Frauen verdienen bis zu 29 Prozent weniger

Das tschechische Ministerium für Arbeit und Soziales hat die Gehaltslücke bei den Geschlechtern ermitteln lassen.

Foto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0Foto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0 Die Studie, die das Ministerium in Auftrag gegeben hatte, wurde im Vorfeld des Europäischen Tags gleicher Entlohnung (3. November) vorgestellt. Sie nennt konkrete Zahlen. Demnach ist der sogenannte Gender Gap bei Beschäftigten mit Hochschulabschluss ganz besonders hoch: Er liegt im Durchschnitt bei 29 Prozent weniger Lohn für Frauen. Das entspricht 15.000 Kronen (580 Euro) im Monat. Am geringsten ist der Geschlechterunterschied bei Angestellten mit Grundschulbildung (vergleichbar mit Hauptschulabschluss in Deutschland): 17 Prozent oder 3400 Kronen (130 Euro) weniger Lohn als Männer erhalten Frauen in dieser Kategorie im Schnitt.

Michaela Marksová (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)Michaela Marksová (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik) Insgesamt liegt die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern in Tschechien bei 22 Prozent. Es ist der zweithöchste Wert in der Europäischen Union. Die scheidende Arbeits- und Sozialministerin Michaela Marksová (Sozialdemokraten): „Tschechien liegt innerhalb der EU auf dem vorletzten Platz. Wenn dieses Problem nicht in Politik und im öffentlichen Sektor gelöst wird, dürfen wir nicht erwarten, dass dies der Privatsektor von selbst macht.“

Marksová betonte, dass nicht nur die Frauen selbst durch den Gender Gap geschädigt würden, sondern auch ihre Familien und vor allem ihre Kinder. Außerdem führe dies zu tendenziell höherer Altersarmut bei Frauen, so die Politikerin.

Die Autorinnen der Studie wiesen zudem darauf hin, dass hierzulande weiter traditionelle Vorstellungen über die Rollenverteilung der Geschlechter existierten. Die Soziologin Maria Čermáková von der Akademie der Wissenschaften bezeichnete Tschechien bei den Gehaltsunterschieden als „rückständiges Land“. Vor allem herrsche die Tendenz vor, „die Unterschiede nicht zu verringern, sondern noch zu vertiefen“.