Wirtschaftsmagazin Maschinenbaumesse in Brünn bot Neuheiten von hohem technischen Niveau

12-10-2011 17:25 | Lothar Martin

Im mährischen Brno / Brünn ist am vergangenen Freitag die 53. Internationale Maschinenbaumesse (MSV) zu Ende gegangen. An der größten Leistungsschau der Branche in Mitteleuropa nahmen rund 1600 Firmen aus 25 Ländern teil. Eine Zahl, die belegt, dass trotz schleppender Konjunktur der Optimismus ungebrochen ist. Nicht ohne Grund, denn gleich nach der Messe ist Wirtschaftsminister Kocourek mit einigen Dutzend Unternehmern zu einer fünftägigen Dienstreise nach Asien aufgebrochen, wo neue Aufträge unter Dach und Fach gebracht werden sollen.

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Messegelände in Brünn (Foto: CzechTourism)Messegelände in Brünn (Foto: CzechTourism) Die diesjährige Maschinenbaumesse in Brünn stand im Zeichen der Partnerschaft mit dem Nachbarland Polen. Zu den Gästen der Leistungsschau gehörten auch führende Landespolitiker, allen voran Staatspräsident Václav Klaus. Für Messedirektor Jiří Rousek am erfreulichsten aber war die Tatsache, dass sich Zahl der Aussteller, Teilnehmer und Besucher nach dem jüngsten Rückgang wieder auf einem hohen Wert stabilisiert hat:

„Gewiss hat die Krise auch eine Reihe von Maschinenbauzweigen sehr hart getroffen. Erinnern möchte ich nur an das Jahr 2009, für das ein drastischer Einbruch bei der Auftragslage charakteristisch war. Jetzt aber hat sich die Situation scheinbar verbessert. Als wir die Messe vorbereitet haben, schien es uns, dass die Firmen wieder optimistischer sind und auch wieder mehr Lust darauf haben, sich zu zeigen. Sie geben wieder mehr Geld für Ausstellungen und Werbung aus, vor allem aber haben sie auch etwas zu bieten.“

Václav Klaus (Foto: Archiv der Messe)Václav Klaus (Foto: Archiv der Messe) Und Rousek ließ auch keinen Zweifel daran, dass wirklich gute Qualität geboten wurde:

„Die Exponate in den Ausstellungshallen waren zum Großteil echte Neuheiten oder Innovationen von sehr hohem technischem Niveau, das dem europäischen Standard entspricht.“

Ihre Qualitätsprodukte wollen die tschechischen Firmen jetzt noch mehr auf den internationalen Märkten zum Tragen bringen. In dieser Woche weilt der Minister für Industrie und Handel, Martin Kocourek, zu Verhandlungen in Indien, Vietnam und Sri Lanka. Er wird begleitet von einer großen Gruppe von Unternehmern, die dort konkrete Geschäftsabschlüsse im Bereich Maschinenbau und Energiewirtschaft tätigen wollen. In Indien sollen zum Beispiel Verträge über Lieferungen von Maschinen und Einrichtungen im Wert von mehr als acht Milliarden Kronen (ca. 330 Millionen Euro) unterschrieben werden.

Jiří Rousek (Foto: „Průmyslové spektrum“Jiří Rousek (Foto: „Průmyslové spektrum“ In Brünn hingegen bekamen die Maschinenbauer erneut willkommenen Besuch. Wie in jedem ungeraden Jahr fand dort auch diesmal parallel zu ihrer Messe die Biennale für Transport und Logistik statt. Jiří Rousek erklärt, was man sich davon verspricht:

„Wir gehen davon aus, dass beide Messen zwei Aktionen sind, die eine Synergie haben und daher zusammengehören. Beide Veranstaltungen sind also für ihre Besucher sehr nutzbringend.“

Gerade im Transportwesen hat Tschechien jedoch noch einigen Nachholbedarf, insbesondere was den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur betrifft. Dennoch hält sich der Staat auf diesem Gebiet mit großzügigen Investitionen weitgehend zurück. Auf die Frage, ob das aber nicht die Wettbewerbsfähigkeit des Landes bremse, antwortete Rousek dem Tschechischen Rundfunk:

„Die tschechische Wettbewerbsfähigkeit ist zu einem gewissen Maße abhängig davon, wie gut die Verkehrsinfrastruktur des Landes ist. Von daher muss ich diese Frage mit ‚Ja’ beantworten.“

 

OMV will sich vom tschechischen Tankstellenmarkt zurückziehen

In puncto Autobahnen und Schnellstraßen muss Tschechien also noch zulegen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Dafür gibt es zwischen Aš / Asch in Westböhmen und Třinec in Südschlesien ein sehr dichtes Netz an Tankstellen. Für manchen Betreiber ist es schon so engmaschig, dass es zunehmend unlukrativer wird, das Kraftstoff-Geschäft aufrechtzuerhalten. Der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV, immerhin zweitgrößter Tankstellenbetreiber in Tschechien, überlegt daher, sich schon bald vom tschechischen Markt zurückzuziehen.

