Wirtschaftsmagazin Der schlaue Hans soll Kleinanleger ins Investment einführen
In Tschechien sparen die Menschen lieber, als dass sie investieren. Einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind zwei Drittel dieser Investitionen zudem finanziell bescheiden. Nun aber wurde eine Geschäftsidee losgetreten, dank der mehr Bewegung in den tschechischen Investitionsmarkt kommen soll. Es geht um den Kauf von Investitionsprodukten via Internet ohne Inanspruchnahme eines Finanzberaters.
Petr Koblic
In Tschechien gibt es in etwa 100.000 Leute, die wiederholt Investitionen
tätigen. Diese Finanzierungspraxis sei jedoch nicht so ausgeprägt wie in
mehreren Nachbarländern, erklärt der Generaldirektor der Prager
Wertpapierbörse, Petr Koblic:
„Im Vergleich zum Beispiel zu Polen, Ungarn oder Österreich ist die
Zahl der Investoren in Tschechien weitaus geringer. Hierzulande sind es in
der Mehrzahl reiche und sehr gebildete Leute, die sich das zutrauen und
ihre Investitionen auch selbst abwägen.“
Die Zahl der hiesigen Kleinanleger hält sich stark in Grenzen. Das aber
wollen die Autoren des Internetportals Chytrý Honza (zu deutsch: Der
schlaue Hans) ändern. Auf ihrer Webseite, auf der bereits Hypotheken,
Geldleihgeschäfte, Versicherungen oder vergleichende Bewertungen von
Finanzprodukten angeboten werden, soll jetzt auch denjenigen auf die
Sprünge geholfen werden, die in punkto Investitionen bisher eher
zögerlich agiert haben:
„Das Ziel unseres neuen Projektes ist es, das Investmentgeschäft einer möglichst breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Wir verbreiten dazu sämtliche Informationen über unsere Online-Plattform, weil das der schnellste und einfachste Weg ist“,
David Toula (Foto: Tschechisches Fernsehen)
behauptet der Marketingdirektor von chytryhonza.cz, David Toula. Auf
dieser Webseite sind nunmehr auch 14 Investitionsprodukte zu finden, unter
denen vor allem Anteilfonds überwiegen. Zu deren Anbietern gehört unter
anderem die Firma Conseq. Verkaufsdirektor Richard Siuda nennt die
Beweggründe für den Online-Auftritt der Investmentgesellschaft.
„Wir gehen davon aus, dass sich schon bald eine Gruppe von Leuten herauskristallisieren wird, für die das Internet die grundlegende Plattform zur Kommunikation ist. Und für diese Gruppe wollen wir dann dort auch präsent sein.“
Jiří Paták (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Welchen Nutzen aber können die Internet-User, die möglicherweise ins
Investment einsteigen wollen, aus der Webseite chytryhonza.cz tatsächlich
ziehen? Dazu sagt der Exekutivdirektor des Projekts, Jiří Paták:
„Es geht um den Preis, den ich als Kleinanleger berappen muss, wenn ich irgendeine Investition tätigen will. Wenn ich diese via Internet selbst in Gang bringe, ist das für mich die schnellere und billigere Lösung. Ich benötige dazu nämlich keinen Makler oder Berater, der eine Menge Geld kostet.“
David Kučera
David Kučera, Finanzberater der Agentur Partners, hält dem jedoch
entgegen:
„Ich bin der Auffassung, dass ein Finanzberater in diesem Segment immer vonnöten und gefragt sein wird, genauso wie ein Experte auf anderen Fachgebieten. Schon aus dem Grund, weil Informationen zum Investment allein nicht ausreichen, um eine kluge Entscheidung zu treffen. Dazu gehört auch eine gewisse Erfahrung, die einem dabei hilft, sich so zu entscheiden, dass man keine zu großen Verluste riskiert.“
Nach Meinung von Kučera würden die Verluste, die man im Investment durchaus hinnehmen muss, auch weitaus höher ausfallen als die Ersparnis, die man durch die geringen Internetgebühren erzielt. Deshalb habe er auch keine Befürchtung, dass seine Berufsgruppe jetzt auf einmal weniger zu tun bekomme, so Kučera.
