Poldi-Hütte hat neuen Eigentümer

Hoffnung für die insolvente Traditionsfirma aus Kladno. Der neue Eigentümer wirft jedoch Fragen auf.

Für die insolvente Poldi-Hütte könnte es endlich Licht am Ende des Tunnels geben. Das Traditionsunternehmen aus Kladno / Kladen hat nach einer Versteigerung am Donnerstag nämlich einen neuen Eigentümer. Den Zuschlag hat das Unternehmen Compagnia del mediterraneo Steel mit Sitz in Brno / Brünn bekommen, und zwar für 261 Millionen Kronen (10,3 Millionen Euro). Vorangegangen war ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem ungenannten weiteren Bewerber. Der Betrag muss nun bis spätestens Mitte Mai überwiesen werden.

Wer der neue Inhaber der Poldi-Hütte wirklich ist, weiß bisher niemand. Laut dem Geschäftsführer von Compagnia del mediterraneo Steel, Stanislav Kraslavski, handelt es sich um die Filiale eines großen internationalen Players aus dem Bereich Vermögensverwaltung. Die Wirtschaftsexpertin des Nachrichtenportals Seznam Zprávy, Zuzana Kubátová, weist jedoch darauf hin, dass bei Compagnia del mediterraneo Steel in keinem einzigen Handelsregister weder ein eigentlicher Eigentümer, sonstige Tätigkeiten des Unternehmens noch Angaben zur Solvenz zu finden seien. Außerdem sei die Firma erst am 2. März dieses Jahres bei den tschechischen Behörden als Subjekt eingetragen worden, so Kubátová.

Ebenso wie um seine Hintergründe, macht Compagnia del mediterraneo Steel auch um seine Pläne mit der Poldi-Hütte ein großes Geheimnis. Man habe große Erfahrungen mit Fällen wie der Poldi-Hütte, so Kraslavski, eine genaue Investitionssumme wolle er aber nicht nennen. Die Zukunft des Kladener Betriebs hänge sowieso von der Lage auf dem Markt ab, zügelt der Geschäftsführer eventuelle Hoffnungen auf eine endgültige Rettung.

Die 1889 vom Unternehmer Karl Wittgenstein gegründete Poldi-Hütte war einst der industrielle Stolz der Region. Auch nach der Verstaatlichung 1948 lief der Betrieb ungestört weiter. Im Zuge der Privatisierung nach der Wende von 1989 wurde das Unternehmen jedoch zerschlagen und fiel massiver Misswirtschaft zum Opfer. Spätestens seit 1996 war die Poldi-Hütte nicht mehr konkurrenzfähig, wobei auch massive Investitionen der deutschen Scholz AG um die Jahrtausendwende ins Leere liefen. Ende vergangenen Jahres musste der Betrieb schließlich Insolvenz anmelden.