Reiseland Tschechien Šumava in der Ungargasse: Böhmerwaldmuseum Wien
Die passionierten Böhmerwaldfans wissen, dass sie ein Böhmerwaldmuseum beispielswiese in der Stadt Sušice / Schüttenhofen finden. Die Stadt gilt als das Tor zum Böhmerwald. Und das Museum in Susice ist bei weitem nicht das Einzige seiner Art. Es gibt nämlich auch ein Böhmerwaldmuseum, das nicht gerade inmitten des Böhmerwalds liegt. Nicht wenige Bewohner dieser Gegend sind noch in der k. u. k. Zeit nach Wien gegangen, um Arbeit zu finden und haben sich oft in der Donau-Metropole niedergelassen. Und auch deshalb gibt heutzutage ein kleines Böhmerwaldmuseum in Wien. Gemälde und Urkunden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, alte Ansichtskarten und auch Gegenstände des bäuerlichen Alltagslebens – all das ist in den Sammlungen zu sehen. Mit Gernot Peter vom Museumsverein sprachen wir über das Stück Böhmerwald in der Wiener Ungargasse 3.
Herr Peter, wie ist das Böhmerwaldmuseum in Wien entstanden? Sind Sie der Initiator?
Böhmerwaldmuseum
„Das Museum hat es schon lange vor meiner Zeit gegeben. Ich bin durch
meine Hobbys – durch meine private Familienforschung drauf gekommen. Das
Museum wurde 1952 in Wien gegründet, aber geht auf viele Leute zurück,
die schon vor dem Ersten Weltkrieg in Wien beheimatet waren. Sie sind aus
dem Böhmerwald nach Wien gegangen, dort haben sie studiert und beruflichen
Erfolg gehabt. Sie haben schon Sammlungen aufgebaut. Aus diesen Sammlungen
ist dann nach dem Zweiten Weltkrieg das Museum entstanden. Die vielen
Heimatgruppen, die sich damals gebildet haben und sich auch meistens in
Gasthäusern getroffen haben, haben begonnen, aus den Nachlässen der
Leute, die schon in Wien länger gelebt haben, Stücke zu sammeln. In den
Hinterzimmern der Gasthäuser haben sie ein kleines Museum gegründet.
Damit waren diese Gegenstände gerettet Und das ist der Grund dafür, dass
wir im Böhmerwaldmuseum Wien sowie in der Erzgebirger Heimatstube viele
authentische und alte Sachen haben. Wir haben Gemälde aus dem Jahr 1790,
alte Urkunden aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Es ist also keine Sammlung,
die aus der Vertreibung, aus den Nachkriegsereignissen entstanden ist. Im
Museum gibt es Exponate, die es in wenigen Sammlungen in Deutschland gibt.
Das haben uns auch Experten bestätigt. Meine Motivation, als ich zum
Museumsverein gestoßen bin, war, eben diese Sammlung für die Zukunft zu
erhalten sowie alles gut zu sortieren, katalogisieren und archivieren,
sodass wir nun wissen, was wir alles im Museum haben.“
Foto: Autorin
Stammten Ihre Vorfahren aus dem Böhmerwald oder war es nur Zufall, dass
Sie sich für diese Region zu interessieren begannen?
„Ein Teil meiner Familie kommt bodenständig aus Niederösterreich oder aus dem Waldviertel. Das ist schon eine Gegend, die an Böhmen angrenzt – es geht um die Region von Nové Hrady / Gratzen. Aber ich habe auch Böhmerwaldlinien: Meine Vorfahren stammen aus Buchwald / Bučina, Fürstenhut / Knížecí Pláně, wo sich die Familien in der Zeit von 1750 – 1800 angesiedelt hatten. Auch ein einst bekannter Schriftsteller, der viel über den Böhmerwald geschrieben hat, Johann Peter, stammt aus dieser Familie. So ist das Interesse entstanden, sich über seine Bücher mit der Familiengeschichte zu beschäftigen. Dann gibt es noch Vorfahren aus der Gegend von Pilsen, aus der Gegend von Klatovy / Klattaus, aus der Gegend von Litoměřice / Leitmeritz – also ich bin eine richtige ´Monarchiemischung´ so zu sagen.“
Arbeiten Sie auch mit Museen im Böhmerwald zusammen?
Český Krumlov (Foto: CzechTourism)
„Ja, wir haben eine gute Kooperation mit dem Regionalmuseum in Český
Krumlov / Krumau, mit dem wir bereits Ausstellungen vorbereitet haben. Wir
haben zwei Ausstellungen in Nové Hrady gemacht, und diese Ausstellungen
auch nach Wien gebracht. Wir haben eine Ausstellung über den
Schriftsteller Johann Peter und die verschwundenen Orte in der Umgebung des
Moldauursprung in Kvilda / Außergefilde organisiert. Zurzeit bereiten wir
weitere Kooperationen vor, denn sie bieten uns die Chance, auch in
Tschechien bekannter zu werden.“
Soviel ich weiß, wird alles um das Museum nur ehrenamtlich gemacht. Es ist also mehr oder weniger nur Ihr Hobby?
