Wirtschaftsmagazin Regierung und Zentralbank unisono: Erst Reformen, dann Einführung des Euro
Kommt er oder kommt er nicht? In der tschechischen Wirtschaft wird in letzter Zeit immer häufiger über die Notwendigkeit der baldigen Einführung des Euro debattiert. Doch die Regierung und die Zentralbank des Landes wiegeln ab und wollen sich nicht auf ein verbindliches Datum der Euro-Einführung festnageln lassen.
Die Tschechische Nationalbank
Die tschechische Wirtschaft boomt, doch in den zurückliegenden Tagen und
Wochen werden – in weiser Voraussicht – immer wieder zwei Probleme
angesprochen: der stetige Kurszuwachs der Tschechischen Krone und der
zunehmende Mangel an (qualifizierten) Arbeitskräften. Beide Themen wurden
daher auch beim ersten Wirtschaftsgespräch der Deutsch-Tschechischen
Industrie- und Handelskammer erörtert. Zu dieser Veranstaltung hatte die
Kammer vor 14 Tagen zwei hochrangige Fachleute eingeladen: den Gouverneur
der Tschechischen Nationalbank, Zdenek Tuma, und den Personalchef der Skoda
Auto-Werke, Martin Jahn.
Während des Forums übte Jahn leise Kritik, und zwar darüber, dass seitens der Prager Regierung und der Zentralbank noch immer kein Zeitpunkt bestimmt wurde, zu dem auch hierzulande der Euro als Währung eingeführt werden soll. Ein Fakt, der auch andere exportorientierte Unternehmen des Landes verärgert. Eine starke Krone, so Jahn, erschwere den Absatz, da man seine Produkte im Ausland somit teurer anbieten und verkaufen müsse. Doch selbst auf Nachfrage ließ sich Gouverneur Tuma keine verbindliche Jahreszahl für die Einführung des Euro in Tschechien entlocken. Das sei in erster Linie eine politische Entscheidung, sagte Tuma und erläuterte gegenüber Radio Prag:
Zdenek Tuma
„Diese Entscheidung ist auf ihre Art eine besondere. In einem
bestimmten Maß wird sie nämlich – verzeihen Sie den Ausdruck – von
einer perversen Motivation geprägt. Auf der einen Seite gibt es eine sehr
hohe Nachfrage nach dem Euro, das heißt nach einer Währungsstabilität,
die von außen kommt. Diese Nachfrage besteht in Ländern, die sehr
instabile und hohe Leitzinsen haben. Für sie bringt der Euro natürlich
eine Reihe von Vorteilen. Aber gerade diese Länder haben Probleme, um
überhaupt in die Euro-Zone zu gelangen. Auf der anderen Seite gilt: Je
flexibler ihre Wirtschaft und je kreditwürdiger ihre Währungspolitik ist,
umso leichter kommen sie in die Eurozone. Aber ebenso, dass dieser Schritt
dann kaum noch notwendig ist. Unsere Wirtschaft steht schon jetzt auf
gesunden Füßen. Nichtsdestotrotz gibt es noch einige Engpässe abzubauen,
zum Beispiel im Bereich der öffentlichen Finanzen und bei der
Arbeitsmarktpolitik. Hier gehen wir mit der Regierung konform, die einen
flexibleren Arbeitsmarkt anstrebt. Wenn es uns gelingen wird, diese
Engpässe zu überwinden, dann kann auch die Entscheidung über den
Zeitpunkt des Beitritts zur Eurozone getroffen werden.“
Mit anderen Worten: Die Tschechische Republik verfolgt das ehrgeizige
Ziel, erst ihre Schwachstellen im nationalen Finanzwesen auszumerzen, um
die Einführung des Euro möglichst reibungslos und schmerzfrei
durchführen zu können. Premier Mirek Topolanek sprach daher nur wenige
Tage später davon, dass eine Euro-Einführung im Jahr 2012 unrealistisch
sei. Ein zu früher Beitritt zur Euro-Zone würde eine Entwicklung bremsen,
die Tschechien derzeit gerade erfolgreich vorantreibe – die Verringerung
des Leistungsgefälles zu den westeuropäischen Industrienationen. Und ein
solcher Schritt würde wohl auch die Inflation erhöhen, meinte Topolánek.
Wenn jedoch Nachbarstaaten wie die Slowakei, die den Euro zum 1. Januar
2009 als Währung übernehmen will, schon bald mit der europäischen
Währung wirtschaften und handeln werden, dann wird Tschechien sehr
wahrscheinlich zu einer eurolosen Insel mitten in Europa werden, unkte
unlängst der Finanzstratege der Tschechoslowakischen Handelsbank (CSOB),
Tomas Sedlacek.
