwischen Präsident Klaus und Befürwortern der EU-Verfassung, und wieder einmal der Dauerbrenner "Kinderprostitution im tschechisch-deutschen Grenzgebiet". Das waren einige der wichtigsten Themen der ablaufenden Woche.
Jirí Paroubek und seine Mitte-Links-Regierung (Foto: CTK)
Die Tschechische Republik hat seit Beginn der Woche einen neuen
Premierminister und eine neue Regierung. Präsident Václav Klaus hat am
Montag den Sozialdemokraten Jirí Paroubek zum neuen Regierungschef und die
von ihm vorgeschlagenen Kandidaten zu Ministern ernannt. Der über drei
Monate währende Streit in der tschechischen Mitte-Links-Regierung wurde
mit diesem Akt vorerst beigelegt.
Nur einen Tag, nachdem sich die neue tschechische Regierung aus Sozialdemokraten, Christdemokraten und Liberalen konstituiert hat, mehrten sich jedoch bereits die skeptischen Stimmen aus dem Lager der Sozialdemokratischen Partei (CSSD). Einige CSSD-Abgeordnete schließen seit Dienstag nicht aus, dem Kabinett von Jirí Paroubek bei der notwendigen Vertrauensabstimmung im Abgeordnetenhaus die Gefolgschaft zu verweigern. Darunter befinden sich auch der ehemalige Außenminister Jan Kavan sowie der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im Abgeordnetenhaus, Vladimír Lastuvka. Beide wollen mehr Einfluss der CSSD auf das vom Christdemokraten Cyril Svoboda geführte Außenamt. Kavan und Lastuvka gelten - ebenso wie andere Kritiker des neuen Kabinetts - als Vertreter des linken Flügels der CSSD. Spekulationen darüber, ob sie die neue Regierung schließlich unterstützen werden oder nicht, setzten sich im Verlauf der gesamten Woche fort.
Vaclav Klaus
Das gespannte Verhältnis zwischen Präsident Václav Klaus, der als Gegner
der Europäischen Verfassung gilt, und einigen Abgeordneten des
EU-Parlaments, die den Verfassungsvertrag aktiv unterstützen, war ein
weiteres wichtiges Thema der vergangenen Woche. Klaus hatte zuletzt in
Vorträgen, Broschüren und Interviews Thesen vertreten, die zunehmend auch
auf Kritik aus Brüssel stoßen. Nachdem hochrangige Vertreter des
Europaparlaments dem tschechischen Präsidenten vorige Woche
"lügenhaftes und unseriöses Argumentieren" vorgeworfen hatten,
sprach Klaus von einer Beleidigung der Tschechischen Republik. Am Dienstag
schaltete sich Lubomír Zaorálek, der sozialdemokratische Vorsitzende des
tschechischen Abgeordnetenhauses, in die Diskussion ein. Zarorálek
unterstützte die Kritik an Klaus und forderte diesen zu einer ruhigen und
emotionsfreien Debatte über die Europäische Verfassung auf. Am Donnerstag
schließlich stellte sich der Vorsitzende des Europäischen Parlaments,
Josep Borrell, hinter seinen Stellvertreter Alejo Vidal-Quadras und den
Vorsitzenden des EU- Verfassungsausschusses Jo Leinen, die die
Stellungnahmen von Klaus auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz
kritisiert hatten. In einem Brief an Klaus schrieb Borrell, dass er diese
Kritik als berechtigte Reaktion auf die persönliche politische Meinung von
Klaus ansehe.
Wieder einmal stand diese Woche das Thema Kinderprostitution auf der
medialen Agenda. Die westböhmische Polizei hat nach einem Bericht des
Tschechischen Fernsehens (CT) erstmals eingeräumt, dass es sich bei der
Kinderprostitution im Grenzgebiet zu Deutschland nicht um Einzelfälle
handelt. Bisher hatten die Behörden auf Einwände von Bürgerinitiativen
stets gesagt, es handle sich nicht um ein Massenphänomen. Nun hat ein
Experte der Polizei in Cheb (Eger) zugegeben, dass allein im vergangenen
Jahr etwa 60 solcher Fälle untersucht wurden, berichtete das Tschechische
Fernsehen am Dienstag. Der Bürgermeister von Cheb, Jan Svoboda, versprach
konkrete Schritte gegen Kinderprostitution in der Grenzstadt. Die
Nachrichtenagentur CTK berichtet in diesem Zusammenhang, dass die
tschechische Polizei Informationen über pädophile Interessenten an die
Behörden in Deutschland weitergegeben habe.
Ute Lemper in Prag (Foto: CTK)
Kultur: Die deutsche Sängerin Ute Lemper hat mit einem umjubelten Konzert
in Prag am Dienstagabend einen erfolgreichen Tournee-Auftakt gefeiert. Vor
mehr als 1000 Besuchern im ausverkauften Smetana-Saal des Prager
Gemeindehauses interpretierte die 41-Jährige Lieder von Kurt Weill in
Deutsch, Französisch und Englisch. Begleitet wurde Lemper vom Prager
Symphonieorchester unter der Leitung von Libor Pesek. Am Ende des rund
zweistündigen Auftritts wurde die Sängerin vom begeisterten Publikum mit
langem Applaus verabschiedet.





