Umwelt und Verbraucher Landwirtschaftskammer und Lebensmittelhandel fördern Biowein
Biolebensmittel erfreuen sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Dennoch hat Tschechien im Vergleich zu seinen Nachbarländern Deutschland und Österreich noch einiges aufzuholen. Die tschechische Landwirtschaftskammer will das nun ändern und hat dazu eine Kooperation mit einer Handelskette geschlossen. Neu in den Regalen dieser Supermarktkette steht auch mährischer Biowein.
Nur etwa ein Prozent aller in Tschechien verkauften Lebensmittel stammt
aus
biologischer Erzeugung. In Deutschland hingegen liegt der Bio-Anteil bei
rund vier Prozent, in Österreich bei sechs. Innerhalb der kommenden fünf
Jahre will Tschechien zu seinen Nachbarländern aufschließen. Die
Biolebensmittel-Strategie des Landwirtschaftsministeriums will den Anteil
der Produkte aus biologischer Produktion in den heimischen Geschäften bis
2015 auf mindestens fünf Prozent steigern. Für mehr Biolebensmittel
stark
macht sich auch die tschechische Landwirtschaftskammer, wie deren
Präsident Jan Veleba erläutert:
Jan Veleba
„Wir haben mit der Handelskette Billa eine Zusammenarbeit
vereinbart, um
den Verkauf von tschechischen Biolebensmitteln zu unterstützen. Billa hat
dazu rund 80.000 Euro bereitgestellt. Unser gemeinsames Ziel ist es,
möglichst viele tschechische – ich betone und unterstreiche zweimal
tschechische – Biolebensmittel in die Filialen zu bekommen. Das Projekt
läuft und die Zusammenarbeit ist sehr gut. Auch wenn dass manch anderer
Firma nicht passt.“
Nicht einverstanden mit der Zusammenarbeit zwischen der in Tschechien mit 200 Filialen vertretenen österreichischen Handelskette Billa, einer Tochter des deutschen Rewe-Konzerns, und der tschechischen Landwirtschaftskammer ist die heimische Coop-Genossenschaft:
Zdeněk Juračka
„Mit uns hat niemand über dieses Projekt gesprochen. Ich denke,
wenn
immer über die Unterstützung der tschechischen Erzeuger gesprochen wird,
dann sollte auch der tschechische Handel gefördert werden.
Landwirtschaftskammer-Präsident Veleba redet dauernd davon, wie sehr doch
die ausländischen Handelsketten der tschechischen Landwirtschaft schaden.
Wenn es aber ums Geld geht, dann hat er plötzlich nichts gegen
ausländische Supermärkte“,
so der Vorsitzende des Verbandes der böhmischen und mährischen Coop-Verbrauchergenossenschaften, Zdeněk Juračka, in einer schriftlichen Stellungnahme. Landwirtschaftskammer-Präsident Jan Veleba sagt zu dieser deutlichen Kritik:
„Wir sprechen mit jedem. Ich finde es sehr unglücklich, dass der
Coop-Chef mit uns über die Medien kommuniziert anstatt den Telefonhörer
in die Hand zu nehmen und mit mir einen Termin zu vereinbaren. Wir
unterschreiben gerne einen ähnlichen Vertrag zur Förderung von
regionalen
Biolebensmitteln, denn Coop ist eine tschechische Handelskette. Aber ich
habe den Eindruck, die Fähigkeiten zur Kommunikation sind dort sehr
gering.“
Jaroslaw Szczypka
Die ausländischen Handelsketten werden von ihren heimischen Mitbewerbern
immer wieder dafür kritisiert, dass sie viele ihrer Produkte importieren.
So sind in tschechischen Supermärkten Bio-Joghurt und Käse aus
Österreich oder Milch aus der Slowakei keine Seltenheit. In seinen
Filialen finde man kaum Bio-Ware aus dem Ausland, sagt der Generaldirektor
von Billa Tschechien, Jaroslaw Szczypka, im Gespräch mit Radio Prag:
„Aus Tschechien kommen – das kann ich Ihnen fast genau aufs Prozent sagen – neun von zehn Bioprodukten. Bei den anderen Produkten sind es 65 Prozent. Bei den Milchprodukten kommen 80 Prozent aus Tschechien und beim Fleisch 100 Prozent. Das heißt, Fleisch und Hühner.“
Pavel Pastorek in den Tempelritter-Kellern
Allerdings, das Bio-Joghurt in den Regalen der tschechischen
Billa-Filialen stammt aus Österreich. Aber nicht mehr lange, versichert
der zuständige Bereichsleiter. Man habe bereits einen Vertrag mit einer
Molkerei in Ostmähren geschlossen. Nun müsse man nur noch die in
Österreich auf Lager liegenden Joghurt-Verpackungen aufbrauchen. Ab
Anfang
Dezember soll dann das Bio-Joghurt der Billa-Eigenmarke ausschließlich in
Tschechien produziert werden.
