Wirtschaftsmagazin Reisebüros in Tschechien: Schwarzen Schafen soll konsequenter begegnet werden
Sommerzeit ist Urlaubszeit. Für eine Reise mit entsprechender Unterkunft und organisiertem Transport kann man in Tschechien auf nahezu 1500 Veranstalter zurückgreifen. Doch nicht wenige von ihnen arbeiten dem Gesetz nach illegal. Der Grund: Sie sind nicht versichert. Auch das hat in diesem Jahr dazu geführt, dass sechs Reisebüros inzwischen Insolvenz anmelden mussten. Die fehlende Versicherung gegen eine Insolvenz ist aber nicht die einzige Unseriosität so mancher Reisebüro-Betreiber.
Reisebüros gehören eigentlich zu den stabilsten Unternehmen in
Tschechien. Die sechs Pleiten aus den letzten Wochen lassen zwar das
Gegenteil vermuten, doch hochgerechnet auf die Gesamtzahl der Reisebüros
machen Insolvenzen jährlich nur einen Anteil von 0,5 bis 0,7 Prozent aus.
Branchenübergreifend liegt die Quote schließlich bei 5 Prozent. Deshalb
hält der stellvertretende Minister für Regionalentwicklung, Michal
Janeba, die gegenwärtige Situation auch für wenig dramatisch:
Michal Janeba
„Die Zahl der Kunden, die von den Pleiten der Reisebüros betroffen
waren, fällt auch dieses Jahr nicht aus dem Rahmen. Leider haben sich
diese Pleiten auf die beiden letzten Wochen konzentriert. Es droht jedoch
keine Krise, und es ist auch keine Blase entstanden, die auf unlautere
Geschäftspraktiken hinweisen würde.“
Eine ähnliche Meinung vertritt auch der Vizechef der Assoziation der Reisebüros beim tschechischen Tourismusverband (ACK SOČR), Jan Papež. Allerdings hatte der Tourismusexperte schon zu Jahresbeginn gemahnt:
„Für jedes Reisebüro besteht die Pflicht, für alle Eventualitäten versichert zu sein. Es gibt aber immer noch einige Firmen, die im Reiseverkehr tätig sind, ohne eine Versicherung abgeschlossen zu haben. Das heißt de facto, sie bieten illegal Reisen an. Wir hoffen deshalb, dass der Staat in solchen Fällen härter durchgreift. Das Gesetz, nach dem Reiseverkehrsunternehmen zur Gewährleistung von Reisen versichert sein müssen, muss für alle gelten.“
Reisebüro Majestic Travel (Foto: Zdeněk Přidal, ČT 24)
Doch die Branche scheint ihn nicht erhört zu haben. Vor kurzem musste
Papež daher erneut feststellen:
„Es gibt noch Dutzende Reisebüros, die ohne Versicherung dastehen. Möglicherweise liegt ihre Zahl sogar bei rund 100.“
Zu ihnen gehört auch das Reisebüro Majestic Travel aus dem mährischen Boskovice, dessen Kunden erst jüngst in großen Unannehmlichkeiten steckten. Nach der Ankunft einer Reisegruppe in ihrem kroatischen Urlaubsort wurde zunächst die Herausgabe ihres Gepäcks verwehrt. Der Grund: Das von Majestic Travel beauftragte Busunternehmen hatte bis dahin noch kein Geld bekommen. Doch das war nur der Beginn. Da die finanziellen Schwierigkeiten des Reisebüros offensichtlich wurden, mussten die Touristen ohne Erholung schon bald wieder die Heimreise antreten. Einem Verein aus Žďár nad Sázavou wurde die bestellte Reise für 55 Personen sogar ersatzlos gestrichen. Die Rückzahlung des Vorschusses von umgerechnet fast 12.000 Euro muss der Verein jetzt wohl oder übel vor einem Gericht erstreiten. Jan Papež macht allerdings wenig Hoffnung auf Erfolg:
Jan Papež
„Die Leute, die dem nicht versicherten Reisebüro einen Vorschuss
gezahlt haben, werden das Geld wohl verlieren. Ohne Versicherung war
Majestic Travel nämlich offiziell kein Reisebüro. Deshalb empfehle ich
allen Kunden, vor einem Vertragsabschluss zu prüfen, ob das jeweilige
Reisebüro auch versichert ist.“
Dazu sollten sich die Klienten das Versicherungszertifikat vorzeigen
lassen, jedes legale Reisebüro muss dies haben. Außerdem könnten sie
sich zuvor schon auf der Internetseite des Ministeriums für
Regionalentwicklung schlau machen, denn dort würden alle offiziell
registrierten Reisebüros geführt, ergänzt Papež.
