Tauziehen um Verkauf von ČEZ-Bulgariensparte

Der tschechische Energieriese ČEZ zieht sich aus Bulgarien zurück. Reibungslos verläuft das jedoch nicht.

Foto: ČT24Foto: ČT24 In der Prager Unternehmenszentrale des Energiegiganten ČEZ dürften die Nerven in dieser Woche unter Hochspannung stehen. Seit Dienstag wird nämlich mit Vertretern des bulgarischen Unternehmens Inercom verhandelt, dieses will nämlich die Aktiva von ČEZ in dem Balkanland aufkaufen.

Eigentlich wurde ein entsprechender Vertrag bereits am 23. Februar unterzeichnet. Kurz darauf legte das bulgarische Kartellamt aber sein Veto ein, denn der Handel schien den Wirtschaftswächter mehr als nebulös. Insgesamt beträgt das Volumen des Geschäfts 320 Millionen Euro. Einen Teil davon, konkret 180 Millionen Euro, hatte sich Inercom jedoch aus zwei nicht veröffentlichten Quellen beschafft. Außerdem ist das Unternehmen eine große Unbekannte in Bulgarien. Die Kartellwächter haben deshalb Zweifel, ob Inercom überhaupt dazu fähig ist, die Kapazitäten von ČEZ zu übernehmen.

Temenuschka Petkowa (Foto: Archiv von Temenuschka Petkowa)Temenuschka Petkowa (Foto: Archiv von Temenuschka Petkowa) In der Zwischenzeit sorgte der geplante Verkauf der ČEZ-Bulgariensparte für eine Regierungskrise in Sofia. Die Energieministerin im Kabinett von Premier Bojko Borissow, Temenuschka Petkowa, soll nämlich enge Verbindungen zu Inercom unterhalten. Die Politikerin bot daher ihren Rücktritt an, was der konservative Regierungschef jedoch ablehnte.

In der vergangenen Woche stand das ČEZ-Geschäft zudem im Mittelpunkt von Gesprächen zwischen Borissow und dem geschäftsführenden tschechischen Premier Andrej Babiš (Partei Ano). Immerhin gehört der Energieversorger zu großen Teilen dem Staat.

ČEZ ist seit 2005 in Bulgarien aktiv, es war die insgesamt erste Auslandsexpansion des Energieversorgers. Einen Abzug aus dem Balkanland plant ČEZ aber bereits seit längerem, als Grund dazu führt die Unternehmensleitung regelmäßige Obstruktionen durch die bulgarische Verwaltung an.