Neu im Regal der heimischen Filialen der Handelskette mit dem gelb-roten Logo ist Biowein. Produziert wird der Weiß- und Rotwein nach biologischen Kriterien von den Tempelritter-Kellern, einer Weinbaugenossenschaft im südmährischen Čejkovice. Deren Leiter, Pavel Pastorek, betont, wo Bio draufstehe, sei auch garantiert Bio drin:
Tempelritter-Keller in Čejkovice
„Das ist nicht so, wie ich das manchmal zu hören bekomme: Ein
Bioweinbauer sei der, der seine Weinstöcke tagsüber mit Bio-Proudukten
spritze und in der Nacht mit chemischen Mitteln. Das ist nicht so, denn
diese chemischen Produkte lassen sich ganz einfach mit einer Analyse der
Weinblätter nachweisen.“
Der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln und künstlichen Zusätzen sei im biologischen Weinbau natürlich streng verboten, sagt Pastorek:
Foto: www.zelenydvur.cz/biofarma
„Selbstverständlich sind auch Konservierungsstoffe verboten. Der
einzige erlaubte Zusatzstoff ist Schwefel. Ohne dieses Schwefeloxid (SO2)
kann man keinen Wein herstellen. Dabei sind wir nun ein wenig aufs
Glatteis
geraten, denn die EU will den Schwefelanteil im Biowein radikal senken.
Und
das würde die Stabilität des Weins gefährden. Wir haben als kleines
Weinbauland mit gerade einmal 20.000 Hektar Anbaufläche in Brüssel
nichts
zu sagen. Wir sind uns mit den Weinbauern in Deutschland und Österreich
einig, dass es eine Obergrenze für den Schwefelzusatz geben soll. Aber
wir
sind gegen diese radikale Senkung, damit der Wein stabil bleibt. Denn der
Verbraucher kauft wohl kaum ein Bioprodukt, wenn ihm der Wein nach dem
Öffnen der Flasche entgegenkommt oder total trüb ist. Denn gerade der
Schwefel verhindert, dass der Wein in der Flasche zu gären
beginnt.“
Seine Genossenschaft habe lange überlegt, ob man den Schritt zum Biowein
wagen soll, denn die Auflagen, die es dabei zu erfüllen gilt, seien sehr
hoch, sagt der Chef der Tempelritter-Keller, Pavel Pastorek:
„Der Übergang von der konventionellen, integrierten Weinproduktion zum Bio-Anbau ist sehr langwierig. Er dauert mindestens drei Jahre. Während dieser drei Jahre darf man keinerlei chemische Produkte verwenden, zum Beispiel gegen Pilzerkrankungen. Und auch kein einziges Kilo Kunstdünger darf man streuen. Diese gesamte dreijährige Übergangsfrist wird vom Staat streng kontrolliert. Erst dann bekommt man ein Zertifikat, dass es erlaubt, die so angebauten Trauben zu Biowein zu verarbeiten.“
Gegen die gerade in diesem Jahr stark verbreiteten Pilzerkrankungen setze
man in den Bio-Weingärten vor allem ätherische Öle, aber auch in
geringem Ausmaß Kupfer und Schwefel ein. Dennoch werde die diesjährige
Ernte eher mager ausfallen, sagt Pastorek.
Den Einstieg in den Bio-Markt gewagt zu haben, bereue man in den Tempelritter-Kellern aber keinesfalls: Die bisherigen Absatzzahlen der Bioweine stimmten optimistisch und dank der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer und dem Lebensmittelhandel erreiche die Nachfrage schon beinahe die Grenzen der derzeitigen Produktionskapazität, so Pavel Pastorek.