Foto: Europäische Kommission
Die Tschechische Republik will also erst ihre Hausaufgaben mit Hilfe einer
Finanz-, Renten- und Gesundheitsreform machen, bevor sie der Euro-Zone
beitritt. Als Musterschüler sozusagen, wollte ich Tuma entlocken, doch der
Gouverneur entgegnete mir selbstbewusst: „Warum als Schüler und nicht
als Lehrer?“
Und um zu bekräftigen, mit welchen Ansprüchen Tschechien sich in der europäischen Finanzpolitik etablieren will, ergänzte der Gouverneur: „Wir wollen ein vollwertiges und selbstbewusstes Mitglied der Euro-Zone werden, genauso wie wir uns bemühen, ein vollwertiges und selbstbewusstes Mitglied der Europäischen Union zu sein.“
Die Tschechische Krone wird also ähnlich wie die Schwedische Krone noch einige Jahre als Zahlungsmittel erhalten bleiben. Sehr zur Freude der meisten Tschechen, die angesichts der Kurszuwächse ein spürbares Vertrauen in ihre Währung gefunden haben. Wäre es demnach von Vorteil, wenn die Krone weiter steigen und der Wechsel auf den Euro auf der Basis einer hohen Wertigkeit erfolgen würde, wollte ich abschließend von Zdenek Tuma wissen. Der Gouverneur warnte jedoch davor, sich darauf zu verlassen, dass die Kursentwicklung immer nur in diese eine Richtung verlaufen könne:
Josef Slunecko
„Nun, ich bin nicht so sicher, dass Ihre Vorhersage von einer immer
stärker werdenden Tschechischen Krone auch so eintreffen wird. Wir haben
nämlich in den letzten Jahren gleich mehrfach erlebt, dass die Krone auch
gewissen Schwankungen unterliegen kann. Sie hatte bereits 2001 und 2002 ein
hohes Niveau erreicht, ehe danach die Phase einer starken Korrektur und
Kursschwächung einsetzte. Eine ähnliche Entwicklung haben wir Ende
vorigen Jahres verzeichnet, nachdem die Krone im zweiten und dritten
Quartal an Wert zugelegt hatte. In diesem Jahr war ihr Kurs stabil. Wenn es
etwas gibt, was die Firmen beunruhigt, dann sind es große
Kursschwankungen. Es interessiert sie weniger, wenn die Krone langfristig
um zwei, drei oder vier Prozent zulegt. Die Schwankungen aber sind oft mit
nicht geringen Überraschungen verknüpft.“
Aber es gibt immer auch Möglichkeiten und Wege, dieses Risiko zu minimieren. Eine davon nannte uns der Leiter der Marketingabteilung der berühmten Glasmanufaktur Moser, Josef Slunecko:
„Selbstverständlich versuchen wir, negative Signale in das Kalkül unserer Arbeit einzubeziehen. Zum Beispiel den Kurszuwachs der Tschechischen Krone. Deshalb wickeln wir bereits heute den Großteil unseres Außenhandels in Ländern der Euro-Zone ab. Das heißt, wir verkaufen unsere Waren in Euro.“
Wie wir in einem Tagesecho-Beitrag bereits berichtet haben, wird die
Tschechische Bahn (CD) mit Beginn des neuen Fahrplans am 9. Dezember mit
einer neuen Preisstrategie aufwarten. Und insbesondere die internationalen
Züge sollen schneller und komfortabler verkehren als bisher. Wie die
Tschechische Bahn dieses Vorhaben gewährleisten will, dazu sagte ihr
Sprecher Ondrej Kubala:
„Wir haben den letzten Teil einer Lieferung von neuen Waggons für
unsere EuroCity- und EuroNight-Züge übernommen. In diesem Jahr sind das
21 Waggons, die unter anderem für eine Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h
zugelassen sind. Alte Triebwagenzüge werden komplett von den Hauptstrecken
abgezogen und nur noch im Regionalverkehr eingesetzt. Für den
Vorstadtverkehr kaufen wir noch in diesem Jahr weitere neun
Doppelstockzüge vom Typ Elefant. Nur zur Vorstellung: eine Zugeinheit mit
drei Doppelstockwaggons kostet über 200 Millionen Kronen. Die Erneuerung
ihres Schienenfahrzeugparks finanziert die Tschechische Bahn mit 1,6
Milliarden Kronen aus Eigenmitteln sowie mit Hilfe von Leasing und
Krediten.“