Es sei aber gerade das relativ große Heer der Berater und Makler, das
einer größeren Verbreitung des Investmentgeschäfts im Wege stehe, meint
Jiří Paták. Dies sei auch für ihn und seine Mitarbeiter ein Beweggrund
gewesen, das Segment Investment ins Portfolio der Webseite chytryhonza.cz
aufzunehmen, so Paták:
„Fakt ist, dass die Tschechische Republik eine Weltspitzenposition einnimmt, was die Zahl der Berater pro Kopf der Bevölkerung anbelangt. Das zeugt davon, dass die Beratertätigkeit hierzulande ein ziemlich einträgliches Geschäft sein muss, das natürlich von den Klienten bezahlt wird. Für uns heißt das nichts anderes als: Wir stehen auf der Seite des Klienten, indem wir für ihn die Investmentgebühren maximal senken.“
Petr Fejtek (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Dennoch: Auch andere Experten stehen dem neuen Projekt von chytryhonza.cz
skeptisch gegenüber. Zu ihnen gehört der Chefredakteur der
Fachzeitschrift FP-finanční poradce, Petr Fejtek:
„Auf der Webseite ist noch kein ausreichendes Angebot im Bereich Investment zu finden. Es ist lediglich ein erster Schritt für die besser Informierten. Aber ohne einen Finanzberater wird es nicht gehen.“
Es ist also wie immer, wenn etwas Neues auf den Markt kommt: Erwartungen und Skepsis halten sich die Waage. Wichtiger aber ist, dass Neuerungen vollzogen und ausprobiert werden, nur dann sieht man auch weiter.
Prager Flughafen im Stadtteil Ruzyně seit 75 Jahren in Betrieb
Prager Flughafen in 1937 (Foto: Archiv des Flughafens Prag)
Vor zwei Wochen haben wir Sie in unserem Wirtschaftsmagazin darüber
informiert, wie stark die Deutsche Lufthansa AG in Tschechien auf dem
Vormarsch ist. Lufthansa profitiert dabei einerseits von der momentanen
Schwäche der hiesigen staatlichen Fluggesellschaft ČSA, zum anderen aber
ebenso von den guten Voraussetzungen, die der Flughafen Prag-Ruzyně
bietet. Und dieser Flughafen feierte jüngst seinen 75. Geburtstag. Die
erste Maschine, ein ČSA-Inlandflug vom slowakischen Piešťany über Zlín
und Brno / Brünn nach Prag, landete am 5. April 1937 um 9 Uhr morgens. Das
ist also schon lange her, an die Unwägbarkeiten des damaligen Flugbetriebs
aber erinnert sich der ehemalige Flughafen-Direktor Lubomír Dudáček noch
ganz genau:
Lubomír Dudáček (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Bei schlechtem Wetter konnte man weder starten noch landen, denn das
Terrain war verschlammt.“
Dennoch gehörte der Flughafen im heutigen Prager Stadtteil Ruzyně mit seinen zwei auf hartem Rasen ausgelegten Start- und Landebahnen damals zu den modernsten in Europa. Das bestätigt auch der Exekutivdirektor der Investmentbank Patria Finance, Petr Kováč:
„Der Flughafen war nicht nur modern, sondern wurde letztlich sogar als schönster Flughafen seiner Zeit betitelt. Auf einer Ausstellung in Paris wurde er dafür mit einer Medaille ausgezeichnet.“
Petr Kováč
Es war eine Goldmedaille, die der Flughafen 1937 auf der Internationalen
Ausstellung für Kunst und Technik in Paris erhielt - und zwar für die
gelungene Architektur seines Abfertigungsgebäudes, das von Architekt Adolf
Benš entworfen wurde. Aber auch heute nimmt der Prager Flughafen einen
festen Platz in der zivilen Luftfahrt ein, betont Petr Kováč:
„Der heutige Flughafen hat einen hohen Standard und zählt zu den
modernsten in seiner Größenordnung. Im vergangenen Jahr wurde er zudem
von den Fluggesellschaften ganz oben eingestuft, und zwar als der Flughafen
mit der dynamischsten Entwicklung in der ganzen Welt.“
Prager Flughafen
Für diese Aussage sprechen auch viele Zahlen. Wurden vor 75 Jahren, im
ersten Jahr seines Betriebs, auf dem Prager Flughafen rund 13.500
Passagiere abgefertigt, so waren es im vergangenen Jahr schon knapp 12
Millionen Fluggäste. Auf dem Flughafen verkehren heute zirka 50
Fluggesellschaften und von Prag aus kann man rund 130 Zielorte direkt
anfliegen.