Man werde prüfen, ob die Erlöse in einer ganzen Reihe von Ländern die eigene Präsenz auf diesen Märkten rechtfertigen, wurde OMV-Chef Gerhard Roiss jüngst in einem Bericht des Tschechischen Fernsehens (ČT) zitiert. Unter den 13 europäischen Ländern, in denen OMV rund 4700 Tankstellen betreibt, gehört Tschechien zu denjenigen, die OMV nun verlassen will. Dafür will der Konzern sein zweites Standbein, das Erdgasgeschäft, weiter stärken. Der Chefredakteur der Fachzeitschrift Petrolmagazin, Tomáš Mikšovský, bestätigt, dass dem Erdgas die Zukunft gehört:

Tomáš MikšovskýTomáš Mikšovský „Mehrere Experten sind der Meinung, dass wir den Scheitelpunkt der Erdölförderung bereits überschritten haben, während man beim Erdgas auf noch weit größere Vorkommen zurückgreifen kann.“

Als Indiz dafür, dass sich OMV aus Tschechien zurückziehen wolle, wertet der Branchenexperte die Abberufung der lokalen Geschäftsführung – seither werde das Tschechiengeschäft aus der Ferne gelenkt, heißt es. Und noch etwas spreche dafür, dass die OMV fortan das Erdgassegment in ihrem Portfolio weiter ausbauen wolle, sagt Mikšovský:

Erdgasleitung Nabucco (Foto: Archiv Nabucco Gas Pipeline International GmbH)Erdgasleitung Nabucco (Foto: Archiv Nabucco Gas Pipeline International GmbH) „Die OMV hat ganz klar ihr Interesse daran deklariert, sich am Bau der Erdgasleitung Nabucco zu beteiligen. Dieses Projekt will ein Konsortium von Energieunternehmen vorantreiben, unter denen OMV zuletzt auch einen deutschen Konzern begrüßen konnte. Nicht ohne Grund, denn in Deutschland hat man bekanntlich mit der Abkehr von der Atomenergie einen ganz neuen Weg in der Energieversorgung eingeschlagen. Um die daraus entstehende große Lücke auch schließen zu können, will Deutschland die Atomkraft nun unter anderem durch das Erdgas ersetzen. Das Gas muss dazu aber in enormen Mengen geliefert werden.“

Um die eigenen Ambitionen auf diesem Gebiet nicht zu gefährden, will OMV das Tankstellen-Geschäft gemäß der neuen Strategie künftig nur noch auf Österreich, Deutschland, Rumänien und die Türkei beschränken. Die 220 Tankstellen in Tschechien wolle man indes verkaufen, heißt es. Einen Mangel an Abnehmern habe OMV dabei nicht zu befürchten. Im Gegenteil, das Interesse sei groß, sagt Mikšovský, auch wenn er schon einen Favoriten ausgemacht hat:

„Ich denke, dass ein sehr großes Interesse vor allem von Seiten des russischen Konzerns Lukoil ausgehen dürfte, der in Tschechien derzeit nur 40 Tankstellen hat. Zudem soll auch das Netz der OMV-Tankstellen in der Slowakei verkauft werden, und auch dort will Lukoil seine Position mit Sicherheit stärker ausbauen. Von daher ist Lukoil für mich der größte Favorit für den Kauf der OMV-Tankstellen in Tschechien.“

Der erzielbare Verkaufspreis wird auf 4 Milliarden Kronen (ca. 160 Millionen Euro) geschätzt. Das muss aber noch längst nicht das letzte Wort sein, meint Mikšovský:

„Der Preis entspricht in etwa den Vorstellungen sowohl des Käufers als auch des Verkäufers. Er könnte also von beiden Seiten durchaus akzeptiert werden, auf der anderen Seite wird es ganz sicher nicht ohne Bedeutung sein, wie viele Interessenten sich um den Kauf der Tankstellen tatsächlich bewerben werden.“

Die OMV betonte, dass noch keine endgültige Entscheidung darüber gefallen sei, welche Raffinerien und Tankstellen letztlich verkauft werden. Andererseits wurde bekannt, dass das österreichische Unternehmen bis 2014 eine Milliarde Euro aus den Verkäufen in mehreren Ländern erlösen will.

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