Dennoch: Im Fall von Majestic Travel war auch das Ministerium nichts
bestens informiert. Nach Vorlage der Police, die das Reisebüro mit der
Versicherung Generali abgeschlossen hatte, hatte Majestic Travel am 21. Mai
vom Ministerium die Zustimmung zur Erteilung der Konzession erhalten. Nur
eine Woche darauf wurde die Konzession vom Gewerbeamt ausgestellt.
Anderthalb Monate später informierte Generali das Ministerium aber
darüber, dass der Versicherungsvertrag ungültig sei, weil Majestic Travel
den fälligen Betrag nicht fristgemäß gezahlt habe. Da waren bereits die
ersten Kunden des jungen Reisebüros nichts ahnend auf dem Weg nach
Kroatien…
Aleš Hozdecký
Dieser Fall hat das Ministerium erneut zum Nachdenken veranlasst. Dort
will man nun eine weitere Gesetzesnovelle erarbeiten, die besonders den
Klienten der Reisebüros zu Gute kommen soll. Dazu erklärte der
Abteilungsleiter für Reiseverkehr beim Ministerium, Aleš Hozdecký:
„Wir wollen die Bedingungen für die Tätigkeit der Reisebüros präzisieren. Dabei sollen die Spielregeln sowohl für die Reisebüros als auch für die Versicherungen klar definiert werden. Wir wollen damit ein Maximum an Sicherheit für die Klienten erzielen.“
Dem überarbeiteten Gesetz nach sollen die Reisebüros dann verpflichtet
sein, ihren Kunden den Beleg einer gültigen Versicherung vorzulegen.
Jana Jaburková
Neben der fehlenden Versicherung trifft man in der Tourismusbranche
allerdings noch auf ein zweites und vermutlich noch größeres Problem.
Reisebüros, die schlecht gewirtschaftet haben und dadurch gescheitert
sind, tauchen häufig kurze Zeit später unter neuem Namen wieder auf. Weil
der Besitzer eines pleitegegangenen Unternehmens zunächst keine weitere
Firma führen darf, wird das neue Reisebüro zumeist von einem Verwandten
oder Freund geleitet. Der ursprüngliche Inhaber aber hält sich scheinbar
im Hintergrund und führt offiziell nur die Funktion eines untergeordneten
Direktors oder Beraters aus. Gegen diese Praxis habe man leider noch keine
Handhabe, beklagt die Sprecherin des Ministeriums für
Regionalerntwicklung, Jana Jaburková:
„Das Ministerium kann die Familie, die Verwandten und Freunde eines Unternehmers nicht überprüfen lassen. Das wird durch das Gesetz nicht erlaubt.“
Auch Tourismusexperte Papež bestätigt, dass man beim Aussortieren der
schwarzen Schafe in der Branche immer noch auf gewisse Grenzen stößt:
„Die Überprüfung der Strukturen eines Reisebüros erweist sich als schwierig. Insbesondere dann, wenn der eigentliche Besitzer nur als Berater auftritt oder einen Handlanger als Geschäftsführer einsetzt. Die Entstehung eines solchen Nachfolgeunternehmens zu verhindern, ist also sehr kompliziert. Das Problem muss der Markt als solcher lösen.“
Das könne jedoch dauern, bemerkt Papež und ergänzt, dass auch der Weg über eine Gesetzesänderung nicht der kürzeste sein wird:
„Unseren Informationen nach muss es zu einer Änderung des
Gewerbegesetzes kommen. Ganz einfach deshalb, damit Unternehmer, die in
einer Branche versagt und ihre Firma in den Ruin geführt haben, nicht in
der gleichen Branche beispielsweise als Geschäftsführer oder Manager
einer anderen Firma weitermachen können. Ich denke aber, bis zu einer
solchen Lösung ist es noch ein langer Weg.“
Für die Touristen aber, die sich mittels eines hiesigen Reisebüros eine tolle Urlaubsreise gönnen wollen, bedeutet das nach wie vor: Sie müssen wachsam bleiben und vor Vertragsabschluss genau hinsehen, mit wem sie sich einlassen. Ansonsten wird der Traum vom schönen Urlaub sehr schnell zum Albtraum.