„Ja, es ist mein Hobby und das Hobby von einigen wenigen Mitstreitern. Nicht nur meine Familie, sondern auch einige Bekannte unterstützen mich. Aber es wird alles nur ehrenamtlich gemacht und deswegen haben wir das Museum nur an den Sonntagen geöffnet. Es ist ein reines Hobby, jedoch es macht Spaß.“
Kvilda (Foto: Autorin)
Wir groß ist das Interesse für das Museum in Wien? Kommen nur Leute, die
aus dem Böhmerwald stammen oder die dort noch Verwandtschaft haben oder
zieht es breitere Kreise?
„Es ist unterschiedlich. Es sind natürlich noch viele da, die entweder selbst noch in der Gegend aufgewachsen oder geboren sind, oder die Wurzeln in dieser Region haben. Oft kommen auch mehrere Generationen – die Großmutter mit ihren Enkelkindern usw. Es ist oft so, dass sich erst die übernächste Generation dafür interessiert. Es kommen aber auch Leute, die sagen: Wir möchten uns das Museum nur anschauen. In Wien gibt es eine Aktion, die die ´Lange Nacht der Museen´ heißt und in der alle Museen die ganze Nacht geöffnet haben. Da kommen Leute ins Museum, die mit dem Böhmerwald an und für sich nichts zu tun haben. Es kommen auch welche mit ihren Forschungsunterlagen und mit alten Dokumenten und sie sagen: ´Bitte sagen Sie mir, wo dieser Ort lag. Und haben sie irgendwelche Informationen zum Ort? Es ist also bunt gemischt. Wir versuchen, das Museum immer bekannter zu machen.“
Sie haben soeben den Böhmerwaldschriftsteller Peter erwähnt. Wurde schon etwas aus seinem Werk ins Tschechische übersetzt?
Foto: Autorin
„Es gibt da einen sehr engagierten Herrn – Jan Mareš, der in der
Nähe von České Budějovice / Budweis lebt. Er veröffentlichte viele der
heute vergessenen Böhmerwaldschriftsteller in beiden Sprachen im Internet.
Er hat auch einige Gedichte und Kurzgeschichten von Johann Peter
übersetzt. Es gibt aber eine Fülle von heute vergessenen Schriftstellern,
die wir durch die Literatur in unserem Museum kennen. Es ist nicht nur
Adalbert Stifter, wo wir eine Handschrift von ihm im Museum haben. Es ist
nicht nur Karel Klostermann, der heute in Tschechien noch gut bekannt ist.
Es gibt Schriftsteller, die zunehmend jetzt in Tschechien entdeckt und
wieder veröffentlicht werden. Dies ist für uns ganz interessant, es zu
verfolgen.“
Planen Sie in der nächsten Zeit eine Wanderausstellung vor?
Foto: Autorin
„Wir haben jährliche Sonderausstellungen. Wir haben jetzt noch laufende
Ausstellung über Andreas Hartauer, der das bekannte Böhmerwaldlied
komponiert hat. Das Lied ´Tief drin im Böhmerwald´ gibt es auch in
tschechischer Version. Hartauer lebte letztlich in Niederösterreich. Heuer
haben wir auch eine Sonderausstellung über Jeanette Schmidt geplant. Sie
wurde in Volary / Wallern geboren. Schmidt war eine Zirkus- und
Varietékünstlerin, eine Kunstpfeiferin. Sie ist vor fünf Jahren
gestorben, und anlässlich des 5. Todestags bereiten wir diese Ausstellung.
Sie war in Österreich sowie in der Welt sehr bekannt. Denn sie ist mit
Frank Sinatra oder Josephine Baker aufgetreten. Sie hat ein interessantes
Schicksal gehabt. So versuchen wir Persönlichkeiten wieder bekannt zu
machen, die aus dem Böhmerwald stammen und Bezug zu Österreich haben. Die
Kooperationen mit den Städten wie Český Krumlov oder Nové Hrady setzen
wir natürlich fort. Da gibt es eine Menge neuer Projekte. Wir arbeiten
auch mit Institutionen in Deutschland und in Österreich zusammen.“
Das Museum in der Wiener Ungargasse 3 ist an Sonntagen von 9 - 12 Uhr
geöffnet. Gegen telefonische Voranmeldung kann man das Museum auch
besuchen.
Mehr über das Wiener Böhmerwaldmuseum findet man unter
www.boehmerwaldmuseum.at.






