Wirtschaftsmagazin Kranich der Lufthansa fliegt in Tschechien immer höher hinaus
Es gibt Bereiche im globalen Leben, da sollte man besser keine Schwäche zeigen. Ansonsten profitiert der andere, der Konkurrent. Diese Formel trifft nicht nur auf den Sport, sondern auch auf die Wirtschaft zu. In der zivilen Luftfahrt kann man solch einen Zweikampf nahezu täglich am Prager Flughafen verfolgen, denn so wie tschechische Fluggesellschaft ČSA immer mehr die Flügel hängen lässt, so schwebt der Kranich der deutschen Lufthansa zu immer größeren Höhen empor. Radio Prag zeigt die jüngste Entwicklung von Lufthansa in Tschechien auf.
Die Deutsche Lufthansa AG mit Sitz in Köln ist einer der größten,
weltweit agierenden Konzerne in der zivilen Luftfahrt. Deshalb ist das
Unternehmen auch überall präsent, wo es etwas zu holen gibt. Der
Generaldirektor der Lufthansa Group für Mittel- und Osteuropa, Ofer Kisch,
erklärt das Grundprinzip der unternehmerischen Ausrichtung des Konzerns:
„Was wir täglich, monatlich, jährlich machen, ist, wir prüfen die Strecken von Prag zu jedem Punkt auf der Welt. Nach Fernost, nach Amerika, nach Europa. Und wenn wir einen großen Bedarf sehen, sind wir auch bereit, Investitionen zu tätigen und zusätzliche Kapazitäten auf diesen Strecken zu stellen.“
Prager Flughafen
Diesen Bedarf hat Lufthansa auch auf dem tschechischen Markt gesehen und
in entsprechende Zuwächse umgemünzt. Und diese Zuwächse können sich
sehen lassen: Im vergangenen Jahr hat die Fluggesellschaft aus und nach
Tschechien mehr als eine Million Passagiere transportiert. Das ist ein
Anstieg von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Für den
Generaldirektor der Lufthansa-Vertretung in Tschechien, Fabrice Tamegger,
war dies eine logische Entwicklung:
„Wir haben von vornherein an den tschechischen Markt geglaubt. Wir haben gesehen, dass hier massives Potenzial ist und haben daraufhin unsere München-Flüge verstärkt, das heißt ihre Frequenz um einen Flug pro Tag erhöht. Von fünf täglichen Flügen nach Frankfurt sind wir auf sechs tägliche Flüge gegangen. Wir haben sofort jede Opportunität in diesem Markt genutzt, um unsere tschechischen Passagiere auch über unser Netzwerk in die Welt transportieren zu können.“
Flugzeug der Gesellschaft Lufthansa (Foto: Manuel Dohmen, Creative Commons 3.0)
Das Korsett dieses Netzwerkes bilden die Fluggesellschaften Lufthansa,
Swiss und Austrian Airlines. Mit der Übernahme des österreichischen
Unternehmens durch die Lufthansa im Jahr 2009 ist der gemeinsame
Flottenverband zur größten ausländischen Airlines-Gruppe aufgestiegen,
sagt Tamegger. Durch die gestiegene Zahl der Flugverbindungen von Prag zu
den Heimatflughäfen von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines in
Deutschland, der Schweiz und Österreich haben so auch die tschechischen
Fluggäste eine bequeme Möglichkeit, auf schnellem Wege in jede Region der
Welt zu kommen, sagt Ofer Kisch:
Lufthansa hat sowohl die interkontinentale Dichte als auch das Langstreckennetzwerk in den letzten Jahren massiv erweitert. Den Passagieren in Prag wird somit die Möglichkeit gegeben, schnell und sicher zu jedem Punkt der Welt zu gelangen.
Ofer Kisch
Und Kisch wird auch nicht müde zu betonen, dass die zentralen Flughäfen
der drei Luftfahrtunternehmen gerade im Fernflugverkehr eine herausragende
Rolle spielen:
„Es ist kein Geheimnis, dass Flughäfen wie Wien, Zürich und Frankfurt eine sehr bequeme Möglichkeit zum Umsteigen bieten. Innerhalb von 30 Minuten kann man beispielsweise in Zürich und Wien einen Anschluss bekommen, in Frankfurt ist die Minimum Connecting Time etwas länger. Aber es sind sehr bequeme Flughäfen, die alle Facilities bieten, die der Passagier sich wünschen kann.“
Diesen Vorteil nutzen die tschechischen Fluggäste auch weidlich, allerdings nicht nur über ihren zentralen Flughafen in Prag-Ruzyně, ergänzt Fabrice Tamegger:
Fabrice Tamegger
„Prag ist definitiv die Schaltstelle. Allerdings kommt da wieder die
Gruppe zum Tragen. Denn ein Flughafen für Leute aus Südtschechien ist
nicht weit entfernt, die Möglichkeit mit Austrian Airlines von Wien aus zu
fliegen, liegt da nah. Da kommt die Geografie wieder ins Spiel. Deutschland
und Österreich sind beides Nachländer, und das spielt eine große Rolle
in diesem Kontext.“
Andererseits sind es aber nicht nur die tschechischen Klienten, die mit den Maschinen der Lufthansa Group von Prag aus- und wieder eingeflogen werden. Nein, auch die Tschechische Republik selbst hat für viele Deutsche, Österreicher und Schweizer eine hohe Anziehungskraft. Zudem ist besonders Prag unter Managern und anderen Wirtschaftsleuten ein gefragtes Reiseziel, zumal die Moldaumetropole Ausrichter vieler internationaler Kongresse und Seminare ist. Und die Stärke der tschechischen Wirtschaft spielte ebenso eine gewichtige Rolle in den unternehmerischen Überlegungen von Lufthansa, bemerkt Tamegger:
Prager Flughafen
„Wir wissen, dass Tschechien von den neuen EU-Ländern eines der
Musterländer ist. Das ist auch an den jährlichen Wachstumsraten zu sehen,
auch wenn Tschechien seine eigenen Probleme hat. Aber die tschechische
Wirtschaft ist doch sehr stark und hängt sehr stark an der deutschen
Wirtschaft. Wir haben ja gesehen, wie es in den letzten Jahren aufwärts
gegangen ist. Und deshalb glauben wir auch daran. Deswegen haben wir die
Gelegenheit genutzt, um hier zu investieren und auch um diesen
Wirtschaftsaufschwung weiter zu fördern. Wir wollen davon weiter
partizipieren.“
Subunternehmen und Beteiligungen des Lufthansa-Konzerns
Und Lufthansa partizipiert immer mehr am tschechischen Markt. Dank des
gestiegenen Transportaufkommens von und nach Prag hat das Unternehmen mit
dem Kranich im Wappen seinen Marktanteil inzwischen auf 25 Prozent ausbauen
können – damit ist die Lufthansa Group jetzt auch die Nummer 1 unter den
ausländischen Fluggesellschaften in Tschechien. Selbst das einheimische
Unternehmen Czech Airlines ist für Lufthansa schon in Sichtweite,
insbesondere deshalb, weil die nationale Fluglinie nach wie vor rote Zahlen
schreibt. Lufthansa kann hierzulande also vom Sinkflug der ČSA
profitieren. Nach Aussage von Fabrice Tamegger sei das für die
Firmenstrategie aber nicht maßgebend:
Foto: Archiv Lufthansa
„Wir schauen da auf uns und nicht so sehr auf die Konkurrenz.“
Nach wiederholter Nachfrage räumt Tamegger jedoch ein, dass Lufthansa stets bereit ist, in die Lücken zu stoßen, die die Konkurrenz hinterlässt:
„Der Bedarf ist da, weil die Konkurrenz aus dem Markt gestiegen ist. Und wir haben sofort darauf reagiert. Wir glauben an den tschechischen Markt und wir sehen, dass die Voraussetzungen sehr positiv für uns sind, um das Potenzial auch abzuschöpfen.“
Das Potenzial, das Lufthansa speziell bei den tschechischen Fluggästen
sieht, liegt in den bereits erwähnten Langstreckenflügen. Deshalb will
die Lufthansa Group dauerhafte Flugkunden auch möglichst langfristig an
sich binden. Dazu beitragen soll der gehobene Service, den das Unternehmen
in Zukunft verstärkt anbieten wird, sagt der Generaldirektor für Mittel-
und Osteuropa, Ofer Kisch:
„Wir haben unsere Produktvorteile. Insbesondere auf den Langstreckenmaschinen haben wir mitunter eine der modernsten Business- und First-Classes zu bieten. Auf verschiedenen Flügen über den Nordatlantik haben wir Internet an Bord. Dieses Paket, das sowohl aus einem guten Preis und einem guten Produkt besteht, macht unsere Flüge mit der Lufthansa sehr attraktiv.“
Streckennetz der Lufthansa, gelb: Lufthansa (ohne Star Alliance) und Lufthansa Cargo, blau: nur Lufthansa Cargo
Wenn das die Mehrzahl der tschechischen Fluggäste auch so sieht, dann
fliegt der Kranich wohl bald noch häufiger zwischen Prag, Frankfurt/Main,
Wien und Zürich hin und her. Und sollte bei der Konkurrenz gar ein
Pleitegeier kreisen, dann wird der Kranich bestimmt auch hier die Augen
besonders offen halten.





